Eine Umfrage in der Redaktion zum Thema Sommer- und Normalzeit. Da gibt es die emotionalen Antworten: "Sommerzeit? Mir wird eine Stunde Schlaf geraubt!". "Winterzeit? Jetzt wird’s so früh dunkel, dass ich nach der Arbeit gar nicht mehr joggen kann!" Alles blöd also. Und dann gibt es die rationalen Reaktionen. "Gibt’s dazu nicht wieder neuere Forschung?" Und, ja: die gibt’s.

Wo sich Nord- und Ostdeutsche unterscheiden

Eine Forsa-Umfrage zum Beispiel, die zu dem (nicht repräsentativen) Ergebnis kommt, dass Norddeutsche noch am besten mit der Umstellung der Uhren leben können (wahrscheinlich, weil es sowieso dunkler ist?) und wir Ostdeutschen in einer sehr großen Prozentzahl den Wechsel zwischen Sommer- und Normalzeit ablehnen. Das würde dann auch die emotionalen Antworten der ostdeutschen Redaktionsumfrage erklären.

Es gibt aber noch mehr an aktueller Forschung, die sich mit dem sogenannten zirkadianen System befasst, also unserer inneren Uhr. Studie Nummer 1: Warum Alzheimer und die innere Uhr zusammenhängen. Das hat erstmal natürlich nichts mit der Uhrenumstellung an sich zu tun. Aber: da diese aktuelle Studie im Ergebnis sagt, dass die Beeinflussung der inneren Uhr möglicherweise positive Wirkungen gegen Alzheimer haben könnte, gibt es dann doch eine Verbindung. Denn wir wissen: Chronobiologisch schadet die Zeitumstellung, weil unsere biologischen Uhren mit unseren sozialen Uhren nicht sehr gut zusammen ticken.

Wenn die Innere Uhr aus dem Rhythmus ist

Aber was sagt nun diese Studie? Experimente mit Mäusen haben gezeigt, dass bei Alzheimer die zirkadianen Rhythmen einiger Gehirnzellen gestört sind. Was wiederum dazu führt, dass das Regulieren wichtiger Funktionen im Gehirn nicht richtig abläuft. "82 Gene werden mit dem Alzheimer-Risiko in Verbindung gebracht, und wir haben festgestellt, dass der zirkadiane Rhythmus die Aktivität von etwa der Hälfte davon steuert", sagte Dr. Erik S. Musiek, Professor für Neurologie an der Washington University in St. Louis und Leiter der Studie.

Man gehe davon aus, dass die innere Uhr des Körpers auf 20 Prozent aller Gene im menschlichen Genom einwirkt und deren Ein- und Ausschalten steuert, um Prozesse wie die Verdauung, das Immunsystem und unseren Schlaf-Wach-Rhythmus zu steuern. In Bezug auf Alzheimer führe die zirkadiane Störung zwar nicht zur vollständigen Abschaltung der betroffenen Gene, verwandelte aber eine geordnete Abfolge von Ereignissen in ein chaotisches Phänomen, das die optimale Synchronizität der Gehirnfunktionen, wie beispielsweise den Abbau von Amyloid, beeinträchtigen konnte. Was zu der Schlussfolgerung führt, dass man mit der Beeinflussung des zirkadianen Rhythmus‘ möglichweise auch wieder für "Ordnung" im Gehirn sorgen könnte.

Im Abstand von nur sechs Stunden erschien am 23. Oktober eine zweite Untersuchung, die die Empfindlichkeit des Körpers für "falsche" Tageszeiten zum Thema hat. In einer Kohortenstudie hat Daniel Windred vom College of Medicine and Public Health der australischen Flinders University herausgefunden, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankung bei Erwachsenen über 40 Jahren signifikant steigt, wenn sie nachts Licht ausgesetzt sind. Auch das hat natürlich nicht direkt mit der Uhrenumstellung zu tun, zeigt aber deutlich, wie sehr unser Körper, unsere Gesundheit, unser Schlaf mit einem Tag-/Nacht-Rhythmus verbunden ist, der sensibel auf Störungen reagiert.

Die Wissenschaft ist also sehr eindeutig, was die Umstellung von Uhren betrifft. MDR WISSEN hat oft darüber berichtet (zum Beispiel hier, hier oder hier). Und die anderen, die emotional argumentieren, wissen insgeheim natürlich auch, dass sie nur dann abends länger bei Helligkeit joggen können, wenn sie irgendwann mal im Frühjahr eine Stunde weniger geschlafen haben.

Joggen in der dunklen Jahreszeit verlangt deutlich mehr Equipment.Bildrechte: IMAGO/Zoonar

Links/Studien

Zu den Studien : A glial circadian gene expression atlas reveals cell-type and disease-specific reprogramming in response to amyloid pathology or aging, Light exposure at night and cardiovascular disease incidence und Forsa-Umfrage zur Uhrenumstellung

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