Behandlung von Zyklusschmerz bei Endometriose unterschätzt
- Starke Menstruationsschmerzen gelten laut Charité-Expertin Mechsner als wichtigstes Frühwarnsignal einer Endometriose.
- Die Erkrankung entwickelt sich über viele Jahre – Schmerzgedächtnis und Muskelverspannungen verschlimmern die Beschwerden.
- Frühzeitige Therapie, kombiniert aus Schmerzmitteln, Entspannungstechniken, Ernährung und Hormonen, kann das Fortschreiten stoppen.
Starke Menstruationsschmerzen als Frühwarnsignal
Silvia Mechsner forscht seit vielen Jahren zum Thema Endometriose an der Berliner Charité. Im MDR-Podcast Hormongesteuert erzählt sie, dass man die Entstehung der Krankheit mittlerweile besser verstehe.
Keiner kümmert sich um Menstruationsschmerzen.
Endometriose sei eine progressive Erkrankung, die sich über viele Jahre entwickele. Und der Beginn seien immer sehr starke Menstruationsschmerzen. "Da haben wir eine Versorgungslücke. Das ist ja unser Problem: Keiner kümmert sich um Menstruationsschmerzen. Der Schmerz ist normalisiert. Das wird so laufen gelassen und irgendwann ist da eben die Endometriose."
Wie Endometriose entsteht
Die Frauen haben jeden Monat derart heftige Schmerzen, die mit denen einer Geburt vergleichbar sind. "Diese Frauen haben starke Krämpfe. Das ist wahrscheinlich eine genetische Veranlagung. Wenn das Monat für Monat passiert, dann werden Scherkräfte aktiviert. Stammzellen werden aktiviert und dann kommt es zu Umbauvorgängen."
Gebärmutterschleimhaut ähnliches Gewebe sammelt sich im kleinen Becken oder in der Gebärmuttermuskelwand. Man spricht dann von Endometriose oder Adenomyose.
Schmerzgedächtnis und Beckenboden: Warum Beschwerden zunehmen
Dann ist da noch das Schmerzgedächtnis: Das sei bislang unterschätzt worden, sagt Sylvia Mechsner. So gewöhnt sich unser Körper nicht etwa an immer wiederkehrende Schmerzen, sondern wird immer empfindlicher. Der Körper reagiere auf den Schmerz mit einer Abwehrhaltung: "Mit einer Schonhaltung. Das heißt, irgendwann kommen die Beckenbodenmuskeln dazu, die verkrampfen. Und dann, wenn der Beckenboden dysfunktional ist, kann man auch außerhalb der Regel, Schwierigkeiten haben, Wasser zu lassen oder auch Stuhlgang tut weh, es folgen Verstopfung und Durchfälle. Das ist dann sehr umfassend."
Expertin fordert Behandlung von Schmerzen auch ohne Befund
Endometriose schränkt das Leben der Frauen stark ein und bringt eine lange Leidensgeschichte mit sich. Sylvia Mechsner, die auch Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Endometriose e.V. ist, fordert deshalb, dass die konservative Therapie zeitiger ansetzen muss – und zwar beim Zyklusschmerz.
Es brauche keinen Befund durch eine Bauchspiegelung. "Es ist eigentlich gut, nichts zu sehen oder nur unsichere Zeichen zu haben in der Gebärmutter. Denn wir können schon behandeln, ohne etwas zu sehen. Denn wir behandeln ja die Schmerzen und nicht irgendwelche Befunde."
Mechsner und ihr Team arbeiten mit einer multimodalen Schmerztherapie. Eine Kombination aus Schmerzmitteln, Entspannungstechniken, Bewegung und einer antientzündlichen Ernährung.
Hormonelle Behandlung kann das Fortschreiten bremsen
Bleiben die zyklischen Schmerzen trotz all dieser Maßnahmen bestehen, empfiehlt Mechsner dann eine Hormontherapie. Mit einer östrogenfreien Pille – der Gestagen-Mono-Pille – wird der Zyklus gebremst. "Man sollte die Hormone dann ohne Pause nehmen, sodass man gar keine Blutung mehr hat. Keine Blutung, keine Schmerzen!" So könne man ein Fortschreiten der Krankheit verhindern und Operationen vermeiden. Schon jetzt müsse in der Charité viel weniger operiert werden als noch vor einigen Jahren.
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