Zum 80. Geburtstag: Neue LP mit Elektronik-Konzert von Reinhard Lakomy posthum veröffentlicht
- Zum 80. Geburtstag kündigt Reinhard Lakomys Frau Monika eine Platte mit bisher unveröffentlichten Aufnahmen an.
- Der DDR-Komponist kreierte bekannte Kindermusik, etwa den "Traumzauberbaum".
- Lakomy war auch ein Vorreiter elektronischer Musik in der DDR.
Zum 80. Geburtstag macht Monika Ehrhardt Lakomy ihrem verstorbenen Ehemann und dessen Fans ein besonderes Geschenk: Sie bringt eine neue Platte mit dem Titel "Palastkonzert" heraus. Die 1985 im Palast der Republik entstandenen Aufnahmen seien bereits in Produktion, verkündete sie bei MDR KULTUR. Bei dem elektronischen Konzert sei auch ein Synthesizer zum Einsatz gekommen, der zuvor Rolling Stones-Frontmann Mick Jagger gehörte. "Diese Aufnahme war einfach im Rundfunkarchiv. Ich hab wirklich drei Jahre gebraucht, ehe ich dann endlich an die Lizenzen rankam."
Monika Ehrhardt Lakomy arbeite mit ihrem Ehemann auch musikalisch zusammen.Bildrechte: picture alliance/dpa | Jens KalaeneAls Jugendlicher spielte Lakomy für Louis Armstrong
Reinhard Lakomy (1946-2013) war nicht nur Komponist. Er sang, war Pianist und Arrangeur , der Genregrenzen überschritt – von Kindermusik, Schlager, Jazz bis zu elektronischer Musik, Deutsch-Rock und Filmmusik. "Ein Genie", sagt seine Witwe, die Schriftstellerin Monika Ehrhardt Lakomy, die auch als Texterin mit ihrem Mann zusammenarbeitete.
Wir haben damals im Hotel International drei Stunden auf Louis Armstrong gewartet und dann 'I Can Give You Anything but Love' gespielt.
Schon als Teenager erarbeitete sich Lakomy in seiner Heimatstadt Magdeburg einen Ruf als Jazzpianist. Magdeburg war damals Heimat einer regen Jazz-Szene, erinnerte sich Lakomy später bei MDR KULTUR. Die Jazzmusik machte Lakomy auch bekannt mit einer Musiklegende, auf deren offiziellen Empfang Lakomy spielte: "Wir haben damals im Hotel International drei Stunden auf Louis Armstrong gewartet und haben dann, als er zur Hoteltür hineinkam, 'I Can Give You Anything but Love' gespielt."
Nach dem Abitur studiert Lakomy an der Musikhochschule in Dresden. Er spielt mit DDR-Jazzmusikern wie Günther Fischer oder Klaus Lenz und widmet sich der Komposition. Für bekannte DDR-Künstlerinnen und -Künstler schreibt er Songs, etwa für Uschi Brüning.
Traumzauberbaum machte Lakomy zur Legende
Jahre später erlangte Lakomy aber mit Kindermusik große Bekanntheit. Sein wohl beliebtestes Werk ist "Der Traumzauberbaum" – eine Sammlung von Geschichtenliedern für Kinder. Monika Ehrhardt Lakomy erinnert sich bei MDR KULTUR: "Kunst für Kinder, da hat er alles reingelegt, was er konnte." Trotzdem möchte Lakomys Witwe ihn nicht auf diese "großartige Leistung" reduziert wissen.
Reinhard Lakomy und Sängerin Olivia Winter bei einer Aufführung von "Der Traumzauberbaum 3".Bildrechte: picture alliance / Eventpress Hoensch | Eventpress HoenschDenn Reinhard Lakomy war mehr als nur ein Komponist von Kinderliedern und -hörspielen. Er war ein vielseitiger Künstler, der auch Filmmusik komponierte, etwa für "Das Sandmännchen". Und er gilt als einer der wichtigsten Vorreiter elektronischer Musik in der DDR. Er sei ein "Papst der Elektronik" gewesen, sagt Monika Ehrhardt Lakomy – etwas, das heute nicht genügend gewürdigt werde, "vielleicht, weil es auch so etwas ganz, ganz Neues war."
Elektro-Pionier in der DDR
Lakomy war technikaffin und stand im regen Austausch mit Wissenschaftlern und Technikern, die sich mit dem technisch anspruchsvollen Equipment auseinandersetzten, erinnert sich seine Frau: "Das waren ja die Analog-Zeiten, da musste man was können." Lakomy sei ein "unglaublicher Freak auf dem Gebiet" gewesen. Sein Fachwissen brachte ihm auch einen Forschungsauftrag an der Technischen Hochschule Ilmenau ein.
Reinhard Lakomy im Jahr 2010.Bildrechte: picture alliance / ZB | Thomas SchulzeElektronisch Musik war damals als Genre kaum bekannt in der DDR und genoss wenig Anerkennung im offiziellen Kulturbetrieb der sozialistischen Republik. Aber Reinhard Lakomy habe laut seiner Ehefrau durchaus auch Unterstützer im Kulturministerium der DDR gehabt. So konnte er etwa mit der West-Berliner Elektro-Formation Tangerine Dream zusammenarbeiten, die sein musikalisches Fachwissen als Komponist schätzte.
Quellen: MDR KULTUR (Ilka Hein), Monika Erhardt Lakomy; redaktionelle Bearbeitung: tis
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