Weniger Kinder, gleiche Kosten: Viele Tageseltern geben auf
- Die Zahl der Tageseltern schrumpft. Gerade Selbstständige kommen bei weniger Kindern und gleichbleibenden Lebenserhaltungskosten in die Bredouille.
- Dass die Politik die Kindertagespflege versiegen lässt, könnte sich langfristig rächen – etwa wenn wieder geburtenstärkere Jahrgänge nachkommen.
- Für viele Kinder ist die Tagespflege besser geeignet als die normale Kita.
Es ist ein sonniger Vormittag in Erfurt. Die Südplatzzwerge sind bereit fürs Mittagessen. Die Südplatzzwerge, das sind sieben Kinder zwischen einem und drei Jahren, die von Tagesmutter Katja Kechler und einer Kollegin betreut werden. Gemeinsam betreiben sie eine Tagespflege für Kleinkinder.
Immer weniger Kinder, gleichbleibende Kosten: Zahl der Tageseltern schrumpft
Aktuell sind acht von zehn möglichen Betreuungsplätzen besetzt; jede Fachkraft darf bis zu fünf Kinder betreuen. Im letzten Jahr war die Situation für Keichel finanziell brenzlig, da habe sie zeitweise nur drei Kinder betreuen können: "Das ist für mich natürlich echt schwierig, da ich ja selbstständig bin als Kindertagespflegeperson, weil ich ja pro Kind bezahlt werde. Und meine laufenden Kosten, die Miete, die Mietnebenkosten, Versicherungen, das sind ja alles Kosten, die nicht geringer werden, nur weil ich jetzt drei Kinder habe. Die bleiben ja gleich."
Ungefähr 500 Euro pro Monat rechnet Keichel pro Kind. Dass für sie nach den laufenden Kosten bei drei Kindern nur wenig übrig bleibt, ist logisch. Knapp die Hälfte der Erfurter Tageseltern hätten in den letzten Jahren ihre Selbstständigkeit aufgeben müssen, schätzt Keichel. Mittlerweile sind es noch gut 50 Tagesväter und -mütter.
Kritik: Ausdünnung der Tagespflege könnte sich langfristig rächen
Sandra Schäfer vom Landesverband für Kindertagespflege Thüringen findet es von politischer Ebene sehr kurz gedacht, die Kindertagespflege einfach versiegen zu lassen: "Kritisch ist das vor allem langfristig. Wenn die Geburtenzahlen wieder steigen sollten, fehlt dann unter Umständen ein wohnortnahes, flexibles Betreuungsangebot, denn die Eltern haben ein nach dem Gesetz verbrieftes Wunsch- und Wahlrecht. Deshalb ist jetzt entscheidend, politisch gegenzusteuern und auch die Kindertagespflege strukturell zu stabilisieren."
So könnte man die Tageseltern beispielsweise für eine Übergangszeit finanziell unterstützen. In der Regel sind die Monate in Unterbesetzung begrenzt, können aber für die selbstständigen Tagespflegepersonen existenzgefährdend sein.
Individuelle Betreuung: Tagespflege für manche Kinder geeigneter
Die ersten Lebensjahre sind für Menschen die prägendsten. Katja Keichel betont noch einmal, warum das in Thüringen geltende Recht zwischen Tagespflege und Krippe wählen zu können, wichtig ist: "Ich habe auch immer wieder Kinder gehabt, die eine Eingewöhnung im Kindergarten oder in der Kinderkrippe angefangen haben, dann aber doch hierher gewechselt sind in den familiären kleinen Rahmen und sich dann doch mehr entspannt haben und auch angekommen sind, was vorher in der Krippe nicht funktioniert hat."
Für manche Kleinkinder sei der größere Rahmen im Kindergarten noch zu viel. Katja Keichel würde sich wünschen, dass Kindergärten und Tagespflegepersonen nicht in Konkurrenz, sondern als Einheit mit dem Geburtenrückgang umgehen. Kooperieren könne man zum Beispiel, indem Tageseltern regelmäßig die zukünftige Kita der Kinder besuchen und dadurch die Eingewöhnung einfacher wird.
Bei den Südplatzzwergen ist jetzt Mittagsruhe. Katja Keichel und ihre Teamkollegin singen die Kinder in den Schlaf.
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