• Knapp zwei Drittel der Befragten haben Vertrauen in Informationen aus Satire-Formaten.
  • Macherinnen und Macher von Satire sehen sich als Kritiker, Unterhalter und Informationsvermittler.
  • Eine deutliche Mehrheit sieht unterhaltsame Aufbereitung "trockener" Themen als Mehrwert von Satire-Formaten.

Die unterhaltende Wissens- und Politikvermittlung zu untersuchen. Das war die Ursprungsidee der Professorin für Empirische Kommunikations- und Medienforschung an der Universität Leipzig, Anne Bartsch. Sie hat im Rahmen einer qualitativen Forschung unter anderem Interviews mit den Macherinnen und Machern von Satire geführt und sie zu ihrem Rollenbild und Selbstverständnis befragt. Auf Basis dieser Forschung haben Studentinnen und Studenten gemeinsam mit dem Team von MDRfragt eine Befragung für die MDRfragt-Community konzipiert. Darin geht es um den Konsum und die Bewertung von Satire-Formaten.

Transparenzhinweis

Während der Konzeption und Durchführung dieser Forschungskooperation war Prof. Dr. Anne Bartsch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von MDRfragt. Kurz vor dem Start der Befragung wurde sie in den ARD/ZDF-Medienrat berufen. Aufgrund dessen hat sie ihr Amt als wissenschaftliche Beirätin von MDRfragt niedergelegt. Sowohl die Forschungskooperation als auch das hier veröffentlichte Interview wurden abgeschlossen, bevor der Medienrat konstituiert wurde.

Mehr Vertrauen in Satire als in Nachrichten

Die Befragung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Meinungsbarometers MDRfragt hat ergeben, dass knapp zwei Drittel der Befragten, die Satire-Formate konsumieren, viel Vertrauen in Informationen aus Satire-Formaten haben. Erstaunlich ist, dass sogar eine Mehrheit Satire-Formaten mehr Vertrauen schenkt als Nachrichten-Formaten. Demnach haben 65 Prozent der Befragten viel Vertrauen in Satire-Formate, während 51 Prozent der Befragten viel Vertrauen in Nachrichten-Formate haben.

Bildrechte: MDR

"Wir haben auch die Verständlichkeit von Satire im Vergleich zu Nachrichten untersucht", sagt Sarah Boles, Bachelor-Studentin im dritten Semester an der Universität Leipzig. Demnach sei für 88 Prozent der Befragten ein Satire-Format eher leicht bis sehr leicht verständlich. Nur 66 Prozent der Befragten sagen, dass Nachrichten-Formate leicht verständlich seien.

In den qualitativen Befragungen der Universität haben die Konsumenten von Satire-Formaten auch "Redaktionen in Medienhäusern" als Vertrauensfaktor genannt, so Forschungsleiterin Anne Bartsch, "was auch die Qualität von Informationen in der Satire absichert."

Politische Satire-Magazine, wie "Extra 3" (NDR), greifen reale Ereignisse auf und überzeichnen sie satirisch. Bildrechte: IMAGO/Berlinfoto

Zudem seien Moderatorinnen und Moderatoren Identifikationsfiguren im "Konzept von parasozialer Meinungsführerinnenschaft", sagt Anne Bartsch. Insbesondere dann, wenn die Konsumenten von Satire den Moderatoren auf sozialen Medien folgen können. "Was glauben die, was denken die auch privat? Wofür steht die Person?", seien dann die Fragen des Publikums, um den Moderator oder die Moderatorin als "kompetent, glaubwürdig und vertrauenswürdig" wahrnehmen zu können.

Rollen von Satirikerinnen und Satirikern

Verantwortlich für die Wirkung von Satire-Formaten sind deren Macherinnen und Macher. Das Team von Anne Bartsch hat interessiert, wie sie sich selbst sehen, welche kommunikativen Aufgaben sie sich selbst zuschreiben. Dabei wollte das Team den Fokus vor allem auf "Satiriker:innen und Journalist:innen" setzen, die im Hintergrund für Satire-Sendungen recherchieren, sagt Forschungsleiterin Anne Bartsch. "Wir haben also nicht die Moderatorinnen und Moderatoren interviewt, sondern ganz bewusst die Leute hinter den Kulissen, die die ganze Wissensarbeit machen."

Anne Bartsch ist Professorin für Empirische Kommunikations- und Medienforschung an der Universität Leipzig.Bildrechte: Anne Bartsch

Als Ergebnis sei festzuhalten, dass sich die Satireverantwortlichen in ihrem Selbstverständnis in erster Linie als Unterhalter, aber auch als Informationsvermittler und Kritiker sehen. "Das sind die drei großen Rollenelemente", so Anne Bartsch weiter. Dabei komme es jedoch auf den jeweiligen beruflichen Werdegang an. Eine Person, die einen journalistischen Werdegang hat, sehe sich eher als Journalist als als "Gag-Writer". Zudem hänge es auch vom jeweiligen Satire-Format ab, wie viel journalistische Expertise gefragt sei.

Über Branchenkontakte habe man mit elf Personen ausführliche Interviews führen können, die hinter den Kulissen in Satire-Formaten arbeiten. Anne Bartsch betont, "das ist eine kleine Community, die in der Branche arbeiten. Da hatten wir einfach Glück." Zudem sei der Anspruch einer qualitativen Forschung nicht, repräsentativ zu sein, sondern "eher Dinge zu verstehen, herauszufinden wie die Zusammenarbeit funktioniert und wie das Rollenverständnis ist."

Unterhaltsamer als Nachrichten

Die Konsumenten von Satire-Formaten sind auch dazu befragt worden, welche Aspekte sie als Mehrwert von Satire-Formaten sehen. Eine Mehrheit von 57 Prozent sieht dabei die Aufbereitung "trockener" Themen als Mehrwert an. Insbesondere für 73 Prozent der jungen Leute (16-29 Jahre) war das der ausschlaggebende Mehrwert.

Welchen Mehrwert sehen die Befragten im Konsum von Satire?Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zudem sollten die Befragten angeben, warum sie Satire-Formate konsumieren. Ein Drittel hat dabei angegeben, dass sie sich über Satire-Formate informieren. 79 Prozent haben angegeben, sie konsumieren Satire, weil es sie unterhält.

Quellen: MDR KULTUR (Ole Steffen), MDRfragt, Universität Leipzig
Redaktionelle Bearbeitung: as, bh

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