Alarmsignale, Wummern, Ängste: Das erleben gestrandete Sachsen im Nahen Osten
Seit einer Woche sitzt Robert Friedrich aus Leipzig in Kuwait-Stadt fest. Der Weltenbummler will zu Fuß von Sachsen nach Singapur wandern. Doch der Iran-Krieg hat seine Pläne durchkreuzt. "Ich harre hier der Dinge, um in irgendeiner Art und Weise sicher und behütet die Region zu verlassen, irgendwann." Er wollte in diesem Jahr die arabische Halbinsel vom Irak aus durchqueren und bis nach Nepal laufen.
Unfreiwillige Reise-Unterbrechnung
Seit Kriegsbeginn ist er Gast im Souterrain einer Arztfamilie in Kuwait-Stadt. Die Bekannten seiner Schwester beherbergen ihn, trotz des Fastenmonats Ramadan bekomme er Frühstück und esse abends mit den Gastgebern. "Ich bin dankbar und wohne zur Zeit in einer Villa in einer Sicherheitszone und verfolge das Geschehen so ruhig es eben geht." Und weiter: "Ich bin hier sicher, es geht mir gut, anderen in Nachbarländern geht es wesentlich schlimmer."
Ich bin hier sicher, es geht mir gut.
Nachrichten gucken in Kuwait
Regelmäßig höre er Alarmsignale und Durchsagen, "die ich aufgrund der Sprache nicht verstehe. Mir wurde aber gesagt, das heißt: 'In Ordnung, der Alarm ist vorbei", schildert der 35-Jährige im Gespräch mit MDR SACHSEN. Und weiter: "Man hört immer wieder mal, wenn eine Drohne oder Rakete vom Abwehrsystem zerstört wird." Nachrichten verfolgt der Wanderer über Youtube und schaut vor allem lokale Sender.
Friedrich wünscht sich, dass kein Unbeteiligter zu Schaden kommt und "die politischen Mächte diplomatische Lösungen finden". Sollte der Krieg länger dauern oder das Auswärtige Amt alle Deutschen zurückbeordern, würde er sein Wanderprojekt aus Sicherheitsgründen auch aussetzen. Um einen Platz für einen Rückflug würde er sich aber nicht drängeln. "Ich würde immer versuchen, die Ruhe zu bewahren und nicht hysterisch irgendwo hinzudrängeln."
Robert Friedrich hatte seine Weitwanderung zwar anders geplant. Nun harrt der Leipziger in Kuwait aus und versucht ruhig zu bleiben.Bildrechte: Robert FriedrichGestrandet bei der Fernreise
Ruhe bewahren: Das hat auch der Reisebüro-Inhaber Michael Riebel seinen Kunden geraten. Im seinem Reisebüro Siama in Leipzig stehen die Telefone seit Tagen nicht mehr still. Zwei Kunden sitzen auf einem Kreuzfahrtschiff in Doha fest. Andere konnten nicht in Thailand starten oder waren am Luftdrehkreuz Dubai gestrandet, weil sie dort Richtung Thailand oder Malediven umsteigen wollten. "Sie hörten die Raketeneinschläge. Dieser Teil der Reisenden findet die Lage beängstigend. Viele hadern mit sich. Die, die in Hotel untergekommen sind, versuchen das Beste aus allem zu machen", so der Reiseunternehmer.
Viele hadern mit sich. Die, die in Hotel untergekommen sind, versuchen das Beste aus allem zu machen.
Hauptfrage: "Wie komme ich nach Hause?"
Manche Gäste seien telefonisch gar nicht erreichbar, weil Anbieter wegen der Roaminggebühren abschalteten. Mehrere Reiseleiter im Auftrag der Leipziger Firma seien in Dubai und Nachbarstaaten in Hotels, dürften aber auf Geheiß der Hotelleitungen nicht sprechen, erzählt Michael Riebel. Immer wieder habe er bei Telefonaten mit Betroffenen "Knallen und Wummern im Hintergrund gehört".
Für die Kunden sei "die Unsicherheit das Hauptproblem. Alle fragen sich und uns: Wie komme ich nach Hause?" Tausende Flüge seien in den vergangenen Tagen ausgefallen. "Es gibt zur Zeit keine Flüge. Innerhalb weniger Stunden sind die Reisepreise explodiert. Und ich fürchte, wer seine Fernreise in die Region oder nach Asien erst noch antreten will, wird wohl auf die Reise verzichten müssen."
Eine Rauchwolke, verursacht durch einen iranischen Angriff, ist im Hintergrund zu sehen, während Flugzeuge der Emirates nach der Schließung des Flughafens auf dem Dubai International Airport geparkt sind.Bildrechte: picture alliance/dpa/AP | Altaf QadriNoch eine schlechte Nachricht für Gestrandete
Für die festsitzenden deutschen Urlauber hat der Arbeitsrechtler Silvio Lindemann auch schlechte Nachrichten. "Denn wer im Urlaub festsitzt und nicht zur Arbeit kommt, kriegt kein Geld." MDR SACHSEN erklärt der Jurist die Lage aus Arbeitgeber-Sicht: "Das ist das Wegerisiko. Wenn du im Urlaub festhängst, dann ist das dein Problem. Und wenn du nicht zur Arbeit kommst, kriegst du kein Geld. Das ist leider so." Höhere Gewalt gelte in dem Fall nicht.
Weiterführende Links
- Bundesregierung schickt Flugzeuge für gestrandete UrlauberVideo
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