Warum hohe Preise für Hotelzimmer rechtlich kein Wucher sind
- Wenn keine Zwangs- oder Notlage ausgenutzt wird, ist der Tatbestand des Wuchers in der Regel nicht erfüllt.
- Da Hotelpreise auch durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, steigen sie etwa bei Großveranstaltungen meist deutlich an.
- Wer früh und direkt beim Hotel bucht oder bei den Reisedaten flexibel ist, kann oft Geld sparen.
Wer will nicht mal in der Präsidentensuite übernachten? In einem Luxushotel. Auf der Webseite des Leipziger Steigenberger Hotels steht es schwarz auf weiß: Eine Nacht im teuersten Zimmer kostet 3.825 Euro. Dafür residiert man auf 220 Quadratmetern über zwei Etagen – man bekommt also durchaus etwas geboten. Aber ist es das wert? Ist das vielleicht sogar Wucher?
Ausnutzen einer Notlage entscheidend
Beate Saupe von der Verbraucherzentrale Sachsen sagt klar: Nein. "Natürlich ist ein Fünf-Sterne-Hotel teurer als ein Vier- oder Drei-Sterne-Hotel. Ein größeres Zimmer ist teurer als ein kleineres Zimmer. Also man muss dann Gleiches mit Gleichem vergleichen. Das dürfen die Hotels selbst festlegen."
Wucher wäre es gemäß Strafgesetzbuch erst, wenn eine Zwangs- oder Notlage ausgenutzt wird. Doch der Preis für eine Nacht in der Präsidentensuite dürfte eine Millionärin wohl kaum in eine Notlage stürzen. Und alle anderen, die nicht so viel Geld haben, müssen sich dann wohl oder übel mit einfacheren Zimmern begnügen.
Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis
Die Preise entstehen ganz einfach, sagt Verbraucherschützerin Beate Saupe, durch Angebot und Nachfrage. Michael Schmidt, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (kurz: Dehoga) in Sachsen-Anhalt, stimmt zu – der Markt regelt die Preise. "Ich glaube, dass man nicht jeden Preis aufrufen kann, weil natürlich auch die Qualität und das, was das Haus verkörpert, ein Limit haben. Deswegen sehe ich auch, dass ein Drei-Sterne-Hotel ein Zimmer nicht für 1.000 Euro pro Nacht verkaufen kann."
Das heißt aber auch, wenn die Nachfrage steigt, gehen die Preise manchmal durch die Decke. Zur Leipziger Buchmesse vervierfachten sich die Zimmerpreise. Und auch zum Finale der Conference League Ende Mai ist mit einer Verdopplung zu rechnen.
Buchungsportale treiben Preise nicht in die Höhe
Wer sparen will, sollte laut Saupe strategisch vorgehen. "Grundsätzlich empfiehlt es sich, so früh wie möglich zu buchen, da dann die Preise noch günstiger sind, weil eben die Nachfrage noch nicht so hoch ist." Sofern man flexibel ist, könne man auch ausprobieren, ob Zimmer an bestimmten Wochentagen günstiger zu haben sind. Außerdem lohne es sich oft, direkt beim Hotel zu buchen, statt auf einem der großen Portale, erklärt Saupe. Da die Hotels so die Vermittlungsprovision sparen, können sie Zimmer preiswerter anbieten.
Umgekehrt hätten die Buchungsportale aber keine Handhabe, die Preise künstlich nach oben zu treiben, erklärt Michael Schmidt vom Dehoga Sachsen-Anhalt. "Grundsätzlich ist es so, dass die Portale Booking, Trivago, Expedia keinen Einfluss auf die Preisgestaltung des Hotels haben. Die können den Preis in ihrer Marge selbst stützen, aber sie können ihn nicht hochsetzen."
Übrigens: Die steigenden Energiekosten haben in den letzten Jahren auch den Hotels zugesetzt. Eine Umfrage unter Hoteliers zeigte daher vor wenigen Monaten: Jedes zweite Hotel hat seit 2022 seine Zimmerpreise um mehr als zehn Prozent erhöht. Drei von vier Hotels planen weitere Preissteigerungen.
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