• Bei einem Leipziger Goldhändler herrscht wegen hoher Preise dieses Jahr deutlich mehr Betrieb als in den Vorjahren.
  • Mache verkaufen ihr Gold, um anstehende Ausgaben zu finanzieren.
  • Ein Ökonom empfiehlt, beim Gold langfristig zu denken und nicht zu spekulieren.

Es ist kurz nach 10 Uhr, der Edelmetallhandel Philoro in der Leipziger Innenstadt hat gerade aufgeschlossen. Im Foyer wartet eine Handvoll Kunden auf Beratung. Anfang des Jahres geht es normalerweise ruhig zu, erzählt Filialleiter Dirk Henker: "Das war in diesem Jahr alles andere als entspannt. Auch heute früh war gleich eine Schlange da, wie beim Bäcker."

Dirk Henker hat dieses Jahr deutlich mehr Kundschaft.Bildrechte: MDR/Britta Veltzke

Im Ankaufszimmer hat schon ein Ehepaar Platz genommen. Die beiden Rentner wollen Schmuck verkaufen. Henker nimmt Ketten, einen Ring, ein Armband und einen Anstecker entgegen: Henker: "Dann gucken wir mal, was Sie so an kleinen Schätzen mitgebracht haben." Sie: "Das ist Gold." Henker: "So ich tue das mal hier auf mein Tablett, sortiere mir das mal ein bisschen."

Gold verkaufen für neues Getriebe

Die Stücke legt er dann nacheinander in ein Analysegerät. Nach einigen Sekunden steht im Display, wie viel Gold, Silber oder sonstige Metalle in dem Schmuckstück stecken. Als erstes kommt ein Goldring dran. Henker schildert: "Prozentual [sind] die Bestandteile also hier: Gold 58, Silber zwölf und Kupfer 25 Prozent. Es heißt, es sind 585 als Legierung, so wie man das aus Schmuckhandel kennt."

Den Ring, mal im Urlaub erstanden, trägt sie nicht mehr. Ihn und einige weitere Schmuckstücke haben sie – wie die Kundin sagt – für schlechte Zeiten aufgehoben: "Die Zeiten sind jetzt nicht schlecht, aber eben zum Verkauf sehr gut. Es gibt Sachen, für die sich das lohnt, jetzt Gold zu verkaufen." Er: "Sie hat ein krankes Auto". "Mein Auto braucht 3.000 Euro für neues Getriebe", erklärt sie und lacht.

Seinen Namen will das Ehepaar aus Leipzig nicht verraten. Nicht jeder soll wissen, was sie beim Goldhändler machen – und auch Gold besitzen.

Gold mit langfristiger Perspektive

Der Mann schildert: "Gekauft haben wir das, was Anlagen sind: Goldbarren oder Goldmünzen". Sie: "Aber schon vor Jahren, als das Gold noch relativ preiswert war. […] Als wir die Münzen gekauft haben, da ist der Goldpreis gerade gestiegen und wir haben uns gefragt: 'Ob das sinnvoll ist, jetzt noch zu kaufen?' Dann haben wir es aber doch gemacht. Und jetzt ist ja noch einmal so weit gestiegen. Also das war die richtige Entscheidung."

War es das? Ökonom Dr. Hartmut Walz ist Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigsburg. Verbraucherschutz bei Geldanlagen gehört zu seinen Lieblingsthemen: "Das kann sehr vernünftig sein. Es kann auch okay sein, wenn jemand jetzt zu Höchstpreisen Gold kauft, aber er sollte bitte eine langfristige Perspektive haben und keine spekulative Erwartung."

Ökonom nennt Gold "totes Kapital"

Kurzfristig könne alles passieren; sprich: rapide Kursschwankungen. Und: Bei Gold als Anlage müsse man sich immer im Klaren sein, dass es keine eigene Rendite erwirtschafte: "Wenn Sie also hundert Goldmünzen in den Tresor legen und sie niemand klaut, haben Sie nach zehn Jahren immer noch hundert Goldmünzen. Und sie haben keine Dividende, keine Zinsen, keine Mieterträge. […] Deswegen ist in Gold gebundenes Kapital an für sich totes Kapital. Und sie spekulieren nur da drauf, […] dass die Preissteigerungen noch über die Inflation hinausgeht. Da muss man aber realistisch sagen, das ist teilweise über einen Zeitraum von 20 Jahren nicht passiert."

Auch wenn es sich jetzt lohnen würde: Unser Ehepaar beim Leipziger Goldhändler will seine Goldanlagen behalten. Nur der Schmuck, der kann jetzt mal weg. Goldhändler Dirk Henker hat die Stücke inzwischen gewogen und die Daten in den Computer getippt. Das Ergebnis: "Dann kommen wir jetzt insgesamt mit dem, was hier auf dem Brett liegt, auf 360 Euro und 87 Cent." Das Paar ist zufrieden – gut, ein kleines bisschen mehr hätte es noch ein können. Sie meint: "Mehr kann es immer sein."

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