Mitteldeutsche Zoos rüsten sich gegen Vogelgrippe
- Im Bergzoo Halle gibt es strenge Hygieneauflagen, aber noch keine Stallpflicht
- Magdeburger Zoo-Vögel vorzeitig im Winterquartier
- Falknerei Burg Greifenstein beendet Saison früher
Tiefschwarze Cemani-Hühner oder Perlhühner mit schwarzweiß getupftem Federkleid – denen kann man im Bergzoo Halle überall über den Weg laufen. Denn sie dürfen sich frei bewegen – normalerweise. Aber schon in der vergangenen Woche hat sie Zoodirektor Dennis Müller zu ihrem eigenen Schutz einsammeln und in den Stall bringen lassen.
Direktor des Bergzoos Halle, Dennis MüllerBildrechte: IMAGO / Steffen SchellhornJetzt wird auch der restliche Vogelbestand komplett aufgestallt. 200 Tiere sind das – vom kleinen Singvogel bis zum Gänsegeier. Für die Tiere bedeute das Stress, sagt Müller: "Wir haben uns bemüht, so viel Platz wie möglich zur Verfügung zu stellen, insbesondere auch, weil das tägliche Pflegen, Reinigen ja dann mit einem engen Kontakt zu den Pflegern stattfindet, was die Vögel auch so nicht kennen."
Noch gilt in Halle keine Stallpflicht. Der Zoo will durch die Maßnahme vorbeugen; auch mit strengen Hygieneauflagen: Das Personal muss Schuhüberzieher tragen, Besucher über Desinfektionsmatten gehen, einzelne Außenanlagen wurden für den Besuchsverkehr geschlossen.
Magdeburger Zoo-Vögel vorzeitig im Winterquartier
In Magdeburg gilt die Stallpflicht. Zoodirektor David Pruß sagt, dementsprechend seien die Vögel im dortigen Zoo im Innenquartier – wohin sie in drei Wochen sowieso für den Winter umgezogen wären. Jetzt heiße es warten und hoffen, dass sich keins der Tiere den Erreger einfange. Pruß fügt hinzu: "Wir sind gut vorbereitet, unser Notfallcontainer ist gut gefüllt, wir haben ausreichen Desinfektionsmittel da, jeder weiß, was zu tun ist, sollte es so weit kommen."
Papageien und Laufvögel besonders gestresst
Für Tina Risch, Tierärztin im Erfurter Zoo, ist die Stallpflicht nichts Neues – sie hat das in elf Dienstjahren schon zweimal erlebt. Aktuell sind die Vögel dort schon seit dem 21. Oktober im Stall. Für einige Papageien- und Laufvogelarten, die das besonders stresst, hat Risch eine Ausnahmegenehmigung beim Veterinäramt beantragt. Und: das Personal achtet besonders auf Vogelgrippe-Symptome. "Die Tierpflegenden haben nochmal ein extragutes Auge auf die Vögel", erklärt die Tierärztin: "aber natürlich auch auf die Säugetiere, die sich ja auch anstecken können. Und es gibt eine Empfehlung zu einer Grippeschutzimpfung für unsere Tierpflegenden, um Co-Infektionen zu vermeiden."
Einschränkungen auch in der Falknerei
55 verschiedene Greifvögel können auf Burg Greifenstein bestaunt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK85 Kilometer südlich vom Stausee Kelbra liegt Bad Blankenburg. Dort versucht Benedikt Nyssen seine rund 50 Wildvögel zu schützen. Er ist Inhaber der Falknerei Burg Greifenstein. Schlaflose Nächte hat er aber keine, denn seine Greifvögel sind Einzelgänger und ein Kontakt zum Beispiel mit infizierten Kranichen eher unwahrscheinlich.
Trotzdem hält er Planen bereit, mit denen er die Volieren abdecken kann, um die Bewohner vor Kot von infizierten Vögeln zu schützen. Und er hat die Saison ein paar Tage früher als üblich abgeschlossen: Wir haben den Kontakt der Besucher mit den Tieren leider für dieses Jahr beendet. Also normalerweise ist es bei uns auch immer möglich, einen Vogel auf die eigene Hand zu nehmen, Erlebnistage zu buchen und so was. Das machen wir jetzt im Moment nicht."
Auch der Tierpark Gera rüstet sich für die Vogelgrippe, schreibt eine Sprecherin auf Nachfrage. Man sei auf die Aufstallung vorbereitet und könne Volieren mit Planen abdecken. Dieselbe Auskunft kommt auch aus dem Zoo Dresden. In Sachsen gibt es derzeit noch keinen bestätigten Fall von Vogelgrippe.
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