• In Mitteldeutschland gehen mehr Frauen zur Brustkrebsvorsorge
  • Bisher keine Erkenntnisse über Gründe für geringe Teilnahmequote
  • Geringere Sterberate bei Frauen, die zur Vorsorge gehen

Frauen zwischen 50 und 75 werden alle zwei Jahre automatisch zur sogenannten Mammographie aufgefordert. Nur die Hälfte aller eingeladenen Frauen nimmt den Termin zur Brustkrebs-Vorsorge-Untersuchung mit Röntgenaufnahmen an. Warum ist das so? Was bringen diese Untersuchungen überhaupt? Und wie stehen die mitteldeutschen Bundesländer im Vergleich zu ganz Deutschland da? MDR-Reporterin Sophia Spyropoulos versucht, diese Fragen zu beantworten.

MDR AKTUELL: In Sachsen-Anhalt nehmen 51,4 Prozent der eingeladenen Frauen am Mammographie-Screening teil. Das ist nicht sonderlich viel. Doch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) sagt, der Schnitt sei im Ländervergleich gar nicht so schlecht. Wie sieht es in Sachsen und Thüringen aus?

Sophia Spyropoulos: Da sieht es sogar noch ein bisschen besser aus, mehr Frauen gehen zum Screening. In Thüringen sind laut KV im vergangenen Jahr 57,5 Prozent der eingeladenen Frauen auch zum Termin erschienen sind. Und der Vorsitzende der KV Sachsen, Stefan Windau, sprach von einer Teilnahmequote von 57,4 Prozent.

Aber warum kommt knapp jede zweite Frau dieser Einladung nicht nach?

Spyropoulos: Dazu gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Es ist eine freiwillige Untersuchung, die niemand machen muss. Ich habe genau das auch die Kooperationsgemeinschaft Mammographie, die das Vorsorgesystem organisiert und überwacht, gefragt. Auch sie wissen nicht, welche Informationen zur Entscheidung für oder gegen die Untersuchung geführt haben.

Allerdings hat sie mir auch noch ein paar interessante Zahlen zur Einordnung mitgeschickt. Demnach ist die Teilnahme an diesem Brustkrebs-Screening bundesweit bei gut 50 Prozent und damit ungefähr so hoch wie die Teilnahme bei der Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge und höher als bei der Darmkrebs-Vorsorge. Das heißt also: Die Quote bei der Brustkrebsvorsorge ist nicht ungewöhnlich niedrig. Und die meisten Frauen, die das Screening einmal machen, bleiben auch dabei, kommen regelmäßig wieder. Das sind 86 Prozent und das spreche für eine hohe Akzeptanz der Untersuchung.

Könnte etwas gegen die Untersuchung sprechen?

Spyropoulos: Ein Gegenargument könnte sein, dass man sich nicht unnötig Sorgen machen will, wenn der Befund auffällig ist. Das passiert bei 30 von 1.000 Frauen. Die werden dann nochmal zu einer Untersuchung eingeladen. Und bei durchschnittlich sechs von 1.000 wird dann tatsächlich Brustkrebs festgestellt. Das heißt: 24 Frauen machen sich unnötig Sorgen.

Ist denn bekannt, wie viel diese Untersuchung dann am Ende bringt?

Spyropoulos: Diese Zahlen gibt es. Bei Frauen, die die Vorsorge regelmäßig machen, ist die Sterberate durch Brustkrebsfolgen 20 bis 30 Prozent geringer als bei Frauen ohne das Screening. Also etwa jeder vierte Todesfall kann dadurch verhindert werden. Das hat die Uni Münster in einer Langzeitstudie über neun Jahre herausgefunden. Diesen Sommer wurden die Ergebnisse vorgestellt. Und wenn bei diesem Screening ein Tumor gefunden wird, dann ist er meistens noch so klein, dass man ihn schonend behandeln kann. Also mit leichteren Medikamenten und kleineren Eingriffen.

Kann man noch einen Termin machen, obwohl man die Einladung zunächst ignoriert hat?

Spyropoulos: Das geht jederzeit auf mammo-programm.de, dort kann man online einen Termin verschieben oder auch einen ausmachen, selbst, wenn man noch gar keine Einladung bekommen hat.

MDR

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