Warum immer mehr Jugendliche in Sachsen die Schule schwänzen
- Immer mehr Schüler in Sachsen schwänzen den Unterricht. Der Bildungsminister fordert mehr Strafen und Prävention.
- In der Forschung wird beobachtet, dass viele Schüler für sich keine positiven Perspektiven sehen.
- Der Landesschülerrat und der Lehrerverband fordern strukturelle Verbesserungen.
Ja, es sei ein neuer Höchststand der Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Schulschwänzens – aber es habe in Sachsen auch die Anzahl der Schülerinnen und Schüler insgesamt zugenommen. So versucht der sächsische Bildungsminister Conrad Clemens, die jüngste Meldung, wonach immer mehr Schülerinnen und Schüler der Schule fernbleiben, zu relativieren.
Bildungsminister will mehr Strafen und Prävention
Clemens hat auch schon eine Strategie, die die Zahl der Schulabstinenz wieder senken soll, parat: "Wir wollen die Strafen verschärfen und gleichzeitig mehr in die Prävention investieren, um Schülerinnen und Schüler zu überzeugen, dass ein Schulbesuch, das soziale Miteinander in der Schule ganz entscheidend für die persönliche Entwicklung sind."
Den Fokus auf mehr Prävention findet die bildungspolitische Sprecherin der Grünen in Sachsen Christin Melcher richtig – allerdings gehe der sächsische Bildungsminister mit der Verschärfung der Strafen den zweiten Schritt vor dem ersten: "Ich würde mir als Kultusminister erst einmal einen Überblick über die Ursache verschaffen." Dazu gehöre auch, dass man wissenschaftlich untersuche, was die vielfältigen Ursachen seien.
Forschung: Kinder sind oft ohne positive Zukunft
Dabei gibt es schon Einige, die sich das Schulsystem genauer ansehen. An der Universität Leipzig forscht Susanne Krämer unter anderem zum Wohlbefinden in der Schule.
Dabei fällt ihr auf, dass immer mehr Schüler und Schülerinnen psychische Probleme haben und mehr denn je auf Sinnsuche sind: "Es wird immer wieder benannt, dass Schülerinnen und Schüler nicht wissen, wofür sie eigentlich diesen Inhalt, wofür sie auch diese Ausbildung machen – und Kinder und Jugendliche, die keine positive Zukunft vor Augen haben, denen fällt es natürlich extrem schwer."
Schülerrat: Rechtsextremistische Vorfälle schrecken ab
Auch Lina Zeeh kennt die Sorgen der Schülerinnen und Schüler gut. Als Vorsitzende des sächsischen Schülerrates hört sie immer wieder, dass der Notendruck belastend sei: "Ein weiterer Punkt ist das Problem Rechtsextremismus. "Es gebe viele extremistische Vorfälle, die ein Stück weit dazu beitrügen, dass Schüler nicht mehr gern in die Schule gingen oder sich nicht mehr sicher fühlten.
Zeeh fordert Präventionsmaßnahmen zum Thema Rechtsextremismus, Fortbildungen für Lehrkräfte und Schulleitungen für einen guten Umgang mit extremistischen Vorfällen.
Lehrerverband: Kleinere Klassen für individuelle Betreuung
René Michel vom sächsischen Lehrerverband sieht noch einen weiteren Knackpunkt im System Schule, der begünstigt, dass sich Schülerinnen und Schüler nicht gesehen fühlen und durch das System fallen: "Wir brauchen natürlich den Handlungsspielraum, dass wir kleine Klassen haben, damit wir uns wirklich um die Schülerinnen und Schüler mit ihren Problemlage kümmern können." Wenn man aber große vollgestopfte Klassen mit 28 bis 30 Schülern habe, dann könne man sich nicht individuell um die Schülerinnen und Schüler kümmern.
Klar scheint, nur mit höheren Bußgeldern wird man die Schulabstinenten nicht zurückgewinnen. Es braucht mehr Investition in die Bildung, Personalaufstockungen und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Schule, Jugendhilfe und Eltern, um die Schule für alle Kinder und Jugendlichen wieder zu einem fördernden Lernort zu machen.
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