"Guten Tag, Frau Schulz, wie geht es Ihnen?" fragt Pflegerin Bruna Gardiano. "Gut", antwortet die Patientin, eine alte Dame. Schwester Bruna misst Puls, Blutdruck, Körpertemperatur und Sauerstoffsättigung. Alles im grünen Bereich. "Blutdruck 130 zu 61. Wie bei einer jungen Frau", sagt die Brasilianerin. "Ich fühle mich ja auch noch jung", entgegnet die Seniorin lachend in ihrem Krankenbett.

Vertrauen bei Patienten schneller da als bei Kollegen

Die Patientin fühlt sich bei Bruna Gardiano und den anderen brasilianischen Pflegekräften gut aufgehoben. Das zeigen ihre Lächeln und ihre Worte: "Sehr nette Leute, wirklich sehr nett", sagt sie. Zu den Patienten habe sie vom ersten Tag an einen super Draht gehabt, erzählt Schwester Bruna. Bis die Kollegen sich an sie gewöhnt hatten und sich sicher waren, dass sie sich auf sie verlassen können, habe es etwas länger gedauert. "Heute können wir uns gegenseitig unterstützen und viel Spaß zusammen machen", erzählt die 27-Jährige.

Am Anfang sei es für beide Seiten manchmal schwierig gewesen, wenn sie etwas nicht verstand oder noch nicht wusste - gerade wenn es schnell gehen musste. Zwar wurden die brasilianischen Pflegekräfte in Deutschkursen mit Medizin-Vokabular auf ihre Aufgabe vorbereitet, aber "wie die Kollegen etwas in der Praxis sagen, ist nicht immer genau wie im Lehrbuch", erzählt Gardiano.

Klinikleitung setzt weiter auf Brasilianer

"Natürlich gibt es sprachliche Defizite bei dem einen oder anderen", sagte Klinikleiterin Juliane Kirfe Ende Januar MDR SACHSEN. Die meisten Probleme ließen sich aber schnell klären. "Wir bieten auch zusätzliche Sprachkurse an, damit alle sicherer werden." Trotz einiger Herausforderungen laufe es mit den Brasilianern aber insgesamt "sehr, sehr gut", betonte sie.

Deshalb hat die Klinik 16 weitere Krankenpflegerinnen und -pfleger in Brasilien angeworben. Sie bereiten sich derzeit in einer Sprachschule auf ihre Arbeit in Deutschland vor und sollen im Januar 2027 nach Hoyerswerda kommen.

Die Geschäftsführerin der Klinikums, Juliane Kirfe, ist sehr zufrieden mit den neuen Mitarbeitenden aus Brasilien.Bildrechte: MDR/Jörg Winterbauer

Bevor die brasilianischen Pflegekräfte in der Klinik einen Arbeitsvertrag bekommen haben, arbeiteten sie zehn Monate an der Anerkennung ihres Abschlusses - mit Praktika, theoretischem Unterricht und Sprachkursen. Inzwischen haben alle die Abschlussprüfung bestanden und arbeiten auf den Stationen.

Vorteile und Nachteile in Deutschland

Pfleger Marcos Santos Silva ist froh, dass er den Schritt gewagt hat. Die ersten Monate auf der Station seien sei zwar "eine große Herausforderung" gewesen. Aber inzwischen würden ihm seine Kollegen vertrauen und sich auf ihn verlassen. "Wenn du dir jeden Tag Mühe gibst und fleißig bist, kommt die Akzeptanz mit der Zeit", sagt er.

Pfleger Marcos Santos Silva ist zufrieden mit seiner Arbeit im Seenland-Klinikum Hoyerswerda. Er kann sich ein Leben für immer in der Lausitz vorstellen.Bildrechte: MDR/Jörg Winterbauer

"Ich kann eine neue Kultur kennenlernen, ich kann in Deutschland sicher leben", sagt er. "In Deutschland schaue ich nicht auf die Uhr, wann ich nach Hause kommen muss. In Brasilien ist es nachts sehr gefährlich auf der Straße. Deswegen versuche ich nicht nach zehn Uhr nach Hause zu kommen". Und auch die bessere Bezahlung nennen er und seine Kollegen als entscheidenden Vorteil. "Ich kann meine Familie unterstützen", sagt die 27-Jährige Bruna Gardiano.

Schwieriger als in Brasilien findet sie es jedoch, in Hoyerswerda Freunde zu finden. Aber sie gibt sich Mühe. Als eine Kollegin sie fragte, ob sie in der Volkshochschule einen brasilianischen Kochkurs geben wolle, sagte sie zu – auch um unter Leute zu kommen. "Ich erkläre, was sie machen müssen, und wir kochen zusammen. Es macht immer viel Spaß."

Pflegerin Raquel Barreto im Pausenraum. Die Brasilianerin fühlt sich wohl mit ihren Kollegen. Bildrechte: MDR/Jörg Winterbauer

Hebamme: "Andere Energie"

Pflegerin Raquel Barreto arbeitet in der Geburtshilfe. Ihr Kollegin und Hebamme Steffi macht mit ihr die Übergabe, sie gehen gemeinsam durch eine Patientenakte. "Ich verstehe mich gut mit den Kollegen", sagt Raquel. Sie lächelt viel, lacht oft und strahlt viel Freundlichkeit aus. Das kommt offenbar an bei Patienten und Kollegen.

"Die brasilianischen Pflegekräfte bringen eine ganz andere Energie mit. Wir arbeiten gerne mit ihnen", sagt Hebamme Steffi. Auch betont sie, dass sie eine sehr gute Ausbildung haben. Alle 15 haben in Brasilien ein fünfjähriges Pflegestudium abgeschlossen.

Pflegerin Raquel Barreto versteht sich gut mit Hebamme Steffi. Bildrechte: MDR/Jörg Winterbauer

Und plötzlich überall Schnee

Ihre Freizeit verbringen die Neu-Lausitzer oft gemeinsam. Bruna Gardiano hat ihre Kollegen Marcos und Raquel in ihre Wohnung eingeladen. Bei Kaffee und selbstgebackenem Schokokuchen sprechen sie über ihr neues Leben.

"Die niedrigste Temperatur, die ich in meiner Heimatstadt erlebt habe, waren 15 Grad", erzählt Raquel. Aber der deutsche Winter hat auch seine schönen Seiten, findet sie. "Ich habe hier zum ersten Mal Schnee gesehen. Wir waren wie Kinder. Wir haben so viel im Schnee gespielt und einen Schneemann gebaut." Ihre Kollegen haben ihr Handschuhe geschenkt. "Das war wirklich sehr nett."

Bei Kaffee und Kuchen tauschen die Brasilianer sich über ihre Erfahrungen aus. Bildrechte: MDR/Jörg Winterbauer

Für immer in Hoyerswerda

Bruna findet den Schnee auch schön, sonst kann sie dem Winterwetter wenig Positives abgewinnen. "Es ist zu kalt, zu dunkel und wenn ich zur Arbeit gehe, ist es oft glatt", sagt die 27-Jährige. Trotzdem sieht sie mehr Vorteile als Nachteile in Deutschland. "Es war eine gute Entscheidung herzukommen". Für die nächsten Jahre wollen sie auf jeden Fall in Hoyerswerda bleiben. "Manchmal habe ich Heimweh", sagt Raquel.

Ihr Kollege Marcos Santos Silva kann sich sogar vorstellen für immer in Hoyerswerda zu bleiben. "Ich bin auf dem Land aufgewachsen, ich mag es ruhig." Bald will seine Frau aus Brasilien nachkommen.

Weiterführende Links

  • 30. Juli 2025Köpping: Anwerbung von Pflegern aus Brasilien noch schwierig
  • 06. April 2025Ran an die Patienten: In Hoyerswerda leiten Pflege-Azubis eine Krankenhausstationmit Video

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