• Eine bisher unbekannte Handschrift von Bach wird ab Dienstag in Leipzig präsentiert.
  • Das Schriftstück liefert neue Erkenntnisse zum musikalischen Leben Leipzigs in der Barockzeit.
  • Die Quellen wurden im Rahmen eines Bach-Forschungsprojekts zufällig entdeckt.

In Leipzig ist ein bisher unbekanntes Schriftstück von Johann Sebastian Bach (1685 -1750) gefunden worden. Dabei handelt es sich um ein amtliches Schreiben, das Bach handschriftlich verfasst hat. Der Bach-Forscher Bernd Koska entdeckte das Schriftstück bei einer Recherche im Leipziger Stadtarchiv. Der dort gefundene, bislang unbekannte Quellenbestand, umfasst auch Handschriften von Johann Christoph Gottsched und Georg Philipp Telemann.

Bei der Handschrift handelt es sich um ein Empfehlungsschreiben, das Johann Sebastian Bach 1740 für einen Studenten verfasste.Bildrechte: Stadtarchiv Leipzig/Christian Kern

Bei der Bach-Handschrift handelt es sich um ein Empfehlungsschreiben, das der Komponist 1740 für einen Theologiestudenten namens Gottlob Friedrich Türsch verfasst hat. Dieser wurde später Kantor in Salzwedel. Gefunden wurde das Schreiben in einer Mappe, die zahlreiche Schreiben von Leipziger Studenten der Barockzeit enthält, die sich um ein Stipendium der Stadt Leipzig bewarben, darunter das älteste erhaltene Bewerbungsschreiben Georg Philipp Telemanns. Auch Empfehlungsschreiben prominenter Leipziger wie Bach und Professoren der Universität liegen der Mappe bei, etwa ein Zeugnis Johann Christoph Gottscheds für Johann Friedrich Doles.

Diese Dokumente verändern unser Bild von den institutionellen Voraussetzungen der Kirchenmusik unter Bach grundlegend.

Peter Wollny, Bach-Archiv Leipzig

Neue Erkenntnisse zu Bach in Leipzig

Die Handschrift von Bach ist laut Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs Leipzig, für die Wissenschaft von immenser Bedeutung. Denn sie gebe neue Einblicke in Bachs musikalische Arbeit an der Thomaskirche, die, das sei nun bewiesen, nicht nur auf zwei, sondern auf drei Säulen ruhe. "Wenn man an Kantaten-Aufführungen oder Aufführungen der Passionen denkt, darf man nicht nur an die Thomaner und Stadtpfeifer denken, sondern als dritte Gruppe kommen noch Studenten für Bassstimmen hinzu", sagt Wollny. So werde auf einmal plausibel, wie größeren Stücke, etwa die Matthäuspassionen, funktioniert haben.

"Diese Dokumente verändern unser Bild von den institutionellen Voraussetzungen der Kirchenmusik unter Bach grundlegend: Was sich hier zeigt, ist Kulturförderung mit langfristiger Wirkung – ein Prinzip, das Leipzig seit Jahrhunderten prägt", so Wollny.

Präsentation der Handschriftenfunde im Stadtarchiv Leipzig, v.l.: Bernd Koska, Peter Wollny, Hans-Joachim Knölker und Michael Ruprecht.Bildrechte: Stadtarchiv Leipzig/Christian Kern

Quellenbestand im Bach-Archiv war bekannt

Das Empfehlungsschreiben von Bach für den Studenten Türsch hat der Bach-Forscher Bernd Koska bei einer Recherche im Rahmen des Projekts "Forschungsportal Bach" der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig gefunden. Koska betont: "An sich war dieser Quellenbestand der Stiftungsakten schon immer bekannt, verzeichnet und auch zugänglich. Er hat halt bisher einfach keinen so richtig interessiert."

Das Bach-Forschungsprojekt sucht gezielt in allen Archiven und Bibliotheken im Osten Deutschlands nach handschriftlichen Zeugnissen der gesamten Musikerfamilie Bach und macht sie öffentlich zugänglich. Es ist also gut möglich, dass in den kommenden Jahren noch weitere, bislang nicht bekannte Handschriften von Johann Sebastian Bach ans Licht kommen werden.

Mehr Informationen zur Ausstellung:

Stadtarchiv Leipzig
Straße des 18. Oktober 42
04103 Leipzig

Die Funde werden bis zum 23. April 2026 im Rahmen einer Sonderausstellung präsentiert.

Quellen: MDR (Claus Fischer); redaktionelle Bearbeitung: lig

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