Was eine Karriere bei der Bundeswehr derzeit attraktiv macht
- Die Karriere-Center der Bundeswehr verzeichnen ein deutlich gestiegenes Interesse.
- Hauptmotive der Interessenten sind ein gutes Startgehalt und eine sichere berufliche Perspektive.
- Der Personalbedarf der Bundeswehr ist riesig.
Felix Brych ist 18 Jahre alt, macht derzeit Abitur und strebt im Anschluss eine Offiziersausbildung bei der Bundeswehr an. Eigene Erfahrungen mit der Armee als Arbeitgeber hat der junge Mann schon gemacht. Gespräche im direkten Umfeld bestärkten ihn: "Ich habe mit 14 Jahren in der 9. Klasse ein zweiwöchiges Praktikum bei der Bundeswehr gemacht. Und ich bin jetzt auch durch verschiedene Freunde, die mich da angestoßen haben, darauf gekommen", erzählt Brych unmittelbar vor einem Beratungsgespräch im Bundeswehr-Karrierecenter in Magdeburg.
Mit seiner Lust auf die Bundeswehr steht der Abiturient nicht alleine da. Die Truppe hat als Arbeitgeber an Attraktivität gewonnen. 2025 wuchs die Truppenstärke erstmals seit zwölf Jahren. Zunehmendes Interesse spürt auch Hauptmann Josef* vom Magdeburger Karrierecenter: "Für meinen Bereich hier kann ich sagen, dass es im letzten halben Jahr auf jeden Fall einen Anstieg gab und ich momentan auch nur positives Feedback bekomme."
Ähnlich äußerte sich im Herbst bereits der Leiter des Karrierecenters in Erfurt, Oberst Kim Oliver Frerichs. Er sagte MDR AKTUELL: "Wir haben im Bereich Karrierecenter Erfurt einen deutlichen spürbaren Anwuchs von Bewerbenden, von Interesse, von Einplanung und Einstellungen. Ich kann nicht sagen, dass ein Strom abreißt."
Für Sachsen vermeldete die Bundeswehr Ende November gut ein Viertel mehr Interessenten als im Vorjahreszeitraum.
Geld, Absicherung, Abenteuer motivieren Bundeswehr-Bewerber
Hauptmann Josef aus Magdeburg sieht vier Gründe, aus denen sich die Menschen für eine Karriere bei der Bundeswehr interessieren. "Es gibt zum einen die monitäre Motivation. Jeder, der bei uns als Soldat einsteigt, fängt mindestens an mit 2.600 Euro." Zudem gelte die Bundeswehr als sicherer Arbeitgeber im Öffentlichen Dienst. Ein dritter Grund sei die innere Motivation, etwas zu erleben: "Wo kann man noch mehr Abenteuer haben als bei uns? Sie können im Ausland ihren Dienst machen, im Inland ihren Dienst machen, im Büro, draußen auf der Wiese, im Wald – es macht einfach Spaß."
Hinzu kämen als vierter Grund zahlreiche Zusatzleistungen der Bundeswehr, zum Beispiel hohe Zuschüsse für die Aus- und Weiterbildung nach der aktiven Karriere. Auf Neudeutsch spricht die Bundeswehr von "Benefits" und listet diese auf ihrer Website auf. So wirbt die Armee etwa mit zusätzlichen Prämien je nach Einsatzgebiet, 30 Tagen Urlaub und flexiblen Arbeitszeitmodellen.
Die Bundeswehr will in den kommenden Jahren zehntausende neue Soldatinnen und Soldaten einstellen.Bildrechte: picture alliance/dpa | Michael ReichelIn die Karten spielt der Bundeswehr überdies die allgemeine wirtschaftliche Lage. Nach Josefs Wahrnehmung verkleinern sich viele Arbeitgeber in der Region gerade oder kündigen ihren Beschäftigten Einschnitte an.
Bundeswehr will neues Personal gewinnen und altes halten
Der Bedarf an neuem Personal ist bei der Bundeswehr riesig. Bis Mitte der 30er-Jahre soll die Truppe auf eine Stärke von 260.000 Männer und Frauen vergrößert werden. Das wären rund 80.000 Beschäftigte mehr als momentan. Zugleich scheiden derzeit altersbedingt auch viele Soldatinnen und Soldaten aus, wodurch der Bedarf nochmals steigt.
Vor diesem Hintergrund ist es für die Bundeswehr wichtig, nicht nur neue Angehörige gewinnt, sondern auch vorhandenes Personal zu binden. "Entscheidend ist es, erfahrene Soldatinnen und Soldaten im Dienst zu halten", schreibt die Bundeswehr selbst. Dies sei vergangenes Jahr verstärkt gelungen. 8.500 Soldatinnen und Soldaten, die die Bundeswehr planmäßig verlassen hätten, konnten demnach für einen längeren Verbleib gewonnen werden.
Ich vertrete die Ansicht (...), dass unsere wunderschöne Demokratie und unsere Freiheit nur funktioniert, wenn wir sie auch verteidigen.
Ein Beispiel für langfristige Personalbindung ist Rutger Sonnenburg, der sich ebenfalls im Karriere-Center in Magdeburg informiert. Der 26-Jährige war bereits bei der Marine, ist Reservist und Rettungssanitäter. Jetzt möchte er sich von der Bundeswehr zum Notfallsanitäter ausbilden lassen – einschließlich mehrjähriger Verpflichtung. Er sagt: "Ich vertrete die Ansicht, dass wir eine aktive Abschreckung brauchen, dass unsere wunderschöne Demokratie und unsere Freiheit nur funktioniert, wenn wir sie auch verteidigen." Und da er selbst niemanden dazu verpflichten könne und wolle, brauche es Leute, die das freiwillig machen.
*Nachname auf Wunsch nicht genannt
mit Material von dpa
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