• Zahl der Unfallschwerpunkte für Radfahrer in Leipzig gestiegen
  • Fahrradclub ADFC in Sachsen: Radfahren wird seit Jahren dennoch ungefährlicher
  • Städte sollten zusammenhängendes Radwegekonzept planen und umsetzen

Wer gerne das Rad auch im Alltag und zur Arbeit benutzt, sollte wissen, wo die Unfallschwerpunkte liegen: In Leipzig ist die Zahl dieser Schwerpunkte auf jetzt 133 gestiegen. Aber kann man daraus schließen, dass Radfahren immer gefährlicher wird? Nein, kann man nicht, denn es wird auch viel mehr Fahrrad gefahren.

Konrad Krause ist Geschäftsführer des ADFC in Sachsen. (Archivfoto)Bildrechte: Juliane Mosterz

Wer mehr fährt, erhöht logischerweise sein Risiko, sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des Fahrradverbands ADFC Sachsen. "Radfahren wird vor allem mehr. Es legen mehr Menschen mehr Wege mit dem Rad zurück. Und diese Wege werden auch pro Weg tendenziell immer länger. Stichwort E-Bikes, da kann man natürlich viel leichter längere Strecken zurück legen. Und dann ist natürlich die Wahrscheinlichkeit größer, dass mehr Leute in mehr Unfälle verwickelt sind".

Statistisch gesehen wird Radfahren immer ungefährlicher

Also pro Person wird das Radfahren nicht gefährlicher, so Krause. Und nun kommt das eigentlich Erstaunliche: Radfahren wird generell seit Jahren immer ungefährlicher – pro gefahrenem Kilometer. Wer vor 15 Jahren zehn Kilometer Rad gefahren ist, war weit stärker gefährdet als heute, so Konrad Krause: "Richtig! Das ist auch das, was wir überall beobachten, je mehr Radverkehr ich habe, je höher der Anteil des Radverkehrs ist, desto weniger Unfälle werden das und desto geringer auch die Folgen, die so ein Unfall hat."

Das zeigt sich sogar in den aktuellen Zahlen aus Leipzig. Die Zahl der Schwerverletzten hat innerhalb eines Jahres um 20 Prozent abgenommen, die der Leichtverletzten um 7 Prozent zugenommen. Bezogen auf den massiv wachsenden Radverkehr eine gute Entwicklung. Ohnehin sieht es anderswo schlechter aus, die rote Laterne in Sachsen trägt eindeutig Dresden herum, so der ADFC-Mann Krause: "Wir haben in Leipzig etwa 130 Unfallschwerpunkte, und in Dresden sind das etwa 300. Die Städte sind etwa gleich groß, sie haben in etwa den gleichen Anteil des Radverkehrs, auch die gesamten Wegelängen mit dem Fahrrad sind ähnlich. Das liegt einfach auch an den politischen Entscheidungen der letzten Jahrzehnte."

Entscheidend ist immer: Wie wirksam werden die Unfallschwerpunkte entschärft? Da gäbe es großen Nachholbedarf, sagt der passionierte Leipziger Radfahrer Volker Holzendorf: "Hauptsächlich im Kreuzungsbereich, weil viele Radwege im Kreuzungsbereich nicht bis zur Ampel vorgezogen sind. Das ist das grundsätzliche Problem von Radwegen in Leipzig." Holzendorf wohnt in Leipzig, arbeitet aber als Statistiker in Jena und pendelt mehrfach in der Woche mit Rad und Bahn hin und her.

Radfahrer: In Leipzig wird zu viel "herumgedoktert"

Seine Einschätzung beider Städte: "Beide haben einen Radverkehrsentwicklungsplan aufgestellt, aber der in Jena ist anders aufgestellt als der in Leipzig. In Leipzig ist er an Maßnahmen orientiert und jede Einzelmaßnahme wird quasi singulär betrachtet. Das bessere Konzept finde ich die Jenaer Sichtweise, dass man beispielhaft sagt, wie man was machen kann und versucht nicht immer, jede Maßnahme neu zu denken. Das verschwendet einfach Zeit und Ressourcen."

Also erprobte Baumaßnahmen umsetzen wie in Jena statt häufiges Herumdoktorn in Leipzig. Bei der Unfallvermeidung seien nur die Städte erfolgreich, die den Wandel zum Radverkehr mitgestalten, sagt ADFC-Geschäftsführer Konrad Krause: "Wir sind da wirklich im Moment ganz am Anfang, es steht noch eine Riesen-Infrastrukturwelle vor uns, wenn man möchte, dass der Radverkehr sicherer wird."

Bisher sei die Rad-Infrastruktur nur zusammengeschustert, mal hier mal da stellenweise verbessert, man müsse aber hinkriegen, ein zusammenhängendes System zu planen, mit einheitlichen Standards für alle Verkehrsteilnehmer.

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