ePA im Selbsttest – wie ich schon am Login scheiterte
- Um die elektronische Patientenakte zu nutzen, muss man zunächst mehrere Apps installieren.
- Viele Versicherte kommen spätestens bei der Anmeldung und Identifikation nicht weiter, weil PINs und Geräte fehlen oder kompliziert zu benutzen sind.
- Die Techniker Krankenkasse will den Zugang zur ePA deswegen einfacher gestalten.
Vor etwa einem Jahr habe ich einen Brief meiner Krankenkasse zur elektronischen Patientenakte erhalten. Geöffnet, gelesen, beiseite gelegt und nicht mehr darum gekümmert. Und ich bin damit offenbar nicht allein.
Bei der Techniker Krankenkasse nutzen gerade einmal 6,5 Prozent der Versicherten ihre ePA. Und auch bei der AOK sind die Zahlen niedrig, erklärt Pascal Müller von "AOK Mein Leben". Von gut 27 Millionen Versicherten greifen nur knapp ein Prozent auf ihre Akte zu: "Die aktuellsten Zahlen sind leider erst aus dem September. Da hatten wir 250.000 Nutzerinnen und Nutzer, die die elektronische Patientenakte nutzen konnten. Und die hatten 163.000 Logins. Das ist nicht sehr viel."
Eine App für eine App für eine App
Jetzt will ich einen Blick in meine elektronischen Patientenakte werfen. Erkenntnis Nummer eins: Mit meiner bisherigen Krankenkassen-App geht das nicht. Ich muss eine weitere App herunterladen. Und dann noch eine für eine sichere Anmeldung.
Ein Weg, den mehrere Krankenkassen gewählt haben, erklärt Sabine Wolter, Referentin für Gesundheitsrecht bei der Verbraucherzentrale. "Bestimmte Krankenkassen haben nicht nur die ePA-App, sondern da ist die ePA-App mit in der Krankenkassen-App integriert. Und hier ist häufig neben der Krankenkassen- und ePA-App eine zusätzliche App erforderlich, eine Ident-App." Das kenne ich vom Online-Banking. Doch dann soll ich mich anmelden – mit meinem GesundheitsID-Code, meiner Gesundheitskarte mit PIN oder meinem Personalausweis mit PIN.
Umständliches Identifikationsverfahren
Das gehört zur Standardanmeldung bei allen Krankenkassen, erklärt Wolter: "Mit der GesundheitsID können viele Menschen gar nichts anfangen. (…) Oder ich muss zur Post gehen und ein Postident-Verfahren machen. Jetzt gibt es aber ja nicht mehr überall Postfilialen, die man so einfach erreicht. (…) Oder ich brauche den E-Personalausweis mit PIN. Viele Menschen haben ja im Prinzip die Voraussetzung für den E-Personalausweis, aber die PIN dafür noch nicht und müssten auch diese wieder anfordern."
An dieser Stelle schließe ich alle Apps. Keine Ahnung, wo ich irgendeine dieser PIN haben könnte. Bliebe der Weg über den Laptop. Doch der ist auch keine Lösung. "Dafür brauche ich im Normalfall in der Regel ein spezielles Kartenlesegerät. Also es ist schon handelsüblich, muss aber mindestens die Sicherheitsstufe 2 haben – mit Tastenfeld."
Herausfordernder Anmeldeprozess
Zugriff gescheitert. Ich bin überfordert. So geht es vielen, bestätigt Verbraucherschützerin Wolter. "Es gibt jetzt nicht massenhaft Beschwerden. Aber viele Beschwerden, die eingehen, drehen sich tatsächlich um den Anmeldeprozess. Also den empfinden viele als sehr herausfordernd."
Die Techniker Krankenkasse spricht sich auf Anfrage dafür aus, den Zugang zur ePA deutlich einfacher zu gestalten, damit sie von möglichst vielen Versicherten genutzt wird. Bis dahin bieten Videokurse von Krankenkassen und Verbraucherzentrale Hilfe bei der Anmeldung für die ePA. Die sind definitiv auch was für mich.
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