• Museen sind vielen Gefahren ausgesetzt wie Bränden, Diebstählen, Wasserrohrbrüchen oder Cyberangriffen.
  • In Halberstadt tagen am Montag Vertreter von etwa 35 Museen aus Sachsen-Anhalt, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein.
  • Der Museumsverband ist besonders in Anbetracht der gestiegenen Kriminalitätsrate besorgt.

2004 brannte in Weimar die historische Anna-Amalia-Bibliothek. 2017 wurde aus dem Berliner Bode-Museum eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze gestohlen. Und 2021 gab es einen Cyberangriff auf das Kreismuseum Anhalt-Bitterfeld. Das sind nur wenige Beispiele, die zeigen: Kultureinrichtungen wie Museen sind auf vielen Ebenen angreifbar.

Aus diesem Ausstellungsraum im Berliner Bode-Museum wurde die "Maple Leaf"-Goldmünze gestohlen. Dabei wurden auch Vitrinen und Fußböden beschädigt.Bildrechte: IMAGO / Thomas Lebie

Häufig sind Museen in Altbauten untergebracht, in Fachwerkhäusern, Burgen oder Schlössern. So fürchten sich Experten nicht nur vor dem Handwerker, der bei Schweißarbeiten ein Glutnest hinterlässt, sondern auch vor Wasserschäden, ausgelöst durch alte Leitungen, verstopfte Abwasserrohre und Dachrinnen. Die Museen in Sachsen-Anhalt sind alt. Und dafür möchte man bei der aktuellen Konferenz zur Sicherheit in Museen im Gleimhaus Halberstadt sensibilisieren.

Museums-Mitarbeitende für Notfälle trainieren

Mark Holley arbeitet in der Beratungsstelle Bestandserhaltung Sachsen-Anhalt. Zum einen arbeite man an einer Gefährdungs- und Risikoanalyse in den Museen in Sachsen-Anhalt. "Ein Zweierteam analysiert die Bedingungen in den Häusern und guckt, was man auch sofort mit kleinen Mitteln machen kann und man vielleicht auch langfristig Mittel zum Investieren braucht."

Nach dem Brand der Anna Amalia Bibliotkek in Weimar mussten zahlreiche verkohlte Schriftstücke restauriert werden.Bildrechte: IMAGO / epd

Außerdem soll die Reaktion von Museumspersonal für Notfälle trainiert werden: "Also wie verhalte ich mich, wenn ich zur Arbeit komme und ich merke, da läuft mir das Wasser im Keller entgegen oder es tropft von der Decke. Was mache ich dann? Was sind die ersten Schritte? Was muss ich sofort machen? Wo kann ich das Wasser auch abstellen vielleicht, wenn es ein Wasserrohr ist? Wen brauche ich da alles?"

Gestiegene Kriminalitätsrate beschäftigt Museen in Sachsen-Anhalt

Den Vorsitzenden des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt, Ulf Träger, treibt vor allem die gestiegene Kriminalitätsrate um. Es gäbe momentan europaweit verschiedenste Gefährdungen. "Das geht bis dahin, dass wir von geheimdienstähnlichen Strukturen, von Banden ausgehen müssen, die in ganz Europa nach speziellen mittelalterlichen chinesischen Keramiken suchen", sagte er MDR KULTUR.

Der Remmo-Clan stand für den Diebstahl der Maple-Leaf-Goldmünze aus dem Bodemuseum vor Gericht. Die Gruppe steckte auch hinter dem spektakulären Juwelen-Raub aus dem Grünen Gewölbe in Dresden.Bildrechte: IMAGO / Berlinfoto

"Und viele Menschen, die im Museum arbeiten und bewahren wollen, die haben Angst, wertvolle Originale zu zeigen, weil die Sicherheitsbedingungen sind nicht so, wie wir uns das vorstellen." Deshalb brauche man Rat und Weiterbildung: "dass wir einfach mit offenen Augen uns dieser Problematik stellen, dass wir nicht mehr unantastbar sind".

Gleimhaus Halberstadt als Positivbeispiel beim Thema Sicherheit

Als positives Beispiel nennt Mark Holley die Stadt Halberstadt, die das Gleimhaus, das städtische Museum und den Dom mit seinen Schätzen in enger Zusammenarbeit mit der Polizei und der Feuerwehr bewacht. Details werden hier nicht genannt. Auch wer zu der Sicherheitskonferenz nach Halberstadt kommt, bleibt aus Sicherheitsgründen geheim.

Im Gleimhaus Halberstadt tagen am Montag Vertreterinnen und Vertreter von etwa 35 Museen aus Sachsen-Anhalt zur Sicherheit in Museen.Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Hacker-Angriffe bedrohen Museen

Noch ein wichtiges Thema wird bei der Konferenz besprochen: die Cyberkriminalität. Immer öfter knacken Hacker Datenbanken und zerstören digital erfasste Museumsbestände, sagt Mark Holley. "Und wenn diese Daten durch Cyberkriminalität einmal abgegriffen werden und weg sind, ist es natürlich auch ein großer finanzieller Verlust, aber auch viele Arbeitsstunden, die da reingeflossen sind." Dann kämen Partner, wie das Landeskriminalamt ins Spiel. "Was uns auch berät, was die Museen unterstützt zum Beispiel, was auch die Kommunen berät, in denen diese Museen stehen, damit sowas erst gar nicht passiert."

Das Kreismuseum Bitterfeld war 2021 von einem Cyberangriff betroffen.Bildrechte: IMAGO / Sabine Gudath

Denn: Ist der Schaden erst einmal entstanden – egal ob durch Wasser, Feuer, Diebe oder Hacker – stehen vor allem kleine Museen vor existenziellen Problemen oder gar dem Aus. Um das zu verhindern, setzen viele Kultureinrichtungen immer mehr auf Prävention – in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus.

Quellen: MDR KULTUR (Anne Sailer)
redaktionelle Bearbeitung: sg

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