Die Ostsee könnte bald wieder salziger werden
- Meeresforscher Bange erwartet Frischwasser für die Ostsee
- Starker Abfluss in die Nordsee ist eigentlich eine gute Nachricht.
- Ostsee-Pegel zuletzt so niedrig wie seit 1886 nicht mehr
Ostwind drückt seit Wochen viel Wasser aus der Ostsee in die Nordsee. Meeresforscher Hermann Bange sagte dazu bei MDR AKTUELL, "das ist jetzt ein extrem seltenes Phänomen". In der Ostsee "hat man noch nie so einen niedrigen Wasserstand gesehen". Grund zur Sorge ist das nach den Angaben des Experten vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel aber nicht, im Gegenteil: Wenn der Wind wieder aus Westen komme, "die vorherrschende Windrichtung hier in unseren Breitengraden, dann kommt wieder sozusagen das Nordseewasser in die Ostsee reingeschwappt".
Niedriger Wasserstand ist gute Nachricht
Dann fließe kaltes und sauerstoffhaltiges Wasser der Nordsee in die Ostsee, was sich positiv auf den Lebensraum des Binnenmeers auswirke, sagte Bange. Denn in tieferen Teilen der Ostsee entstehen regelmäßig sauerstoffarme, "anoxische Zonen". Das sei in der zentralen Ostsee zwar "eigentlich ein ganz natürlicher Vorgang", wie auch der Wassertausch mit der Nordsee.
Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung KielBildrechte: picture alliance/dpa | Ulrich PerreyBange zufolge macht jetzt aber Sorgen, dass diese Zonen "durch den menschgemachten Klimawandel verstärkt" wachsen. Das habe "seit Jahrzehnten zugenommen", könnte jetzt jedoch durch den zu erwartenden Einbruch von Wasser aus der Nordsee erst einmal gestoppt werden.
Wann das Frischwasser aus dem Westen kommt, ist Bange zufolge zwar offen, sicher aber doch, dass es "irgendwann mal passieren" werde. Dann sei die Frage, "in welchem Ausmaß die Winde sich drehen, ob sie dann wirklich auf West drehen oder ob vielleicht auf Südwest stehen bleiben". Das müsse man nun "einfach abwarten."
Pegel so niedrig wie seit 1886 nicht mehr
Auch das Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde hatte über historisch wenig Wasser in der östlichen Ostsee berichtet. Messungen am schwedischen Pegel Landsort-Norra zeigten Werte, die so niedrig seien wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen 1886. Doch auch IOW-Forscher sprachen von einer guten Ausgangslage für einen größeren Salzwasser-Einstrom aus Westen, dessen "Wahrscheinlichkeit aktuell bei 80 bis 90 Prozent" liege.
Für die Ostsee wäre das von Nutzen, denn ihre höheren Temperaturen verstärkten die mikrobiellen Aktivität. Das beschleunigt laut IOW den Abbau organischer Substanz und bedeute höheren Sauerstoffverbrauch. Eine der Folgen auf Dauer: Tiefere Zonen könnten wegen des Sauerstoffmangels für Fische und andere Lebewesen der Ostsee unbewohnbar werden.
dpa / MDR AKTUELL (ksc)
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