• Die Gemälde des Dresdner Impressionisten Otto Altenkirch zeigen alltägliche Situationen wie Naturmotive und Landleben.
  • Eine Ausstellung in Dresden versammelt rund 55 Gemälde und Arbeiten auf Papier von 1899 bis 1944.
  • Damit will man an Altenkirch und sein künstlerisches Schaffen erinnern.

Golden leuchten die Blätter eines herbstlich gefärbten Baumes im letzten Sonnenstrahl. Otto Altenkirch hat dessen Krone mit dynamischem Pinselstrich und pastosen Farben regelrecht kühn modelliert. Auch der Vordergrund ist mit schnellen, sicheren Strichen gestaltet. Erst bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass das stimmungsvolle Gemälde in seinem prachtvollen Goldrahmen einen Hühnerhof zeigt – Misthaufen und schlammige Pfützen inklusive.

Das Gemälde "Wirtschaftshof Hellerschänke" von 1929 zeigt detailliert das ländliche Leben.Bildrechte: Städtische Galerie Dresden – Kunstsammlung, Franz Zadnicek

Der Impressionismus verwandelt profane Motive in hoch ästhetische Kunst. Als das Gemälde 1934 in Dresden gezeigt wurde, war die Strömung auch beim bürgerlichen Publikum etabliert. Einen Skandal, wie ihn die französischen Kollegen Altenkirchs Ende des 19. Jahrhunderts noch mit ihren Bildern auslösten, gab es in Dresden schon lange nicht mehr.

Im Gegenteil: Das Bild wurde damals angekauft und gehört zur Städtischen Sammlung, erzählt der Kustos der Städtischen Galerie Dresden, Johannes Schmidt: "Man kann davon ausgehen, wenn ein öffentliches Museum den Künstler erwirbt, dann ist er in gewisser Weise, zumindest in seiner Heimatstadt und Wirkungsstätte, als angekommen zu betrachten."

Wenn ein öffentliches Museum den Künstler erwirbt, dann ist er in seiner Heimatstadt und Wirkungsstätte als angekommen zu betrachten.

Johannes SchmidtWissenschaftlicher Mitarbeiter Städtische Galerie Dresden

Otto Altenkirch nahm seine Malsachen direkt mit an jene Orte, die er auf seinen Gemälden verewigte.Bildrechte: Archiv F. Petrasch

Ausstellung mit 55 Gemälden von Altenkirch

An dieser Wirkungsstätte wird das Bild nun wieder gezeigt. Die Ausstellung "Otto Altenkirch. Landschaft – Alla Prima" versammelt rund 55 Gemälde sowie Arbeiten auf Papier aus der Zeit von 1899 bis 1944. Altenkirch wurde 1875 im brandenburgischen Ziesar geboren und wechselte um die Jahrhundertwende vom Studium in Berlin nach Dresden.

Zunächst war er leitender Theatermaler am Königlich-Sächsischen Hoftheater, wo er für die Opern Richard Wagners äußerst eigenständige Bühnenbilder entwarf. Später arbeitete er ausschließlich als freischaffender Maler.

Gemälde zeigen Landschaften mit Spuren menschlicher Zivilisation

Immer wieder zog es Altenkirch mit Ölfarben und Staffelei in die Natur. Er arbeitete im unmittelbaren Eindruck der Landschaft. Allerdings zeigte er nicht die hohen Berge oder die tiefen Täler, wie etwa der Künstler Ludwig Richter, präzisiert Johannes Schmidt. Altenkirch habe stattdessen die alltägliche Landschaft aus der Stadtumgebung ins Bild gesetzt.

Auch aus pragmatischen Gründen: "Wenn man Alla Prima und Plein Air malen möchte, also diese Leinwände tatsächlich vor Ort schleppen muss, dann muss man das auch logistisch organisieren", sagt Schmidt, während er auf ein großformatiges Gemälde an der Ausstellungswand weist: "Sowas lässt sich ja nicht irgendwo auf dem Rücken auf den Berggipfel tragen."

Natur um Dresden: Die Kleine Elster malte Altenkirch 1927.Bildrechte: Privatbesitz Dresden, F. Petrasch

Immer sind es Landschaften, in denen der Mensch Spuren hinterlassen hat. Etwa die karge Heidelandschaft im Dresdner Norden, die Flussläufe von Elster und Freiberger Mulde in Ziesar und Siebenlehn. "Da ist schon mal hier und da eine Straße, Brücken, Mühlen", zählt Johannes Schmidt auf.

"In Ziesar ging es ihm eher um die Dörfer, wie die in der flachen Landschaft stehen. Hoher Himmel – solche Eindrücke waren ihm wichtig. Und eben vor allen Dingen die Veränderung darin", so Schmidt. Das wechselnde Wetter, die Jahreszeiten, verschiedene Lichtstimmungen oder Wolkenformationen spielen auf den Gemälden Otto Altenkirchs deshalb die eigentliche Hauptrolle.

Blick in die Ausstellung "Otto Altenkirch. Landschaft – Alla Prima"Bildrechte: Philipp WL Günther

Städtische Galerie möchte Altenkirch Platz in Kunstgeschichte zurückgeben

Alla prima, das heißt, statt wie die Maler vorangegangener Epochen in dünnen Schichten übereinander, brachte er seine Farben direkt aus der Tube oder von der Palette auf den Malgrund. Altenkirch nahm statt eines Pinsels auch gleich mal einen Spachtel oder kratzte mit dem Pinselstiel in die feuchte Farbe. Seine Landschaften haben dadurch etwas Frisches, Zeitloses, und in seinen besten Werken kann er durchaus neben Max Liebermann oder Robert Sterl bestehen.

Mit der Ausstellung möchte die Städtische Galerie das künstlerische Können von Otto Altenkirch wieder stärker ins Bewusstsein rücken. "Der Direktor der Berlinischen Galerie hat mal gesagt, jemanden wieder in die Überlieferung zu bringen ist, wie rückwärts in die Einbahnstraße einparken: ein schwieriges Unterfangen", kommentiert der Direktor der Städtischen Galerie, Gispert Porstmann, das Bestreben der Galerie.

Im Dresdner Umland stellte Altenkirch das Landleben dar, wie hier im Gemälde "Sommertag im alten Hellergut" von 1926.Bildrechte: Städtische Galerie Dresden – Kunstsammlung, Franz Zadnicek

Wir wollen Altenkirch an den Platz in der Kunstgeschichte bringen, den er sich verdient hat.

Gispert PorstmannDirektor der Städtischen Galerie Dresden

Dennoch: Man wolle Altenkirch an den Platz in der Kunstgeschichte bringen, den er sich verdient habe, erklärt Porstmann. Altenkirch blieb seinem Stil und seinen Motiven bis an sein Lebensende treu. Weder der Erste noch der Zweite Weltkrieg fanden Eingang in seine Bildwelt. Auch Stillleben oder Porträts malte er nicht. Die Ausstellung in Dresden zeigt, dass gerade in der Reduktion auf wenige Motive und Mittel die künstlerische Stärke Altenkirchs lag.

Mehr zur Ausstellung

Ausstellung "Otto Altenkirch. Landschaft – Alla Prima"
28. März bis 27. September 2026

Adresse:
Städtische Galerie Dresden
Wilsdruffer Straße 2
01067 Dresden

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, Feiertage: 10 bis 18 Uhr

Eintritt:
8 € pro Person, 6 € ermäßigt
Freitag ab 12 Uhr freier Eintritt

Quelle: MDR KULTUR (Eva Gaeding), redaktionelle Bearbeitung: gw

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke