Ungewöhnlich starker Ausbruch der Vogelgrippe – Geflügelhalter für Stallpflicht
- Geflügelwirtschaft fordert Stallpflicht-Anordnungen
- Ungewöhnlich starker und früher Ausbruch in diesem Jahr
- Tausende tote Vögel in Brandenburg – viele Kraniche
Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) hat wegen des ungewöhnlich starken Ausbruchs der Vogelgrippe die Länder aufgefordert, jetzt aktiv zu werden. "Abwarten ist keine Option", sagte ZDG-Präsident Hans-Peter Goldnick. Von dem frühen und kräftigen Ausbruch seien vor allem Legehennen- und Putenbestände in offenen Haltungen betroffen.
Neue Daten des Friedrich-Loeffler-Instituts zeigten, dass der Subtyp H5N1 bei Wildvögeln dominiere und in Nutzgeflügel-Haltungen übertragen werde. Das gefährde nicht nur einzelne Betriebe, sondern die Geflügelproduktion in ganz Deutschland, sagte Goldnick. Darum sei "sofort" zu prüfen, ob es – außer bei Gänsen, bei denen das nicht praktikabel sei – überall Stallplicht gelten solle.
So fordern etwa Geflügelhalter in Niedersachsen eine Stallpflicht im ganzen Land. Sie könnten das nicht von sich aus entscheiden, sagte der Vorsitzende des dortigen Verbands, Friedrich-Otto Ripke, auch wegen der Versicherung, denn ohne eine behördliche Anordnung wäre eine Aufstallung von Freiland-Geflügel "ein Verstoß gegen die Vermarktungsnorm".
Ungewöhnlich starker Ausbruch
Es sei sehr ungewöhnlich, dass es schon jetzt so viele Ausbrüche der Geflügelpest in so vielen Bundesländern gebe, sagte Ripke: "In nur drei Wochen in sieben Bundesländern, das gibt schon Anlass zu großer Sorge."
Neben Niedersachsen sind auch Sachsen-Anhalt und Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Bayern betroffen. Nach aktuellen Angaben sind bundesweit schon mehr als 240.000 Tiere wegen des Virus H5N1 gekeult worden.
Wenn der Bestand gekeult werden muss, ist die Existenzgrundlage weg.
Zwar sei Freilandhaltung ein Beitrag zum Tierwohl, sagte Ripke. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass Tiere sterben und ihre Halter in Not geraten: "Wenn der Bestand gekeult werden muss, ist die Existenzgrundlage weg."
Tausende tote Tiere in Brandenburg
Auch in Brandenburg ist die Rede vom bislang größten Vogelgrippe-Ausbruch bei Wildvögeln: Mehr als 1.000 Kraniche rund um das Linumer Teichgebiet sind nach Schätzungen der Behörden tot.
Helfer sammelten Kadaver an den Linumer Teichen im Kreis Ostprignitz-Ruppin. Auch andere Landkreise meldeten Funde toter Kraniche. Die Präsidentin des Friedrich-Loeffler-Instituts, Christa Kühn, sagte dem RBB, es sei auch "ungewöhnlich", dass jetzt so viele Kraniche unter den Wildvögeln infiziert seien. Das habe vermutlich mit dem Zeitpunkt des Vogelzugs zu tun, mit dem Wetter und den Routen der Vögel. Kühn sprach von einem "sehr dynamischen Geschehen", und wegen des Herbstzugs der Vögel nach Süden wachse auch die Gefahr für die Geflügelhaltungen weiter.
Die sogenannte Vogelgrippe oder auch Geflügelpest ist eine Infektionskrankheit, die vor allem bei Wasservögeln wie etwa Wildgänsen, aber auch bei anderen Arten vorkommt. Eingeschleppt in Geflügelbetriebe kann sie sehr schnell große wirtschaftliche Schäden verursachen.
ots/dpa/MDR (ksc)
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