Digitale sexuelle Gewalt nimmt zu und das Gesetz hinkt hinterher
- Digitale sexualisierte Gewalt nimmt immer weiter zu.
- Die Rechtslage in Deutschland bietet kaum Schutz für digitale sexualisierte Gewalt.
- Expertinnen fordern einen eigenen Straftatbestand für digitale Gewalt, um Strafbarkeitslücken zu schließen.
Ein Radfahrer filmt eine Joggerin von hinten. Ein Urlaubsfoto wird per KI zum Porno. Eine Streamerin erhält Kommentare mit Vergewaltigungsfantasien. Drei prominente Beispiele für digitale sexuelle Gewalt, die sich in der jüngeren Vergangenheit so ereignet haben.
Die Fallzahlen steigen, beobachtet Mandy Erdmann vom Verein Wildwasser in Chemnitz. Sie sagt, sie habe häufiger Opfer in ihrer Beratungsstelle und schätzt, dass etwa ein Viertel aller Beratungen davon betroffen sei. "Natürlich nimmt das zu."
Die Sozialpädagogin berät nicht nur erwachsene Frauen. Mandy Erdmann geht auch in Schulklassen zu Präventionsgesprächen. Gerade unter Jugendlichen sei die Hemmschwelle, zum Beispiel Deepfake-Pornos zu erstellen und zu verbreiten, oft erschreckend niedrig, sagt Erdmann. Sie sei in den vergangenen Wochen in siebten und achten Klassen gewesen: "Und da spielt das Thema eine Rolle."
Hohe Dunkelziffer von Betroffenen
Egal, ob bei Erwachsenen oder Jugendlichen, das Problem wird größer. Diesen Eindruck hat auch Josephine Ballon, die Chefin der bundesweiten Opferberatung HateAid. Doch aussagekräftige Zahlen gebe es nicht. Es mangele an Studien und polizeilichen Statistiken.
Josephine Ballon geht daher von einer enormen Dunkelziffer von Betroffenen aus, denn das Thema sei extrem schambehaftet: "Die meisten Betroffenen trauen sich nicht, sich an Hilfsangebote zu wenden, weil es bedeutet, sich immer wieder ansehen zu müssen, was dort verbreitet wird, und mit anderen besprechen zu müssen."
Und dennoch rät Josephine Ballon betroffenen Frauen, sich möglichst sehr schnell zu kümmern oder sich an eine Beratung zu wenden: "Denn je länger man wartet, desto weiter verbreiten sich die Bilder und desto schwieriger wird es, sie wieder entfernt zu bekommen."
Die Rechtslage in Deutschland sei auf digitale sexuelle Gewalt nicht vorbereitet, sagt Josephine Ballon. Zwar gebe es das Recht am eigenen Bild, doch das sei nicht speziell auf sexualisierte Gewalt zugeschnitten. Die Folge: Solche Taten werden oft kaum strafverfolgt.
Digitale sexuelle Gewalt soll Straftatbestand werden
Expertinnen fordern deshalb dringend einen eigenen Straftatbestand, so wie zum Beispiel in Spanien. Die SPD wäre dabei, sagt Sonja Eichwede, die stellvertretende Fraktionschefin der SPD im Bundestag: "In Deutschland muss sich einiges ändern. Spanien ist hier ein gutes Vorbild. Es ist unglaublich wichtig, dass wir schärfer, klarer gegen digitale Gewalt vorgehen und dass wir Strafbarkeitslücken schließen."
Das betreffe die Herstellung und Weiterverbreitung von Deepfakes, digitalen Voyeurismus und weitere Aspekte. "Hier müssen wir handeln", sagt Eichwede.
Sonja Eichwede plädiert auch für mehr Bildung und Aufklärung, vor allem Jugendlicher, und erneut für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 14. Zunächst jedoch soll eine Gesetzesänderung erfolgen, die Strafbarkeitslücken schließe. Im Koalitionsvertrag sei das bereits auf den Weg gebracht.
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