Männer, übernehmt mehr Verantwortung!
Dass ich als Mann im Vorteil bin, bemerkte ich das erste Mal als Berufsanfänger. Frauen in meinem Umfeld mit ähnlicher Ausbildung und Erfahrung bekamen für vergleichbare Tätigkeiten weniger Geld als ich. Als junger Mann führte ich das auf mein Verhandlungsgeschick zurück. Heute ist mir bewusst, dass Frauen oft benachteiligt werden. Ich finde es unfair, dass es solche Lohnunterschiede noch immer gibt.
Später wurde eine Frau meine Vorgesetzte. Mir fiel auf: Bis dahin waren fast alle Führungskräfte in meinem Leben Männer gewesen – die Professoren während des Studiums, alle Redaktionsleiter bei meinen Ausbildungsstationen, meine ersten Chefs. Ausnahmslos kompetent, empathisch und motivierend habe ich diese Männer nicht in Erinnerung. Aus meiner Sicht hätte es für alle Positionen eine genauso oder sogar besser qualifizierte Frau gegeben. Auch heute noch sind Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert. Das empfinde ich ebenfalls als sehr ungerecht.
Ursachen der Benachteiligung in den Familien
Seitdem ich Vater bin, verstehe ich besser, wo die Ursachen für die Benachteiligungen liegen. Denn Rollenbilder und Aufgabenverteilungen in den Familien haben große Auswirkungen. Unvergesslich ist mir eine Begegnung im Geburtsvorbereitungskurs. Ich fragte in einer Runde die anderen werdenden Väter, ob sie auch einige Zeit mit dem Kind zu Hause verbringen wollen. Ein Mann antwortete sinngemäß, er werde sich schon zwei Wochen frei nehmen, bis dann nach der Geburt zu Hause alles läuft. Mit mehrmonatiger Elternzeit war ich in der Gruppe die absolute Ausnahme.
Für die Teilnahme am Geburtsvorbereitungskurs musste ich bei der Krankenkasse eine Partnergebühr zahlen – als wäre ich gar nicht mitverantwortlich für das Kind. Das ist symbolhaft. Die Betreuung der Kinder – ganz zu schweigen von alten und kranken Menschen – überlässt unsere Gesellschaft größtenteils den Frauen. Wer als Mann Teilzeit arbeiten möchte, um für den Nachwuchs da zu sein, stößt häufig auf Unverständnis. Frauen leisten hingegen die unsichtbare und unbezahlte Care-Arbeit. Sie arbeiten in vielen Fällen unter ihrer Qualifikation, weniger als sie gerne würden und verlieren so die Chancen auf bessere Positionen.
Care-Arbeit fair aufteilen
Als Vater wünsche ich mir, dass sich daran etwas ändert. Wer hier konservative Familienwerte vorschiebt oder auf wirtschaftliche Zwänge hinweist, sucht Ausflüchte. Wir Männer müssen mehr Verantwortung in Partnerschaft und Familie übernehmen, als wir das vielleicht in der eigenen Kindheit vorgelebt bekommen haben. Die Hälfte der Aufgaben im Haushalt und bei der Care-Arbeit sind unser Job. Das muss das Ideal sein, selbst wenn die Erwerbsarbeit aus finanziellen Zwängen heraus ungleich aufgeteilt ist.
Es ist nicht akzeptabel, wenn Männer die Kleidergröße ihrer Kinder nicht kennen oder die Technikbegeisterung an der Waschmaschine endet. Was für ein Geschenk bringt der Nachwuchs zum nächsten Kindergeburtstag mit? Wann sollen die Eltern zu Besuch kommen? Was wird am Wochenende gegessen? Liebe Männer, wenn Ihr Euch darüber mehr Gedanken machen würdet, würde das Eure Partnerinnen gewiss mehr freuen als Blumen und nette Worte zum Frauentag.
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