BahnCard nur noch digital – Kritik an fehlender analoger Lösung
- Die BahnCard gibt es seit 2024 nur noch digital.
- Wer kein Smartphone besitzt, kann sich ein Papierdokument ausdrucken lassen – muss dafür aber ein Onlinekonto haben.
- Seniorenvertreter fordern, dass Mobilität auch ohne digitale Hürden möglich bleibt.
Eine unserer Hörerinnen aus dem Löwenberger Land möchte gerne wissen, warum es für Menschen, die kein Smartphone haben, keine BahnCard mehr gibt: "Ist da wirklich keine Alternative für alle ohne Smartphone?"
Digitale BahnCard ersetzt Plastikkarte
Im Fernverkehr werden der Deutschen Bahn zufolge 90 Prozent aller Tickets digital gekauft und auch im Regionalverkehr mehr als 70 Prozent. Deshalb habe man sich im vergangenen Jahr dazu entschieden, die Plastikkarte abzuschaffen. Allerdings wolle man niemanden auf dem Weg zur Digitalisierung allein lassen, teilt die Bahn schriftlich mit: "Kein Bahnreisender braucht ein Smartphone im Zug. Es gibt selbstverständlich auch weiterhin Spar- und Super Sparpreise im Reisezentrum. Kund:innen erhalten auf Wunsch einen Papierausdruck ihres Tickets. Und auch die BahnCard kann in analoger Form – dann als Papierausdruck – mitgeführt werden."
Papierausdruck als Ersatz – mit Haken
Es gibt also nach wie vor eine analoge BahnCard – nur eben als ausgedrucktes Blatt Papier statt Karte. Aber wie kommt man da ran?
Dazu heißt es von der Bahn: "Alle BahnCard-Kund:innen können in ihrem Kundenkonto auf bahn.de ein Ersatzdokument abrufen und bei Bedarf auf Papier ausdrucken. Wir haben unsere Kund:innen umfangreich zu dieser Möglichkeit informiert. Wem das Selbstausdrucken gar nicht möglich ist, der kann einen solchen Ausdruck auch im Reisezentrum erhalten. Aber: Alle Kund:innen mit BahnCard benötigen ein Kundenkonto."
Das legen die Mitarbeitenden des Reisezentrums an, wenn man dort eine BahnCard kauft, heißt es weiter. Was man dazu aber auf jeden Fall braucht ist eine E-Mail-Adresse.
Andere Länder zeigen Alternativen
In den Augen von Michael Koch vom Fahrgastverband Pro Bahn ist das vor allem kompliziert und wenig praktikabel: "Dabei gäbe es auch Möglichkeiten das Digitale mit einer Plastikkarte zu verbinden und auch ohne jedes Jahr eine neue Plastikkarte schicken zu müssen."
Koch verweist etwa auf die Schweiz: Hier gibt es den "SwissPass". Das ist eine Karte, die sozusagen immer wieder aufgeladen werden kann – sowohl digital als auch ganz analog, erklärt Koch. "Auf diese Karte kann man dann Abos aufladen – dort heißt es Halbtax – in dem Fall könnte man eine BahnCard aufladen. Man kann auch Fahrscheine damit kaufen." Auch in Tschechien gebe es eine ähnliche Karte von der Tschechischen Bahn, die "In-Karta". "Warum die Deutsche Bahn ein solches System nicht verwendet, ist uns nicht verständlich."
Seniorenrat warnt vor Ausgrenzung
Koch sieht das Risiko, dass insbesondere ältere Menschen ohne Smartphone in ihrer Mobilität eingeschränkt werden könnten, wenn Rabatte nur noch digital angeboten werden. Das sieht auch Jan Steinhaußen, Geschäftsführer des Landesseniorenrats Thüringen, ganz ähnlich: "Wenn Rabatte nur noch möglich sind, wenn man digital affin ist, dann werden ältere Menschen davon ausgeschlossen und ausgegrenzt. Und wenn sich dadurch Bahnpreise verteuern, dann werden sie von älteren – insbesondere von denen, die von Armut betroffen sind – nicht mehr genutzt."
Das ist natürlich eine gravierende Teilhabebeschränkung.
Denn Mobilität sei ein Grundbedürfnis, so Steinhaußen. Insbesondere für alte Menschen seien die Barrieren in der digitalen Welt ohnehin hoch: Selbst wenn sie über die technischen Geräte verfügten, könnten einige die Software nicht verstehen oder hätten keine Hilfe im näheren sozialen Umfeld. Deshalb brauche es für eine kleine Gruppe immer eine einfache analoge Alternative.
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