• Tschechiens Finanzministerin kündigt Kontrolle von Tankstellenbetreibern an
  • Ökonomen sehen vor allem Konkurrenz als Preisbremse in Tschechien
  • Zoll erlaubt Einfuhr von zusätzlich 20 Liter im Kanister

Simone aus Sachsen wirkt zufrieden, während sie ihr Auto und den Kanister an einer Tankstelle kurz hinter der Grenze in Petrovice volltankt. Von einem echten Schnäppchen kann zwar auch hier keine Rede mehr sein. Im Durchschnitt kostet der Liter Diesel in Tschechien derzeit rund 1,72 Euro. Doch wer aus Deutschland kommt, spart trotzdem spürbar – etwa 42 Cent pro Liter. "Man ist ja froh, dass es noch den billigen Sprit in Tschechien gibt", sagt sie: "Letztes Mal war ein Arbeitskollege hier, da war der Sprit sogar alle."

Finanzministerin verspricht Preiskontrollen

An diesem Wochenende gibt es hier genug für alle Tanks und Reservekanister. Dabei sind auch in Tschechien die Spritpreise seit Beginn des Krieges im Nahen Osten gestiegen. Doch der Anstieg fiel deutlich moderater aus als in Deutschland.

Und die tschechische Finanzministerin Alena Schillerová kündigte an, den Tankstellenbetreibern ganz genau auf die Finger sehen zu wollen: "Wir werden täglich den Zusammenhang zwischen der Preisgestaltung und der Entwicklung an der Börse untersuchen – einschließlich der Daten der Finanzverwaltung über die gesamte Vertriebskette."

Tschechische Wirtschaft verweist auf Wettbewerb

Für den Chef des tschechischen Mineralölverbandes ČAPPO, Václav Loula, liegt der wichtigste Grund für die moderat gestiegenen Preise im deutlich stärkeren Wettbewerb: "In Tschechien ist die Konkurrenz zwischen den Tankstellen wesentlich größer. Es gibt bei uns etwa 7.500 Tankstellen oder Ausgabestellen – also alle sieben bis acht Kilometer findet man eine Möglichkeit zu tanken." Viele dieser Stationen sind zudem sogenannte freie Tankstellen und gehören nicht zu den großen internationalen Ölkonzernen.

Auch der tschechische Ökonom Lukáš Kovanda sieht im Wettbewerb den entscheidenden Unterschied – neben den höheren Steuern auf Kraftstoffe in Deutschland: "In gewissem Sinne ist der gesamte deutsche Markt einfach gieriger, weil es dort weniger Wettbewerb gibt. Dadurch haben die Betreiber mehr Möglichkeiten, ihre Margen zu erhöhen."

Eine Erklärung, die viele Autofahrer im Grenzgebiet teilen. Sie sehen nicht nur die Mineralölkonzerne, sondern auch den Staat als Preistreiber. So erzählt Franz: "Den kleinen Mann wieder abzocken – was anderes ist das nicht. Ringsherum um Deutschland ist der Sprit so preiswert, und in Deutschland nicht. Was sagt uns das? Steuern, Abgaben."

Zoll erlaubt 20 Liter im Kanister – In Tschechien selbst sind nur 10 Liter zulässig

Für viele Menschen im Grenzgebiet ist die Lösung deshalb einfach: Tanken beim Nachbarn – so viel wie möglich. Ganz unbegrenzt ist das allerdings nicht. Der deutsche Zoll erlaubt die Einfuhr von zusätzlichen 20 Litern im Kanister. Dieser muss mit derselben Kraftstoffsorte befüllt sein wie das Fahrzeug und darf nicht älter als fünf Jahre sein. Allerdings ist in Tschechien wie auch in Polen nur die Mitnahme von zusätzlich zehn Litern im Kanister im Auto erlaubt.

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