Absage der Buchhandlungspreis-Verleihung: Anwälte werfen Weimer Lüge vor
- Die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises auf der Leipziger Buchmesse findet nicht statt.
- Zuvor waren drei Buchhandlungen aufgrund von "verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen" von der Nominiertenliste gestrichen worden.
- Die Anwälte der Buchhandlungen werfen Kulturstaatsminister Weimer vor, sie angelogen zu haben.
Nach Kritik am Ausschluss dreier Buchhandlungen von der Kandidatenliste für den Deutschen Buchhandlungspreis hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nun die Veranstaltung zur Verleihung abgesagt. Ein Sprecher Weimers teilte am Dienstag in Berlin mit, die aktuelle Debatte um den Vorgang drohe den Sinn der Veranstaltung "zunehmend zu überlagern". Eine angemessene Würdigung der Preisträgerinnen und Preisträger scheine "in einem solchen Kontext kaum noch möglich". Die Bekanntgabe der Preise erfolge in anderer Form.
Kulturstaatsminister Weimer in der Kritik
Weimer hatte drei Buchhandlungen, die von der Jury für den Deutschen Buchhandlungspreis vorgesehen waren, nachträglich aus der Liste der Auszuzeichnenden gestrichen. Konkret geht es um die drei Buchhandlungen "The Golden Shop" in Bremen, "Rote Straße" in Göttingen und "Zur schwankenden Weltkugel" in Berlin. Als Grund für deren Streichung von der Nominiertenliste wurden "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" genannt.
Weimers Entscheidung hatte für massive Kritik gesorgt. Im Raum steht, der Ausschluss könnte unter Rückgriff auf ein regierungsinternes Verfahren erfolgt sein, das staatliche Finanzierung mutmaßlich extremistischer Vereinigungen und Veranstaltungen möglichst verhindern soll. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels forderte anschließend von Weimer und der Bundesregierung eine Offenlegung der Gründe. "Die Kunst- und Meinungsfreiheit sind für die Arbeit der Buchhandlungen und unsere gesamte Gesellschaft von größter Bedeutung", erklärte der Börsenverein.
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat mit seiner Entscheidung, drei Buchhandlungen von der Nominiertenliste zu streichen, für Empörung gesorgt.Bildrechte: picture alliance / dts-AgenturÖffentliche Dialogveranstaltung geplant
Nun stößt auch die Absage der Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse auf Kritik. Die hallesche Buchhändlerin Theresa Donner sagte am Dienstag MDR KULTUR: "Der Buchhandlungspreis ist für uns nicht einfach nur eine Subventionsspritze." Vielmehr seien die Auszeichnung und die Preisverleihung "eine Ehrung und eine Anerkennung für die Arbeit, die wir sechs Tage die Woche tun."
Theresa Donner betreibt die Buchhandlung "heiter bis wolkig" in Halle.Bildrechte: privatDiese ganze Situation ist von vorne bis hinten total fatal. ... Man weiß einfach gar nicht mehr, an welcher Stelle man anfangen soll, wie unsäglich die ganze Geschichte ist.
Theresa Donner ist Inhaberin der Buchhandlung "heiter bis wolkig" in Halle. Ihre Buchhandlung bekam 2021 den Deutschen Buchhandlungspreis. Donner war nach der Streichung der drei nominierten Buchhandlungen auch an einem Spendenaufruf für die betroffenen Läden beteiligt.
Buchhandlungs-Anwälte werfen Weimer Lüge vor
Am Mittwoch haben die Anwälte der ausgeschlossenen Buchhandlungen neue Vorwürfen gegen Kulturstaatsminister Weimer erhoben. Die Anwälte Sven Adam und Jasper Prigge sowie die Anwältin Lea Voigt erklärten in einer Mitteilung, Weimer habe die Buchhandlungen "aktiv getäuscht". In einer von Weimer zu verantwortenden E-Mail vom 10. Februar habe es geheißen, die betroffenen Läden seien von der unabhängigen Jury des Preises nicht für eine Auszeichnung ausgewählt worden. Dagegen habe die Jury am 9. März klargestellt, dass sie die drei Buchhandlungen für Preise vorgesehen habe.
In der Mitteilung der Anwälte heißt es dazu, eine "derartige Lüge" sei "feige und eines Bundesbeauftragten für Kultur und Medien nicht würdig". Es entstehe der Eindruck, "dass Weimer und seine Behörde gelogen haben, um sich der öffentlichen Diskussion und der gerichtlichen Kontrolle zu entziehen". Sie reichten eigenen Angaben zufolge Klagen gegen den Ausschluss vom Buchhandlungspreis ein.
Die Verleihung des Preises war für Donnerstag, den 19. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse geplant. In der Mitteilung des Kulturstaatsministers vom Dienstag hieß es, nach der Absage würden die ausgewählten Buchhandlungen Preisgeld und Urkunde stattdessen nun "auf direktem Weg erhalten". Außerdem solle es "zu einem späteren Zeitpunkt" eine Diskussion "im Rahmen einer öffentlichen Dialogveranstaltung über Kunst- und Meinungsfreiheit und die Bedeutung staatlich finanzierter Kunstpreise" geben.
Der Deutsche Buchhandlungspreis für etwa 100 besonders engagierte kleine Buchläden ist mit Preisgeldern von 7.000 bis 25.000 Euro dotiert.
Quellen: AFP, epd, dpa
Redaktionelle Bearbeitung: ngh, hki
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