Gipfel im Kanzleramt: Wie die Stahlbranche nach Wegen aus der Krise sucht
- Die deutsche Stahlindustrie hat mit verschiedenen Problemen zu kämpfen. Die EU-Kommission plant deshalb Zölle auf chinesischen Stahl, die CDU fordert einen Industriestrompreis.
- Ökonomen raten, den Industriestrompreis zeitlich zu begrenzen – stattdessen soll der Energiesektor generell reformiert werden.
- Schutzzölle werden in der Branche kontrovers diskutiert.
Uwe Reinecke hat mitten in der Wirtschaftskrise ein neues Walzwerk eröffnet. Bei Feralpi-Stahl in Riesa produziert der Unternehmer nun Baustahl – klimafreundlich mit Ökostrom. Das Werk gießt aus Schrott stählerne Knüppel, die es dann auswalzt.
EU-Kommission plant Zölle für chinesischen Stahl
Damit sich das lohnt, braucht Reinecke aber politische Unterstützung. Denn Europa wird von chinesischem Billigstahl überflutet.
Die Idee der EU-Kommission, darauf Zölle zu erheben, begrüßt Reinecke: "Da würden wir nur den Zusatz haben, dass eben auch Vorprodukte wie die Knüppel, die wir ja einsetzen, auch mit eingeschlossen werden. Der zweite Punkt ist, dass wir natürlich auch die Erwartung haben, dass unser Abnehmerfeld, die Baubranche, wieder in eine gute Konjunktur kommt. Da bin ich beim sozialen Wohnungsbau, da bin ich bei den Infrastrukturprojekten."
CDU will Strompreisrabatt für die Wirtschaft
Welche Hilfen beim Stahlgipfel heute beschlossen werden, ist noch offen. Ein konkreter Vorschlag kommt von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Sie will einen Strompreisrabatt für energiehungrige Unternehmen ab kommendem Jahr. Lob erhält sie dafür auch von Gewerkschaftern.
Jan Otto ist Bezirksleiter der IG Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen: "Der Industriestrompreis müsste bei aktuell ungefähr 5 Cent je Kilowattstunde liegen. Er kommt hoffentlich nicht zu spät. Denn wir brauchen ihn genau jetzt."
Ursprünglich wollte schon der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck den Stromrabatt einführen. Damals war die CDU noch dagegen. Heute äußern sich vor allem Ökonomen skeptisch.
Ökonomen: Industriestrompreis keine dauerhafte Lösung
Finn Ole Semrau vom Kieler Institut für Weltwirtschaft würde den Rabatt zeitlich begrenzen: "Ein Industriestrompreis kann eine sinnvolle Maßnahme sein, um kurzfristig höhere Energiekosten auszugleichen. Dies sollte aber eben immer als Brücke in die Zukunft gedacht werden."
Das Symptom seien die hohen Energiekosten, so der Ökonom. Aber die Lösung könne nicht der Industriestrompreis sein, sondern es müssten Reformen im Energiesektor sein, die langfristig die Kosten senken.
Zölle: Schädlicher Protektionismus oder wirksamer Schutz?
Höhere Zölle auf chinesischen Stahl lehnt Semrau ab. Der Ökonomon sagt, Deutschland habe immer vom freien Handel profitiert und er warnt vor protektionistischen Maßnahmen: "Protektionismus führt dazu, dass die Stahlprodukte teurer werden. Die Gewinner sind natürlich die Stahlunternehmer in Deutschland. Aber die Verlierer wären die Unternehmen, die diesen Stahl beziehen und teure Preise zahlen müssten."
Gewerkschafter Otto sieht das anders. Zölle seien ein wirksamer Schutz für die heimische Industrie. Und er mahnt zur Eile: "Die Situation ist bundesweit dramatisch. Wir brauchen die Stahlindustrie als Grundstoffindustrie. Wir müssen damit einfach auch unsere Lieferketten absichern in diesem Land. Es ist eigentlich nicht nachzuvollziehen, dass man den Stahl überhaupt hat so lange warten lassen zur Frage: Gibt es eine Zukunft oder nicht?"
Otto kämpft für die Zukunft der Industriearbeiter – der Riesaer Stahlunternehmer Reinecke für sein eigenes Werk. Das zählt mit seinen Elektroöfen zu den modernsten Europas. Die Investitionen dafür kamen aus Italien – von der Feralpi-Muttergesellschaft, die noch an die deutsche Stahlindustrie glaubt.
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