Wirtschaftsweise Grimm warnt vor Verwerfungen – Reiche versucht zu beruhigen
- Wirtschaftsweise Grimm warnt – Reiche sieht noch kein Problem
- Steigende Preise: Diesel an den Tankstellen jetzt teurer als Benzin
- Auch Erdgas ist jetzt so teuer wie seit drei Jahren nicht mehr.
Europa braucht aus Sicht der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm einen Notfallplan. Man müsse es jetzt vorbereiten, mögliche Marktverwerfungen zu begrenzen und Vertrauen in die Stabilität der Energieversorgung zu sichern.
Im "Handelsblatt" schrieb die Sachverständige der Bundesregierung: "Erfahrungen aus der Corona- und der Energiekrise zeigen, dass koordinierte europäische Beschaffung, strategische Reserven" und zeitweise Instrumente zur Stabilisierung wirken könnten. Das jedoch müsse vorbereitet sein.
Reiche: "Kein Mengenproblem"
Die "Wirtschaftweise" Veronika Grimm warntBildrechte: IMAGO/IPONBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betonte unterdessen, es gebe in Deutschland keine Knappheiten bei Öl und Gas.
Es gebe zwar Preisausschläge wegen des Krieges in Nahost, aber kein Mengenproblem, sagte die CDU-Politikerin. Die Bundesregierung gehe nicht unvorbereitet in die Situation und habe Instrumente, um einzugreifen, aktuell aber keinen Anlass, sie einzusetzen.
So plant die Bundesregierung derzeit auch keine Entlastung für Autofahrer. Angesprochen auf eine mögliche Spritpreisbremse sagte Reiche am Mittwoch auf der Handwerksmesse in München: "Die steht nicht auf der Agenda."
Tankstelle: Diesel jetzt teurer als Benzin
Seit dem Angriff von Israel und den USA auf den Iran am vergangenen Wochenende sind die Preise für Öl und Gas in die Höhe geschossen. In Deutschland spürt man das bisher vor allem bei den höheren Heizöl-Preisen und bei denen für Diesel und Benzin an den Tankstellen.
Der Dieselpreis überschritt am Mittwoch nun die Marke von zwei Euro und übertraf damit erstmals seit langem auch Benzin. Die Seite "Heizoel24" gab den Preis für 100 Liter Heizöl schon am Dienstag zeitweilig mit mehr als 128 Euro an – ein Preissprung um gut 25 Prozent seit Freitag.
Gas so teuer wie seit Jahren nicht mehr
Auch der Gaspreis steigt. Er hat sich seit Freitag nahezu verdoppelt auf die höchsten Werte seit mehr als drei Jahren. Der europäische Future-Vertrag zur Lieferung in einem Monat stieg über 60 Euro je Megawattstunde. Noch am vergangenen Freitag hat er bei etwa 32 Euro gelegen.
Mit steigenden Öl- und Gaspreisen wächst die Inflationsgefahr. Der Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet bei längerer Schließung der Straße von Hormus weiter steigende Preise. Und weil das auch andere Energiepreise und den Transport von Rohstoffen und anderer Produkte verteuere, drohe in Deutschland eine Inflationsrate über drei Prozent.
Aktivierung von Notfallplänen gefordert
Mehr Sorgen als die Bundeswirtschaftsministerin macht sich etwa die CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. Deren wirtschaftspolitischer Ulrich Thomas forderte im MDR eine rasche Aktivierung von Notfallplänen.
Thomas sieht insbesondere die deutsche Chemieindustrie gefährdet: "Mit Blick auf den Iran-Konflikt muss schon kurzfristig mit einem weltweiten Ausfall von 20 Prozent der Öl- und Gaslieferungen gerechnet werden, und dies wird negative Konsequenzen für den Chemiestandort Sachsen-Anhalt und die gesamte Wirtschaft des Landes haben."
Bange Blicke auf die Straße von Hormus
Für höhere Ölpreise sorgt die Furcht vor einer Erdölknappheit durch den neuen Krieg im Nahen Osten. So hat der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt. Durch die Meerenge am Persischen Golf läuft sonst rund ein Fünftel der globalen Öl-Transporte. Viele Reedereien stellten ihrerseits den Schiffsverkehr durch die nur 50 Kilometer breite Passage ein. Für die steigenden Gaspreise ist unter anderem der aktuelle Lieferstopp für Flüssiggas des Golf-Emirats Katar verantwortlich.
dpa, Reuters, AFP, MDR (ksc, kos, ans)
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