• Die Feiern zum 100. Jubiläum des Bauhaus Dessau erreichen am Wochenende ihren Höhepunkt.
  • Dann werden die zwei Hauptausstellungen des Jubiläumsjahres eröffnet.
  • Sie sind Teil eines umfangreichen Veranstaltungsprogramms.

Vor 100 Jahren ist das Bauhaus von Weimar nach Dessau gezogen. Das Fest zum Jubiläum erreicht am Wochenende mit der Eröffnung zweier großer Ausstellungen seinen Höhepunkt. Im historischen Werkstattflügel widmet sich die Schau "Glas | Beton | Metall" den prägenden Materialien des Bauhauses. Unter dem Motto "Algen | Schutt | CO₂" wird im ehemaligen Kaufhaus Zeeck parallel dazu der Blick nach vorn, auf Wege des nachhaltigen Bauens gerichtet.

Im historischen Bauhausgebäude in Dessau befindet sich eine der großen Jubiläumsausstellungen. Bildrechte: Meyer, Thomas, 2019 / OSTKREUZ

Glas, Beton und Metall als Baustoffe der Moderne

In der aufstrebenden Industriestadt Dessau erlebte die Hochschule für Gestaltung ihre erfolgreichste und produktivste Zeit. Vor Ort trafen die Bauhäusler etwa auf die Junkers-Werke, wie der Kurator der Schau "Glas | Beton | Metall", Torsten Blume, im Gespräch mit MDR KULTUR erläutert.

Zu sehen, was sich beispielsweise alles aus dem neuen Material Stahl machen ließ, beeinflusste Blume zufolge das künstlerische Tun am Bauhaus erheblich: "Es ging nicht nur darum, damit Häuser zu bauen, sondern sie auch im Inneren damit auszustatten." Blume verweist auf die bis heute ikonischen Bauhaus-Lampen und freischwingenden Stahlrohrstühle: "Man ist begeistert davon, dass man sich am Ende sogar als Stahlstuhlmenschen bezeichnet." 

Metall, etwa bei diesem Stahlrohrhocker, war ein beliebtes Material am Bauhaus Dessau. Bildrechte: Stiftung Bauhaus Dessau

Die Materialien Glas, Beton und Metall wurden für das Bauhaus regelrecht zu Identitätsstiftern, zu den Baustoffen der Moderne. Das zeigt die Schau auf drei Etagen am authentischen Ort im historischen Werkstattflügel. Gerade die Verbindung von Stahl und Beton wurde zum Inbegriff des Neuen Bauens.

Bautradition in der DDR fortgesetzt

Daran wurde zu DDR-Zeiten angeknüpft, wie die sogenannten Rapid-Träger genauso wie die sehr raffiniert erdachten Betonbausteine mit großem Loch in der Mitte zeigen. "Ein solcher Stein ersetzt zwölf Ziegelsteine," erläutert die Kuratorin und Leiterin der Bauabteilung der Bauhaus-Stiftung, Dorothea Roos: "Das spart Zeit und Arbeitskraft."

In der Dessauer Bauhaus-Siedlung Törten habe man diese Steine vor Ort auch produziert: erst kleinere, dann immer größere und später sogar erste Platten. So habe das System-Bauen mit Platten oder Tafeln nach dem Zweiten Weltkrieg nochmal an Fahrt aufgenommen.

In der Bauhaus-Siedlung in Dessau-Törten wurden einst Betonbausteine hergestellt. Bildrechte: IMAGO / Arcaid Images

Material Glas im Wandel der Zeit

Das historische Bauhausgebäude ist eher gekennzeichnet durch die weiten Glasfassaden – ebenfalls ein Material, das in den 1920er-Jahren im Alltag, der Wissenschaft und Architektur eine große Rolle spielte, sagt Regine Bittner von der Akademie der Stiftung Bauhaus Dessau: "Glas war so eine Art Symbol auch für eine andere Form von Alltagsverhalten im Sinne von klinisch, hygienisch, kontrollierbar, aber auch mit Hoffnungen verbunden, dass darüber eine Erleichterung des Alltags und des Haushaltes stattfindet."

Wunderbar sichtbar gemacht wird dies in der Ausstellung in der gläsernen Küche. Dort sieht man das Teegeschirr von Wilhelm Wagenfeld, die Sintrax-Kaffeemaschine oder das Durax-Backgeschirr aus Jenaer Glas. Fast alles wurde zu DDR-Zeiten weiter produziert und erfährt gerade eine Renaissance.

Die Ausstellung widmet sich auch der "gläsernen Küche" – zu der die Sintrax-Kaffeemaschine gehört.Bildrechte: Stiftung Bauhaus Dessau (I 7203/1-4 GL) / © (Gerhard Marcks) VG Bild-Kunst, Bonn [Jahr] / Foto: Gunter Binsack, 2018

Allerdings rückt hier auch die dunkle Seite des Materials in den Vordergrund, sagt Bittner: "Wenn wir heute über Glas nachdenken, dann müssen wir über den unendlich vielen Sand nachdenken, der in diesem Material verschmolzen wird, und wo die gesamten Ressourcen herkommen. Das heißt, das, was damals mit dieser Idee von Leichtigkeit verbunden ist, stellt sich im Grunde als eine sehr schwere Praxis heraus."  

Wenn wir heute über Glas nachdenken, dann müssen wir über den unendlich vielen Sand nachdenken, der in diesem Material verschmolzen wird.

Regine BittnerAkademie der Stiftung Bauhaus Dessau

Nachhaltiges Bauen im ehemaligen Kaufhaus Zeeck

Genau diese Problematik wird denn auch in der parallel gezeigten Schau "Algen | Schutt | CO₂" im ehemaligen Kaufhaus Zeeck weiter gesponnen – ein Gebäude im Transformationszustand, sagt Bauhauschefin Barbara Steiner, bewusst gewählt, um darüber zu sprechen, wie wir künftig bauen und gestalten wollen.

Barbara Steiner ist seit 2021 Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau. Bildrechte: Meyer, Thomas, 2021 / OSTKREUZ

Wir zeigen vieles, was es schon gibt und manches, was es geben könnte.

Barbara SteinerDirektorin Bauhaus Dessau

Dabei gehe es darum, beispielhaft an dem Gebäude "durchzuspielen, wo wir jetzt stehen und welche Möglichkeiten es gibt, wenn wir tatsächlich Bestand ernster nehmen, also Ressourcen, die es schon gibt, ernster nehmen – diese vielen menschlichen Hinterlassenschaften, die tatsächlich auch durchaus wieder eingesetzt werden können."

Dementsprechend gibt es im Kaufhaus Zeeck kein museales Ambiente mit weißen Wänden oder Vitrinen, sondern eine Ausstellung auf einer Art Baustelle: An Lamellenwänden, die einst die Fassade abgedeckt haben, gibt es Fotos und Texte zu nachhaltigen Herstellungsverfahren. So wurde ein Stück vom originalen Fußbodenbelag mit ausgeklügelter Technik repariert und eine Wand aus Lehmbausteinen eingezogen.

"Wir zeigen vieles, was es schon gibt", erklärt Bauhaus-Direktorin Steiner die Idee dahinter, "und manches, was es geben könnte, das aber nicht einfach nur als eine bloße Spekulation, sondern als 'es wäre möglich'." Das gelte für alle Projekte, die allesamt sehr anwendungsbezogen seien.

Die Ausstellung im ehemaligen Kaufhaus Zeeck gleicht einer Baustelle. Bildrechte: Stiftung Bauhaus Dessau/Martin Grabner

So auch das nachhaltige Klo ohne Wasserspülung, bei dem die Exkremente zu Dünger verarbeitet werden, was von den Besuchern gern ausprobiert werden kann. Denn darum geht es: mit eigenen Augen zu sehen, was möglich ist oder zumindest möglich wäre, wenn man sich traut, visionär zu denken – wie einst das neue Bauhaus.

Weiterführende Informationen:

"Glas | Beton | Metall"
Ausstellung im Bauhausgebäude
Gropiusallee 38 | 06846 Dessau-Roßlau

28.3.2026–10.1.2027

Öffnungszeiten:
Mo bis So, 10–17 Uhr (März–Oktober)
Di bis So, 10–17 Uhr (November–Februar)


"Algen | Schutt | CO2"
Ausstellung im ehemaligen Kaufhaus Zeeck
Kavalierstraße 72 | 06844 Dessau-Roßlau
(Zugang über Restaurant LOU)

28.3.–27.9.2026


Im Rahmen des Jubiläumsprogramms des Bauhauses werden in Dessau zudem zwei Freiluftpräsentationen gezeigt. Sie widmen sich jeweils der Geschichte des Stahlhauses und der Junkers-Lamellenhalle am Leopoldshafen. Rund um das historische Arbeitsamt von Dessau rückt zudem ein Programm aus Installationen, Performances und Experimenten den Werkstoff Backstein in den Mittelpunkt.

Mehr Informationen zu den Ausstellungen auf der Website der Stiftung Bauhaus Dessau

Redaktionelle Bearbeitung: ks, tmk, lig

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