• Die Opferhilfe in Sachsen hat ein Finanzierungsproblem: Die Kosten sind gestiegen und die Geldmittel reichen nicht aus, um den gestiegenen Beratungsbedarf zu decken.
  • Der Freistaat kämpft mit einer großen Lücke im Haushalt. Die Opferhilfe konkurriert mit anderen Bereichen um die knappen Gelder.
  • Der Weiße Ring stemmt seine Arbeit völlig ehrenamtlich und ist daher unabhängig. Diese Option ist jedoch nicht ausreichend.

Die gute Nachricht vorweg: Dass sich immer mehr Menschen an die Opferhilfe in Sachsen wenden, liegt nicht an einem deutlichen Anstieg der Kriminalität. Vielmehr sind die Angebote bekannter, es wird enger mit der Justiz zusammengearbeitet und Betroffene trauen sich häufiger, Hilfe zu suchen.

Das sagt Andreas Edhofer von der Opferhilfe Sachsen: "Es gibt Raub, Sachbeschädigung, aber vor allen Dingen sind es bei uns zum überwiegenden Teil Gewaltstraftaten und dort eben zu 70 Prozent sexuelle Straftaten."

Gestiegene Kosten, keine Drittmittel: Opferhilfe hat ein Finanzierungsproblem

Der Verein berät Betroffene, informiert über Rechte und begleitet sie vor Gericht. Finanziert wird diese Arbeit unter anderem mit 1,4 Millionen Euro vom Freistaat. Das reiche jedoch nicht aus, sagt Andreas Edhofer: "Wir werden ja nicht zu 100 Prozent vom Freistaat finanziert. Unsere Geldmittel kommen ja auch aus Auflagen, die die Beschuldigten bezahlen müssen und da sehen wir eben keine Erhöhung in den Jahren, wie die Kosten steigen. Es ist also nicht gleich gestiegen."

Auch die Einwerbung von Spenden und anderen Projektgeldern könne nicht gestemmt werden: "Wenn zu viele Menschen zu uns kommen, haben wir keine Zeit, Drittmittel zu erwerben. Das ist nicht unsere Aufgabe, sondern unsere Aufgabe ist ja Angebot, Beratung, Begleitung."

Knapper Haushalt: Opferhilfe im Freistaat musste Abstriche machen

Während die Einnahmen stagnieren, stieg die Zahl der Beratungen von rund 2.500 auf über 4.000, auch die Lohnkosten stiegen. Das hat Folgen: 2025 schloss das Beratungsbüro in Nordsachsen, auch im Landkreis Leipzig und Meißen gibt es keine Anlaufstellen. Im Erzgebirge wurde dagegen 2023 eine neue Beratungsstelle eröffnet – unter anderem, weil von hier die Großstädte schlechter zu erreichen sind.

Die sächsische Justizministerin Constanze Geiert weiß um die Sorgen der Opferhilfe: "Opfer gehen immer vor Täter und deshalb sollten wir tatsächlich da einen Schwerpunkt setzen. Jetzt haben wir aber schwierige Haushaltsverhandlungen, eine schwierige Haushaltslage und deshalb muss sich der Haushaltsgesetzgeber dann am Ende fragen, ob von den Mitteln, die in diesem Bereich zur Verfügung stehen, man vielleicht lieber andere liebgewordene Projekte aufgibt und dort die Priorität auf die Opferhilfe setzt."

Lücke von zwei Milliarden Euro: Opferhilfe konkurriert mit Bildung, Kita und ÖPNV

Doch Spielräume sind begrenzt: Dem Freistaat fehlen im kommenden Haushalt aktuell mehr als zwei Milliarden Euro, zudem muss sich die Minderheitskoalition mit der Opposition einigen.

Auch die ehemalige Justizministerin Katja Meier von den Grünen hat noch keine klare Antwort: "Es ist ja nicht nur das eine Thema, das prioritär ist, sondern es gibt viele Baustellen in diesem Land. Wir werden uns insgesamt den Haushalt anschauen und da ist ja die Opferhilfe ein ganz wichtiger Träger, aber es gibt ja verschiedene andere Themen – Bildung, Kita, ÖPNV –, und am Ende müssen wir uns das dann insgesamt anschauen."

Weißer Ring: Alternative ohne staatliche Finanzierung

Eine Lücke füllt der Weiße Ring. Der Verein hat in jedem Landkreis Ansprechpartner, erhält aber keinerlei Haushaltsmittel vom Freistaat. Landesvorsitzender Geert Mackenroth begründet das mit dem Selbstverständnis des Vereins: "Wenn es irgendwelche politischen oder parteipolitischen Richtlinien gibt, für eine bestimmte Strafverfolgung, für eine bestimmte Opferarbeit oder ähnliches, dann wollen wir uns damit gar nicht auseinandersetzen."

Man wolle unabhängig bleiben und verzichte deswegen auf staatliche Förderung in vollem Umfang: "Wir kriegen null. Wir machen das alles übers Ehrenamt. Ich finde, das ist irgendwo auch der gesamtgesellschaftlich gesehen ertragreichere Weg – das Ehrenamt zu stärken und auf Ehrenamt gerade in diesem Bereich Opferarbeit zu setzen. Das macht aus meiner Sicht sehr viel Sinn."

Weißer Ring und Opferhilfe schwer vergleichbar

Auch beim Weißen Ring hätten sich die Beratungen in fünf Jahren verdoppelt, so Mackenroth. Opferhilfe-Geschäftsführer Edhofer begrüßt das Engagement, macht aber deutlich: Auf die Opferhilfe sei ein rein ehrenamtliches Modell nicht übertragbar. Die Beratungszahlen des Weißen Rings seien niedriger, zudem erfordern Angebote wie die psychosoziale Prozessbegleitung professionelle Fachkräfte – das ist gesetzlich vorgeschrieben.

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