• Besonders privat geführte Bauprojekte sind von Verzögerungen betroffen, zum Beispiel der Glasfaserausbau.
  • Gründe für Verzögerungen auf dem Bau sind vielfältig. Oft sind es unvorhersehbare Ereignisse, die den Betrieb stocken lassen.
  • Bei den Autobahnen ist das Planungs- und Vergaberecht kompliziert. In anderen Ländern ist das Straßennetz oft weniger sanierungsbedürftig.

Es gibt viele Gründe dafür, dass eine Baustelle stillsteht oder länger dauert als geplant. Konkrete Beispiele hat Matthias Bärwolff. Er ist Baubürgermeister in Erfurt und unterscheidet erstmal zwischen Baustellen der Stadt und Baustellen von Dritten. An den Projekten der Stadt werde immer gearbeitet, dafür lege er seine Hand ins Feuer.

Glasfaserausbau anfällig für Verzögerungen

Mit privaten Projekten habe man aber regelmäßig Probleme. Fast immer gehe es um den Glasfaserausbau: "Die Telekommunikationsunternehmen möchten gerne irgendwo eine Leitung verlegen und fangen dann erstmal an, Löcher zu buddeln, aber die einzelnen Monteure, die tatsächlich dann die Glasfaserleitung verlegen, die haben meistens keine Zeit."

Allerdings haben alle Telekommunikationsunternehmen per Gesetz ein Recht darauf, ihre Kabel unter die Erde zu bringen. Und da sie in Konkurrenz zueinander stünden, sprächen sie sich nicht ab, sagt Bärwolff: "Wir haben durch das Gesetz keine Möglichkeit, die zu zwingen, dass wenn wir als Stadt Erfurt zum Beispiel eine Komplexmaßnahme (Anm. d. Red.: Umfangreiches Bauprojekt mit mehreren Teilprojekten) machen und eine Straße grundhaft ausbauen, dass wir die da alle schon mit reinlegen."

Vielfältige Probleme: Ergänzungsmaßnahmen, Bodenbeschaffenheit, Altlasten

Manchmal sprängen auch kurzfristig weitere Unternehmen mit aufs Projekt auf: Zum Beispiel wollten die Wasserversorger alte Rohre austauschen, wenn die Straße schon mal offen ist – aber nicht nur im vorgesehenen Bereich, sondern noch 100 Meter davor und dahinter. So kommt es also, dass an manchen Baustellen ein Loch in der Straße klafft und keiner arbeitet, dass eine Baustelle größer wird als angekündigt oder dass ein frisch fertiggestelltes Stück Straße nach kurzer Zeit wieder aufgerissen wird.

Bernhard Knoop, Präsident der Bundesvereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure, zählt noch weitere Faktoren auf, die ein Bauprojekt ausbremsen können. Der Baugrund zum Beispiel sei an jeder Stelle anders: "Der wird natürlich untersucht, aber es kann vorkommen, dass man geringere Tragfähigkeiten hat, dass man Abweichungen hat von dem, was man vorher begutachtet hat, und das kann schon mal ein Thema sein."

Außerdem kann es vorkommen, dass beim Graben Altlasten in der Erde gefunden werden, die fachgerecht entsorgt werden müssen. Das kann das Projekt verzögern.

Autobahn: Kompliziertes Planungsrecht, alte Infrastruktur

Zum Schluss noch ein Blick auf die Autobahnen. Hier wird in Deutschland tatsächlich ziemlich langsam gebaut, sagt Thomas Puls, der am Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln zu Verkehr und Infrastruktur forscht. Das sei ein strukturelles Problem: Das Planungs- und Vergaberecht sei zu kompliziert, es gebe zu viele Klagemöglichkeiten und eine zu kleinteilige Bauabwicklung.

Allerdings hätten die Straßen in unseren Nachbarländern auch einfach nicht so einen großen Sanierungsbedarf, erklärt Puls: "Als man das 1960 gebaut hat oder geplant hat, da gab es den Eisernen Vorhang noch. Die ganzen Verkehre, die heute nach Osteuropa rollen, konnte man sich damals gar nicht vorstellen. Ein LKW durfte damals 32 Tonnen wiegen, heute sind es 40 bis 44 Tonnen. Also mit anderen Worten, die Belastung ist eine völlig andere als sie jemals gedacht war. Die Infrastruktur ist alt. Und wir haben an der Sanierung und an der Pflege kräftig gespart. Deshalb sind wir da, wo wir heute sind."

Das Problem werde seit etwa 20 Jahren diskutiert, sagt Puls. Jetzt soll es mehr Geld für die deutschen Autobahnen geben und vereinfachte Verfahren. Das haben sich Union und SPD zumindest laut Koalitionsvertrag vorgenommen.

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