Krankenhausreform: Spezialkliniken polarisieren MDRfragt Gemeinschaft
- Die Spezialisierung von Kliniken durch die Krankenhausreform finden viele Befragte kritisch.
- Die Notfallversorgung und gutes medizinisches Personal sind wichtige Kriterien für Krankenhäuser.
- Unter den Befragten gehen Ansichten für akzeptable Fahrzeit zum Krankenhaus weit auseinander.
Drei von vier Personen sind insgesamt mit Versorgung durch Krankenhäuser in ihrer Region zufrieden. Das ist das Ergebnis des aktuellen MDRfragt-Stimmungsbildes, an dem sich fast 21.000 Menschen beteiligt haben. 73 Prozent geben an, zufrieden zu sein. 22 Prozent sind es nicht.
Der Vergleich nach Altersgruppen offenbart dabei Unterschiede. Ältere Menschen ab 65 Jahren sind häufiger zufrieden. Konkret sind es in dieser Altersgruppe 76 Prozent. Unter den 16 bis 29-Jährigen ist dieser Wert am größten. 80 Prozent sind hier zufrieden.
Krankenhausreform: Gemischte Meinungen zur Spezialisierung von Kliniken
Dennoch gehen die Meinungen zur Umsetzung der aktuellen Krankenhausreform auseinander. Diese zielt auch auf eine stärkere Spezialisierung der Kliniken ab. Damit sollen bestimmte und komplexe Operationen nur noch in spezialisierten Zentren stattfinden, welche das Fachpersonal und Equipment dafür haben. Kleinere Krankenhäuser sollen sich dagegen auf die Grundversorgung konzentrieren.
Mehr zur Krankenhausreform
Die Krankenhausreform wurde 2024 noch unter Olaf Scholz' Regierung mit Gesundheitsminister Karl Lauterbach initiiert. Seit 2025 wird sie stufenweise umgesetzt. Ziel ist es, die Qualität und Effizienz der stationären Behandlung in Deutschland zu verbessern. Dafür fallen unter anderem die sogenannten Fallpauschalen weg.
Im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD wurde sich auf eine Fortentwicklung der Reform verständigt. So wurden beispielsweise Kooperationsmöglichkeiten für Krankenhäuser erweitert.
Insgesamt findet es etwa die Hälfte (48 Prozent) der Befragten richtig, mehr Krankenhäuser in Spezialkliniken zu wandeln. Doch auch die Ablehnung ist weit verbreitet. Es zeigt sich, dass die Pläne der Reform polarisieren. Fast genauso viele Befragte (45 Prozent) finden die Entscheidung falsch.
Die verschiedenen Altersgruppen weisen dabei Unterschiede auf. Unter jungen Menschen ist die Ablehnung besonders groß. 6 von 10 Befragte (57 Prozent) zwischen 16 und 29 Jahren finden die Entwicklung zu mehr Spezialkliniken nicht richtig.
Versorgungeszentren für jeden zweiten eine Alternative
Auch sogenannte Versorgungszentren könnten vermehrt entstehen. Einige geschlossene Krankenhäuser werden oder wurden bereits in medizinische Versorgungszentren umgewandelt. Dadurch finden Behandlungen seltener stationär und häufiger ambulant statt.
Ähnlich wie bei den Spezialkliniken empfindet die Hälfte (51 Prozent) der Befragten diese Entwicklung als gut. Allerdings konnten oder wollten 12 Prozent der Befragten dazu keine Angabe machen, ob diese Entwicklung gut oder schlecht ist.
Notfallversorgung und medizinisches Personal als meistgenannte Kriterien
Dabei gibt es verschiedene Kriterien, welche Krankenhäuser für die Befragten erfüllen sollten. Für 9 von 10 Befragten sind die Notfallversorgung (89 Prozent) und gutes medizinisches Personal (88 Prozent) entscheidend. 4 von 5 Personen (83 Prozent) legen zusätzlich einen hohen Wert auf eine gute Grundversorgung.
Kriterien wie ein gut ausgestattes Patientenzimmer (37 Prozent) oder Spezialisierungen für bestimmte Operationen (41 Prozent) empfinden die Befragten dagegen seltener als notwendig.
Unterschiedliche Vorstellungen bezüglich Fahrzeit zum Krankenhaus
Das aktuelle MDRfragt Stimmungsbild zeigt auch, dass viele Befragte unterschiedliche Vorstellungen davon haben, welche Fahrzeit zum nächstgelegenen Krankenhaus akzeptabel ist, wenn es sich nicht um einen Notfall handelt. Jede zehnte Person (10 Prozent) findet bis zu 10 Minuten akzeptabel.
Der Großteil der Befragten hält eine Fahrzeit zwischen 20 und 30 Minuten für in Ordnung. Ein Drittel (36 Prozent) gibt 20 Minuten an. Weitere zwei Fünftel (38 Prozent) halten 30 Minuten für akzeptabel. Noch längere Fahrzeiten findet nur etwa jede siebte Person angebracht.
Über diese Befragung
Die Befragung: "Krankenhäuser im Sparzwang?" lief vom 24. bis 27. Oktober 2025. Insgesamt haben 20.662 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mitgemacht.
Bei MDRfragt können sich alle anmelden und beteiligen, die mindestens 16 Jahre alt sind und in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen wohnen, denn: Wir wollen die Vielfalt der Argumente kennenlernen und abbilden. Die Kommentare der Befragten erlauben, die Gründe für die jeweiligen Positionen und das Meinungsspektrum sichtbar zu machen. Da sich jede und jeder beteiligen kann, der möchte, wird keine Zufallsstichprobe gezogen. Dieshalb sind die Ergebnisse von MDRfragt nicht repräsentativ.
Die Ergebnisse von MDRfragt werden nach bewährten wissenschaftlichen Kriterien und Methoden anhand verschiedener soziodemografischer Merkmale wie Alter, Geschlecht oder Bildungsgrad gewichtet, um sie an die tatsächliche Verteilung in der mitteldeutschen Bevölkerung anzupassen. Damit wird die Aussagekraft der Ergebnisse erhöht und es ergibt sich ein valides und einordnendes Stimmungsbild aus Mitteldeutschland.
MDRfragt wird wissenschaftlich beraten und begleitet. Dabei geht es um die Weiterentwicklung des Angebotes ebenso wie über die Überprüfung der Aussagekraft, beispielsweise durch regelmäßige Validitätstests.
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