Wie Kfz-Versicherer Neukunden bevorteilen
- Viele Versicherungen ködern neue Kunden mit günstigen Tarifen. Die Finanzaufsicht kontrolliert, ob Bestandskunden dadurch benachteiligt werden.
- Neukunden zahlen bei Versicherungen teilweise bis zu 30 Prozent weniger als die Stammkundschaft.
- Bei Kfz-Versicherungen ist die Wechselbereitschaft besonders hoch.
Ein Vergleich der Stiftung Warentest von über 160 Tarifen hat gezeigt: Wer beim teuersten Anbieter ist, kann durch einen Wechsel der Kfz-Versicherung bis zu 1.500 Euro sparen.
Das ist viel Geld – aber eben auch der Extremfall. Und nur weil ein Tarif teuer ist, ist er nicht auch gleich unfair, betont Norbert Pieper, Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin.
BaFin kann eingreifen
Sollte sich aber zeigen, dass Kfz-Versicherer Kundinnen und Kunden benachteiligten, dann werde seine Behörde eingreifen, sagt Pieper: "Wir können beispielsweise den Vertrieb von Produkten untersagen. Wir können auch den Vertrieb über bestimmte Vertriebsgesellschaften untersagen. Wir sind aber auch eine dialogorientierte Aufsicht. Das heißt, wir treten zunächst mit den Unternehmen in Kontakt, geben den Unternehmen die Gelegenheit zur Stellungnahme, und häufig hilft das schon, dass die Unternehmen einlenken."
Kontrolle verschiedener Sparten geplant
Pieper erzählt. erst kürzlich habe sich die BaFin Lebensversicherungen angeschaut und dafür gesorgt, dass einzelne Versicherer Produkte vom Markt genommen hätten. Andere seien günstiger geworden oder hätten Geld an Kundinnen und Kunden zurückgezahlt, sagt Pieper. Kommendes Jahr sollen Pflege-Pflichtversicherungen drankommen – und die für Kraftfahrzeuge.
Die Leiterin für Verbraucherschutz beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft warnte in der Süddeutschen Zeitung davor, zusätzliche Bürokratie für die Branche zu verursachen. BaFin-Sprecher Pieper hält dagegen: "Wir schauen uns die Ausreißer an, also die schwarzen Schafe. Die Branche insgesamt behandelt ihre Kunden in der Regel fair."
Wir schauen uns die Ausreißer an, die schwarzen Schafe. Die Branche insgesamt behandelt ihre Kunden in der Regel fair.
Neukunden zahlen teils bis zu 30 Prozent weniger
Lars Gatschke, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Bundesverband, sieht das anders, und entgegnet: "Das heißt also, wir werden die die schlimmsten Fälle erstmal in Griff den kriegen, aber das Problem der Ungleichbehandlung von Neu- und Bestandskunden ist ein flächendeckendes Problem."
Dass Neukunden im Vergleich zu Bestandskunden bis zu 30 Prozent weniger zahlen, findet Gatschke nicht nachvollziehbar. Kurios sei auch, dass sie teils noch bessere Preise bekämen, wenn sie beim Wechsel ein Vergleichsangebot mitbrächten und verhandelten.
Nach besseren Tarifen fragen lohnt sich
Anders gesagt: Wer eine Welle macht, profitiert von Extra-Rabatten, wer seinem Versicherer treu ist, hat das Nachsehen, so Verbraucherschützer Gatschke. Er rät deshalb dazu, einfach mal beim eigenen Versicherer anzurufen und nach einem besseren Tarif zu fragen. Oder eben doch zu wechseln. Eine Option, die viele Autobesitzerinnen und -besitzer auf dem Schirm hätten.
Wer eine Welle macht, profitiert von Extra-Rabatten.
Hohe Wechselbereitschaft bei Kfz-Versicherungen
Die hohe Wechselbreitschaft erklärt Gatschke so: "Das hängt damit zusammen, dass man tendenziell ja öfters auch mal ein neues Auto erwirbt, Autos an- und abmeldet. Das heißt, dort haben die Verbraucherinnen und Verbraucher durchaus einen gewissen Umgang mit dem Abschluss neuer Versicherungen. Und dementsprechend gibt es in der Kfz-Versicherung eine relativ hohe Wechselbereitschaft, die deutlich über dem liegt, was zum Beispiel bei der Hausratversicherung oder erst recht bei der Wohngebäudeversicherung da ist."
Auch Stiftung Warentest rät dazu, mindestens alle zwei bis drei Jahre zu prüfen, ob Preis und Leistung beim eigenen Tarif noch passen.
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