Obwohl es noch recht winterlich ist, sitzen an vielen Orten in Deutschland bereits die ersten Weißstörche auf ihren Nestern. Nach Angaben von Vogel-Experten gibt es dafür verschiedene Gründe: Zum einen seien einige Störche bereits aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt. Zum anderen würden immer mehr Störche in Deutschland überwintern oder nicht mehr so weit nach Süden ziehen. Wie Oda Wieding vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) im bayerischen Hilpoltstein sagte, überwintern allein in Bayern jedes Jahr mehrere Hundert Störche. Nach Angaben des Naturschutzbunds (Nabu) Thüringen, trafen bis zur Monatsmitte ein Drittel der Störche auf ihren Nestern im Freistaat ein. Demnach verbrachten sie die Winterzeit vor allem in Südhessen oder in Südwesteuropa wie etwa in Spanien.

Erste Störche auch in Norddeutschland

Auch in Sachsen-Anhalt sind nach Angaben des Storchenhofs Loburg die ersten Störche aus ihren Winterquartieren zurück. Selbst in Norddeutschland kann man bereits die ersten Störche auf ihren Nestern sehen. Kai-Michael Thomsen vom Michael-Otto-Institut des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) in Bergenhusen vermutet, dass sie in Süddeutschland überwintert hatten. Wenn es nicht dauerhaft friere, kämen Störche hierzulande im Winter gut zurecht, so Thomsen. Nahrung fänden sie etwa an Flussniederungen und auf Mülldeponien. Und von den Störchen, die sich auf den Weg nach Süden machten, überwinterten immer mehr in Südspanien, statt bis Afrika weiterzufliegen. In den 1980er-Jahren seien das nur einzelne Tiere gewesen, inzwischen aber mehrerer Zehntausende, erklärt Thomsen.

Der Großteil zieht weiter nach Süden

Nach Angaben des Vogelzug-Experten Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell am Bodensee zieht dennoch ein Großteil der Störche weiterhin über den Winter nach Süden. Das zeigen die Daten von Sendern, mit denen Nabu und LBV einzelne Weißstörche ausgestattet haben. Von den besenderten Störchen in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz blieben Fiedler zufolge deutlich unter zehn Prozent in ihrem Brutgebiet, die meisten davon aber erst mit zunehmendem Alter. Fiedler zufolge sind bereits erste Zugstörche in Bayern und Baden-Württemberg zurück aus ihren südlichen Winterquartieren. Weitere seien auf dem Rückweg und müssten bald eintreffen. Einige seien noch in Spanien und Marokko.

Wer zuerst kommt, malt zuerst

Nicht so weit weg zu fliegen oder gleich im Land zu bleiben, kann sich für Störche übrigens sehr lohnen. Laut LBV-Expertin Wieding versuchen Störche nämlich in der Regel, immer auf ihr Nest vom Vorjahr zurückzukehren. Überwinterer und frühe Rückkehrer hätten deshalb bessere Aussichten, es noch unbesetzt vorzufinden. Allerdings könne ein später Frosteinbruch dem Gelege schaden. "Es wird sich langfristig zeigen, welches Verhalten vorteilhafter ist und wie sich die Vögel anpassen", so Wieding.

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dpa/MDR (dn)

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