Warum der holprige ePA-Start nicht ihr Ende ist
- Die ePA kann trotz Startproblemen überzeugen, wenn Krankenkassen klar über Nutzen und begrenzte Risiken informieren.
- Sachsens Landesärztekammer sieht mangelnde Aufklärung der Krankenkassen über Datennutzung als Hauptgrund für Zweifel an der ePA.
- Die komplexe Einrichtung der ePA überfordert viele Versicherte, weshalb der VdK mehr Unterstützung durch die Krankenkassen fordert.
Es war ein holpriger Start für die elektronische Patientenakte (ePA) im vergangenen Jahr. Hackerangriffe und technische Ausfälle haben viele Versicherte an dem System zweifeln lassen.
Ilias Essaida, Referent für Gesundheitspolitik für den Sozialverband VDK, glaubt, dass Patientinnen und Patienten trotzdem von den Vorteilen der digitalen Gesundheitsakte überzeugt werden können. "Es muss eine entsprechende Kampagne geben. Die Krankenkassen müssen entsprechend aufklären."
Die Patientinnen und Patienten müssten vom Mehrwert der ePA überzeugt werden: "Nur wenn klar ist, dass die Risiken sich in einem begrenzten Rahmen halten und den Ängsten der Menschen ausreichend begegnet wird, fordern die Patientinnen und Patienten die Nutzung der ePA auch ein", sagt Essaida.
Die digitale Übersicht über die medizinische Historie macht es medizinischen Fachkräften und den Patienten leichter, Symptome, Diagnosen und Behandlungen zu überblicken. Arztbesuche können besser vorbereitet, Nachfragen einfacher gestellt werden.
Versäumnisse der Krankenkassen
Es seien vor allem Unklarheiten über Forschungsdaten und Zugriffsrechte, die viele an der ePA haben zweifeln lassen, sagt Erik Bodendieck, Präsident der sächsischen Landesärztekammer. Er sieht Versäumnisse bei den Krankenkassen: "Patienten wussten nicht, wie ihre Daten verwendet werden und das ist nun mal Aufgabe der Krankenkasse darüber aufzuklären – so steht es im Gesetz."
In seinem Praxisalltag nutzt Bodendieck die ePA bereits. Die Medikationshistorie baut sich seit Anfang Oktober vergangenen Jahres nun langsam auf. Weitere hilfreiche Funktionen sollen im Laufe des Jahres noch dazu kommen. Unter anderem eine Schlagwortsuche und ein integrierter Impfausweis.
ePA in der Aufwärmphase
Auch das elektronische Rezept und die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung brauchte etwas Anlauf, erinnert sich Steffi Suchant von der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse in Sachsen-Anhalt.
Noch sei es die Aufwärmphase für die ePA: "Es wird nicht den Startschuss geben, wo alle auf einmal ihre ePA nutzen. Es wird immer so sein, so ist unsere Einschätzung, dass gesunde Versicherte die ePA weniger nutzen als diejenigen, die gerade von Krankheit betroffen sind."
Technische Hürden für die Versicherten
Um die eigene Akte einsehen zu können, müssen Versicherte sich mit ihrem Personalausweis identifizieren, eine App herunterladen und sich von der Krankenkasse freischalten lassen. Das ist nicht mal eben eingerichtet und für viele zu komplex.
VDK-Referent Essaida hofft, dass die Krankenkassen ihre Versicherten noch engagierter bei der Überwindung der technischen Hürden unterstützen: "Hier können die Krankenkassen sicherlich zusammenarbeiten und entsprechende Regelungen schaffen, sodass unterschiedliche Krankenkassen auch die Freischaltung für eine andere Kasse durchführen könnten. Das würde die Krankenkassen auch enger aneinander binden." Allerdings müsste zunächst geklärt werden, ob die Krankenkassen das auch dürften.
Wenn dann alles eingerichtet und angemeldet ist, kann die aktive Nutzung der elektronischen Patientenakte beginnen. Im Idealfall wird sie eine lebenslange Gesundheitshistorie speichern, die den Erfolg von Behandlungen effektiver denn je machen kann.
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