Dresdner Energie-Experte Hurtado hält Atomkraft für unverzichtbar
- Hurtado sieht "enorme Fortschritte" in der Kernenergie.
- Kleinere SMR-Reaktoren möglich – nötig aber auch erneuerbare Energie
- Von der Leyen leitet jetzt Kurswechsel in der EU ein.
Der Energie-Experte Antonio Hurtado hält auch Atomkraft für unverzichtbar. Der Professor für Wasserstoff- und Kernenergie-Technik an der Technischen Universität in Dresden sagte bei MDR AKTUELL, aus seiner Sicht wichtig seien Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und der künftige Energiebedarf.
Kernenergie gehöre deshalb grundsätzlich "zu einem Mix dazu", sagte Hurtado. Ihm sei "noch keine Energieversorgungsstrategie in Deutschland bekannt für die nächsten 15 bis 20 Jahren, die bezahlbar wäre".
Kritik an Kosten-Debatte und Tabus
Die häufige Kritik an hohen Kosten neuer Atomkraftwerke hält Hurtado für verkürzt. Es mache "wenig Sinn, über Kosten zunächst mal zu sprechen, ohne zu wissen, von welcher Technologie man spricht". In der Kernenergie habe es in den vergangenen Jahren "enorme Fortschritte" gegeben. In Deutschland würden Technologien jedoch oft tabuisiert, wenn sie politisch unerwünscht seien. Deshalb plädiert Hurtado dafür, die Kernenergie zumindest als eine Option weiterzuentwickeln – gemeinsam mit anderen Ländern.
Gleichzeitig räumte Hurtado ein, dass Kernkraft nicht zwingend nötig sei, um die sogenannte Grundlast im Stromsystem zu sichern. "Eine Grundlast kann ich auch anderweitig regenerieren, das muss ja nicht Kernkraft sein", sagt er. Allerdings sehe er derzeit keinen klaren alternativen Weg für Deutschland.
Hoffnung auf kleine modulare Reaktoren
Besondere Chancen sieht Hurtado bei den sogenannten Small Modular Reactors (SMR), also kleineren, modularen Reaktoren. Deutschland sollte sich aus seiner Sicht zumindest an deren Entwicklung beteiligen. Gleichzeitig betont er allerdings, dass auch erneuerbare Energien und Wasserstoff weiter ausgebaut werden müssten.
Von der Leyen sieht "strategischen Fehler"
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am Dienstag die Abkehr von der Atomkraft in Europa als "strategischen Fehler" bezeichnet. Auf einem Atomenergie-Gipfel in Frankreich kündigte sie zudem neue Risiko-Absicherungen der EU für Investitionen in Atomtechnologien an.
Private Geldgeber, die in neue Kernkraftprojekte investieren, sollen künftig mit insgesamt 200 Millionen Euro abgesichert werden. "Die Mittel dafür werden aus unserem Emissionshandel kommen", sagte von der Leyen in Boulogne-Billancourt bei Paris.
Die EU-Kommissionspräsidentin verwies darauf, dass der Anteil der Kernenergie am europäischen Energiemix deutlich gesunken sei. 1990 sei noch etwa ein Drittel des Stroms in Europa aus Atomkraft gekommen, heute seien es nur noch knapp 15 Prozent. "Ich glaube, dass es für Europa ein strategischer Fehler war, einer zuverlässigen, bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom den Rücken zu kehren", sagte von der Leyen.
AFP/MDR (mbe, ksc)
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