Ohne den Eiskanal sähe es düster aus
Vor vier Jahren erreichte das deutsche Team bei den Olympischen Winterspielen in Peking Platz zwei Medaillenspiegel. Für Mailand und Cortina d'Ampezzo gab der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) Rang drei als Ziel aus - das wurde deutlich verfehlt. Insgesamt 26 Medaillen stehen nach den Spielen in Italien für das deutsche Team zu Buche - achtmal Gold, zehnmal Silber und achtmal Bronze bedeuten Platz fünf im Medaillenspiegel.
Vor allem im Biathlon und in der Nordischen Kombination, also Sportarten, in denen Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten zur absoluten Weltspitze zählte, fielen die Ergebnisse enttäuschend aus. Während im Biathlon immerhin eine Bronzemedaille in der Mixed-Staffel heraussprang, gingen die Nordischen Kombinierer gänzlich leer aus.
Taubitz, Langenhan und Co. brillieren im Eiskanal
Einzig im Eiskanal untermauerten die deutschen Athletinnen und Athleten ihre Vormachtstellung. Im Bob, Skeleton und Rodeln wurden sechs der insgesamt acht Goldmedaillen eingefahren, woran auch die mitteldeutschen Sportlerinnen und Sportler großen Anteil hatten. Allein Julia Taubitz (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal), Max Langenhan (BRC 05 Friedrichroda) und Dajana Eitberger (RC Ilmenau) holten in den Rodel-Wettbewerben dreimal Gold.
Im Bob musste sich Francesco Friedrich (BSC Sachsen Oberbärenburg) auf seiner Rekordjagd zwar seinem Dauerrivalen Johannes Lochner geschlagen geben, fuhr aber dennoch zweimal zu Silber. Das schaffte auch Lisa Buckwitz (BRC Thüringen) im Zweierbob. Lochners Anschieber Thorsten Margis (SV Halle) ist mit nun fünf Goldmedaillen zudem der erfolgreichste Bob-Sportler in der Geschichte der olympischen Winterspiele überhaupt.
Voigt verpasst zwei weitere Medaillen
Auch im Skeleton regnete es Medaillen. Axel Jungk und Susanne Kreher (beide Dresdner SC) fuhren im Einzel und gemeinsam im Mixed-Wettbewerb zu Silber. Christopher Grotheer (BSR Rennsteig Oberhof) beendete seine Karriere mit zwei Bronzemedaillen. Die Biathleten Vanessa Voigt und Justus Strelow (beide am Stützpunkt in Oberhof) holten besagte Bronzemedaille, wobei Voigt im Einzel und in der Staffel jeweils auf Platz vier nur knapp ein weiteres Mal Edelmetall verpasste.
In der Gesamtbilanz hinkte Deutschland aber hinterher. Den Topplatz im Medaillenspiegel sicherte sich mit großem Vorsprung zum vierten Mal in Serie Norwegen. Die Skandinavier holten 18-mal Gold, zwölfmal Silber sowie elfmal Bronze und damit 15 Medaillen mehr als Deutschland. Auf Platz zwei kommt die USA, dahinter folgen die Niederlande und Italien.
Oftmals Blech und Pech für Deutschland
Johannes Herber, Geschäftsführer des Lobbyvereins "Athleten Deutschland", wies im Gespräch mit MDR AKTUELL vor allem auf die vielen vierten Plätze hin. Ganze 14 Mal sprang nur die "Holzmedaille" für das deutsche Team heraus. Besonders im Biathlon und Skispringen fehlte oftmals nicht viel. "Die vielen vierten Plätze sind natürlich tragisch und für die Athletinnen und Athleten nicht zufriedenstellend", sagte Herber. "Aber die Weltspitze ist einfach unheimlich eng beisammen."
Dennoch sieht sich der DOSB angesichts der Ergebnisse nicht zum ersten Mal in der Rechtfertigungsrolle. Letztlich hat der allein vom Bund mit knapp 350 Millionen Euro jährlich geförderte deutsche Spitzensport bei diesen Winterspielen nicht das geliefert, was erwartet wurde.
Schenderlein: "Ergebnisse sind ein klarer Handlungsauftrag"
"Deutschland ist und bleibt eine Wintersportnation. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir in der Gesamtbilanz unseren eigenen Ansprüchen bei den Winterspielen 2026 nicht gerecht geworden sind", sagte Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU). "Bei Olympischen Winterspielen wollen wir, wie in den vergangenen Jahren, zu den Top-3-Nationen gehören, im Sommer wieder zu den besten fünf. Die Ergebnisse aus Italien sind deshalb auch ein klarer Handlungsauftrag, unsere geplanten Reformen weiter voranzutreiben."
Wie diese konkret aussehen, ist noch nicht bekannt. Eine unabhängige Agentur soll künftig über die Verteilung der Steuer-Millionen und die Strukturen im deutschen Spitzensport entscheiden und ihn so effizienter und international wieder wettbewerbsfähiger machen. Fakt ist, dass in vielen Sportarten der Nachwuchs fehlt. "Das fängt schon bei der Trainerausbildung an", erklärt Herber. "Gute Trainer gehen teilweise ins Ausland, weil sie dort besser bezahlt werden."
IOC nimmt Sportarten unter die Lupe
Allein auf die Leistungen im Eiskanal kann sich der DOSB zukünftig nicht verlassen. Beim Rodeln, Bob und Skeleton haben die Deutschen durch ihre Erfolge in den vergangenen Jahrzehnten einen enormen Vorsprung in der Technik und der Ausbildung der Athleten. Aber die Geräte und Anlagen sind teuer.
Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry sah bei einigen Wettbewerben der Winterspiele mit Blick auf die Zukunftsaussichten genau hin. (Archiv)Bildrechte: picture alliance/dpa/AP | Thanassis StavrakisZudem beschäftigt sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) aktuell genau mit den Wettbewerbsbedingungen der Olympischen Sportarten - Stichwort Nordische Kombination. Die Königsdisziplin des Nordischen Wintersports muss bekanntermaßen darum bangen, bei den Spielen 2030 in den französischen Alpen nicht komplett aus dem Programm gestrichen zu werden.
SpiO/dpa/sid
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