• Viele Senioren arbeiten trotz Rente immer noch weiter.
  • Dabei geht es oft weniger um das Geld, sondern um eine sinnstiftende und fit haltende Beschäftigung im Alter.
  • Manchmal ist die Arbeit über den Ruhestand hinaus auch ein notwendiges Übel. Die gesetzliche Rente ist oft nicht ausreichend für einen angenehmen Lebensabend.

Dienstauto und Handy sind für Lutz Geißler die wichtigsten Arbeitsmittel. Der 67-jährige aus Oschatz ist Kundenberater im Außendienst beim Handelshof Riesa. Sein Job ist es, Stahl und Maschinen zu verkaufen – und das, obwohl er eigentlich schon seit drei Jahren Rentner ist.

Plötzliche Rente kann ins Abseits führen

Lutz Geißler hat Spaß an seiner Arbeit: "Ich bin gesund, ich will fit bleiben und ich will den Anschluss nicht verlieren. Ich habe festgestellt, auch bei meiner Kundschaft, dass die, die schlagartig in Rente gegangen sind, entweder krank wurden oder man sich kaum noch mit denen unterhalten kann, weil die den Anschluss nach draußen irgendwie verlieren."

Viele Rentner arbeiten eher für den Sinn als fürs Geld

Geißler hat sein ganzes Leben lang gearbeitet – erst in der Landwirtschaft, später als Kraftfahrer und mittlerweile seit 25 Jahren im Außendienst. Das Verkaufen sei sein Leben, sagt er. Geißler liebt seinen Job: "Ich habe meine Freiheit hier gefunden. Man lässt mich arbeiten. Man gibt mir Rahmenbedingungen, mit denen ich leben kann. Ich habe top soziale Leistungen und ich muss mit Menschen arbeiten und das macht Spaß. Das ist halt mein Traumjob."

24 Stunden pro Woche arbeitet Geißler für den Handelshof – das lohnt sich auch finanziell. Das Geld, das er verdient, kommt auf die Rente obendrauf. Für ihn ist das aber nur ein netter Nebeneffekt: "Ich will nicht der Reichste auf dem Friedhof werden. Ich gehe nicht unbedingt wegen des Geldes auf die Arbeit. Das habe ich die letzten 30 Jahre nicht gemacht."

Arbeit aus Notwendigkeit: Rente reicht manchmal nicht aus

Es gibt aber auch Rentner, die weiterarbeiten müssen, weil sonst die Rente schlicht nicht reicht. Bei Jörg Dietrich aus Dresden war es kurz nach dem Renteneintritt so. Der 76-Jährige arbeitet für eine Spedition als Berufskraftfahrer: "Als ich im Regelalter, also mit 65, in Rente gegangen bin – das war einfach zu wenig." Es seien um die 700 Euro netto gewesen. "Inzwischen bin ich bei knapp 900" – im Laufe von über zehn Jahren.

Dietrich saß deshalb einige Jahre nach seinem Renteneintritt noch 40 Stunden pro Woche hinter dem Lenkrad seines Lkws. Inzwischen sind es noch 20 bis 25 Stunden pro Woche, erzählt er.

Bald sei damit aber Schluss: "Als Berufskraftfahrer im gewerblichen Güterverkehr braucht man bestimmte Genehmigungen und ähnliches. Die muss man alle fünf Jahre wiederholen." Im Mai wäre es wieder so weit. "Das ist nicht nur ein finanzieller Aufwand – ich werde sowieso nicht nochmal fünf Jahre fahren wollen. Da kriege ich Ärger mit meiner Frau, wenn ich das nochmal machen würde."

Finanziell sieht es für Dietrich inzwischen auch besser aus. Er hat Geld zurückgelegt, das für die nächsten 20 Jahre reichen sollte, schätzt er. Ganz aufhören zu arbeiten will er aber nicht. Das sei ihm zu langweilig. Deshalb guckt er sich nach einem Job mit weniger Stunden um.

Für Lutz Geißler hingegen kommt ein Jobwechsel nicht mehr infrage. Er will seinen Traumberuf noch machen, bis er 70 ist und danach mit seiner Frau wieder mehr reisen.

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