Internationales Theater-Festival holt die ganze Welt auf Chemnitzer Bühnen
- Neun Kuratorinnen und Kuratoren aus aller Welt haben 33 Stücke für das Festival ausgewählt.
- Thematisch handeln die Stücke zum Beispiel von Identität, Herkunft, Machtverhältnissen oder Sichtbarkeit.
- "Theater der Welt" soll den Kulturhauptstadt-Gedanken in Chemnitz weiterleben lassen.
Die Programmpräsentation für das Festival "Theater der Welt" fand am Donnerstag im Spinnbau statt – in etwa drei Monaten wird sich dieser Ort in das Herz des Festivals verwandeln. Stefan Schmidtke, bis vor kurzem noch Programmchef der Kulturhauptstadt, bildet gemeinsam mit dem Generalintendanten der Theater Chemnitz, Christoph Dittrich und Inge Ceustermans von der Festival Academy Brüssel das Intendantenteam.
Allerdings haben nicht sie die Stücke ausgewählt, sondern neun internationale Kuratorinnen und Kuratoren. Sie vertreten alle Kontinente dieser Welt und haben mit ihren unterschiedlichen Perspektiven Vorschläge eingebracht, welche Produktionen und Companies unbedingt beim Festival gezeigt werden sollten. Herausgekommen sind 33 Stücke von allen Kontinenten.
Das internationale Kuratorinnen- und Kuratoren-Team von "Theater der Welt" 2026 in Chemnitz.Bildrechte: Nasser HashemiDas Programm lebe von Kontrapunkten, erzählt Stefan Schmidtke. Es habe lange gebraucht, bis sich alle einig und einverstanden gewesen seien, dass Stücke dabei seien, die man selbst geschmacklich nicht gut finde, die aber eine eigenständige ästhetische Qualität besäßen. Das sei eine neue Form des Kuratierens.
Stücke über Identität, Herkunft und indigene Perspektiven
Thematisch handeln die Stücke zum Beispiel von Identität, Herkunft, Machtverhältnissen oder Sichtbarkeit. Die Vielfalt der Festival-Beiträge liegt auch an den sehr unterschiedlichen kulturellen und politischen Bedingungen in der Welt, unter denen sie entstanden sind. Auffällig ist, dass immer wieder indigene Perspektiven in Chemnitz auf die Bühne kommen werden.
"Split Tooth: Saputjiji" von der kanadischen Künstlerin Tanya Tagaq ist eine eindringliche Verbindung aus Musik, Literatur und Performance über indigene Identität und Selbstermächtigung.Bildrechte: Jan GatesIn der norwegisch-russischen Produktion "Tirvv. Divided" wachen Sami, also Angehörige des indigenen Volkes in Nord-Skandinavien, über Nacht in einem anderen Land auf, weil sich aufgrund von Krieg Landesgrenzen verschoben haben. Wie sich der Bau einer Eisenbahnlinie auf Land und Kultur der Ainu im Norden Japans ausgewirkt hat, macht die Performance "Kuste" deutlich.
"Split Tooth: Saputjiji" von der kanadischen Künstlerin Tanya Tagaq ist eine Verbindung aus Musik, Literatur und Performance. Das Stück spielt in der Arktis und setzt sich mit indigener Identität und Selbstermächtigung auseinander.
Großes Thema Gerechtigkeit und Pop-Oper aus Südafrika
Insgesamt gehe es im Programm um menschliche Gerechtigkeit, betont Intendant Christoph Dittrich, um die Frage: Wer darf sprechen und wie hört man ihm zu? Gespannt ist er auf die Pop-Oper "Nkoli: A Fierce & Fabulous Life" über das Leben von Simon Tseko Nkoli (1957–1998), ein südafrikanischer Anti-Apartheid-, Schwulen- und Aids-Aktivist, der sich für Gleichberechtigung einsetzte.
Das Werk verbindet Protestlieder und Club-Sounds mit Voguing – einem Tanzstil, der in den 60er-Jahren in der New Yorker LGBTQ-Community entstand und von Laufsteg-Posen inspiriert ist – und Ballroom Culture zu einer mitreißenden Show. "Wir spüren bereits jetzt eine große Nachfrage nach diesem Werk", so Dittrich: bei der jungen Generation, bei den Pop-Interessierten sowie den Klassik-Interessierten.
Die Pop-Oper "Nkoli: A Fierce & Fabulous Life" verbindet Protestlieder und Club-Sounds mit Voguing und Ballroom Culture zu einer mitreißenden Show.Bildrechte: Mark LewisKulturhauptstadt Chemnitz bleibt lebendig
Beide Intendanten betonen, dass dieses Festival, parallel zur Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 auf die Beine gestellt, den Kulturhauptstadtgedanken weitertrage. Es sei der Sinn von Kulturhauptstadt, dass sich kulturelles Interesse, Bewegung und Wirkung in der Stadt fortsetzten: "Hier war auch Mut nötig, doch gerade dieser Drive der Kulturhauptstadt ist es, worauf wir bauen."
Bei der Installation "Paper Planet" des australischen Polyglot-Theatre wirkt das Publikum aktiv mit und und erschafft eine begehbare Welt.Bildrechte: Jacinta KeefeMehr Informationen zum Festival
Festival "Theater der Welt"
Vom 18. Juni bis 5. Juli 2026
Bis zum Start von "Theater der Welt" laden die Festival-Intendanten Christoph Dittrich und Stefan Schmidtke an jedem letzten Dienstag des Monats zu einem Gespräch in die Hartmannfabrik ein. In einer Talk-Reihe sprechen sie mit verschiedenen Gästen über die Vorbereitungen und stellen am Dienstag, den 31. März, 18 Uhr, das gesamte Programm vor.
Quelle: MDR KULTUR (Grit Krause), Theater der Welt
Redaktionelle Bearbeitung: jb
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