Zalando macht in Erfurt dicht: Wie geht es weiter für die Mitarbeitenden?
Vor einer Woche hat der Online-Handelskonzern Zalando aus dem Nichts verkündet, das große Auslieferungslager am Ostrand von Erfurt zu schließen. 2.700 Menschen arbeiten dort - das Unternehmen ist damit einer der größten Arbeitgeber in Thüringen. Wie es mit ihnen weitergeht, das ist längst nicht ausgemacht. Ob eine der größten Logistik-Hallen Mitteldeutschlands einen Nachnutzer findet, ist ebenfalls unklar.
Die Bundesagentur für Arbeit gibt auf Nachfrage an, dass bis vor wenigen Tagen im Raum Erfurt etwa 150 offene Stellen aus dem Bereich Logistik verfügbar waren. Binnen weniger Tage nach Bekanntgabe der Zalando-Schließung sei die Zahl auf etwa 300 angestiegen. Auch in Sozialen Netzwerken wie LinkedIn hatten vereinzelt Unternehmen unter Zalando-Meldungen geschrieben, sie würden Mitarbeiter einstellen.
Wie schnell das geht, ist allerdings fraglich. Derzeit verhandeln Betriebsrat und Geschäftsführung über einen Sozialplan. Von dem hängt ab, wer in welcher Höhe eine Abfindung erhält. Mitarbeiter, die seit Eröffnung des Standorts dabei sind, könnten so durchaus auf zwölf Monatsgehälter kommen, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Matthias Adorf.
Hohe Abfindung oder lieber neuer Job?
Wer aber zu lange wartet, um an die Abfindung zu kommen, könnte im Nachteil sein, wenn es an einen neuen Job geht. Denn was die Logistiker im Raum Erfurt zahlen, ist durchaus unterschiedlich. BLG, DHL und Hermes etwa würden sich an einen Tarifvertrag halten und besser zahlen, auch Norma und Amazon würden vergleichsweise gut zahlen, sagt Adorf.
Bei Zalando habe der Einstiegslohn bei 15 Euro gelegen, es gebe allerdings auch Arbeitgeber, die lediglich den Mindestlohn von aktuell 13,90 Euro pro Stunde zahlten. Dass alle Mitarbeiter in kurzer Zeit einen neuen Job finden, ist zumindest fraglich.
Dass Zalando allerdings noch bis vor wenigen Wochen den Mitarbeitern kommuniziert habe, ihr Standort sei zukunftsfähig, das nennt der Gewerkschafter niederträchtig. Die Schließung hatte das Unternehmen letzte Woche mit Überkapazitäten in der Logistik nach der Übernahme eines Konkurrenten begründet. Zudem genügte das Lager offenbar nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik - in vergleichbaren Lagern kommt immer mehr Robotik zum Einsatz.
Forderungen nach Rückzahlung der Förderungen ohne Aussicht auf Erfolg
Förderung zurückzahlen muss das Unternehmen wegen der Schließung nicht. Reichlich 22 Millionen Euro hatte der Freistaat Thüringen aus Landes- und Bundesmitteln für die Ansiedlung in Thüringen bezahlt. Die Bindung an diese Förderung lief 2019 nach fünf Jahren aus, auch die damals festgelegten mindestens 500 Jobs waren erfüllt. Eine Rückzahlung der Fördermittel, wie sie in den vergangenen Tagen etwa der DGB oder das BSW gefordert hatten, hat keine Aussicht auf Erfolg.
Ohnehin dürfte ein Mehrfaches dieser Fördersumme in den vergangenen zwölf Jahren in Form von Gewerbesteuern an die Stadt Erfurt geflossen sein - genaue Zahlen sind dazu aus Erfurt mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht zu erhalten. Unstrittig ist, dass der Verlust dieses Steuerzahlers im Stadthaushalt zu spüren sein wird, immerhin ist das Unternehmen einer der größten Arbeitgeber der Region.
Auch einen Verlust von Kaufkraft befürchtet die Stadt. Das könnte auch Einzelhändler Umsatz kosten, schreibt die Stadt auf MDR THÜRINGEN-Anfrage. Neben Unterstützung für die Beschäftigten, die vor allem von der Bundesagentur für Arbeit kommt und in den kommenden Tagen anläuft, will das Land über die Landesentwicklungsgesellschaft helfen, dass die Halle, die Zalando bisher nutzt, einen oder mehrere neue Mieter bekommt.
Dem Vernehmen nach könnte das Gebäude für bis zu fünf Nutzer aufgeteilt werden. Auch hier könnte der Zalando-Konzern selbst unterstützend tätig werden, denn sein Mietvertrag läuft noch bis Ende 2027 - das Unternehmen dürfte daran interessiert sein, sich die Miete zu sparen.
MDR (jn)
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