• Die Thüringer Landeskunstsammlung wurde 1990 ins Leben gerufen.
  • Um der Sammlung gerecht zu werden, wird ein eigenes Domizil diskutiert.
  • Das Lindenau-Museum Altenburg macht ein erstes Angebot.

Im Büro von Thüringens Kulturstaatssekretär Steffen Teichert hängt ein Kunstwerk, das alle Blicke auf sich zieht: Dutzende Kuscheltiere sind vom Weimarer Künstler Andreas Grahl zu einem großen, quietschbunten Bild vernäht worden. Die Wirkung des Bildes sei enorm, so Teichert. "Wenn Menschen hier reinkommen – völlig egal mit welchem Thema – sind sie mal kurz bei sich, wenn sie das Bild sehen. Und es schafft kaum jemand, nicht einen Satz dazu zu sagen. Und das finde ich sehr schön."

Thüringer Kunst seit 1990: Sammlung umfasst 10.000 Objekte

Das Plüsch-Bild gehört zur Kunstsammlung des Freistaates. Wenn Angehörige der Landesverwaltung, von Unis oder Behörden, ihre Räume gestalten wollen, können sie auf Annika Michalski vom Kulturministerium zugehen und ihre Wünsche äußern. Michalskis Aufgabe ist es, die Werke von Kunstschaffenden im Freistaat nicht im Depot verschwinden zu lassen, sondern sichtbar und bekannt zu machen. "Gerade habe ich einen wunderbaren Gobelin von einer Thüringer Textilkünstlerin wiederbekommen, der seit über zehn Jahren im Landgericht Gera hing", erzählt sie.

Kulturstaatssekretär Steffen Teichert steht mit Annika Michalski, die für die Landeskunstsammlung zuständig ist, vor Andreas Grahls Werk "Evolution of Love".Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Der Gobelin ist nur eines von rund 10.000 Objekten, die für die Landeskunstsammlung seit 1990 zusammengetragen wurden. Etwa zehn Prozent der Werke hängen in Verwaltungsgebäuden, weitere 25 Prozent befinden sich als Dauerleihgaben in Museen. Während die Landesregierung lange Zeit nur kleine Budgets für den jährlichen Ankauf bereitstellte, änderte sich das unter dem letzten Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff.

Zwischen 2020 und 2024 wurde Kunst für über eine Million Euro angekauft. Allein 2024 kamen 243 Werke neu in die Sammlung. Aus Sicht von Kulturstaatssekretär Steffen Teichert war das gut für die Thüringer Kunstlandschaft: "Ich denke, dass wir auch langfristig diesen Weg weiter beschreiten werden."

Ein eigenes Haus für die Landeskunstsammlung?

Doch mit dieser enormen Zahl an Ankäufen stellt sich immer drängender die Frage nach einem neuen Umgang mit der Sammlung, findet etwa Angelika Steinmetz-Oppelland vom Verband Bildender Künstler. Durch den kontinuierlich erweiterten Bestand an zeitgenössischer Kunst habe sie Museen weitgehend überholt.

Angelika Steinmetz-Oppelland ist Sprecherin des Verbands Bildender Künstler in Thüringen.Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

"Der Idealfall wäre, dass die Sammlung einen dauerhaften Ort bekommt – egal an welchem Haus, an welcher Institution." Denn nur so könne sie auch kuratorisch betreut werden, argumentiert Steinmetz-Oppelland: "Dass man aus diesem Modus kommt: 'Ich zeige jedes Jahr das Neue.'"

Bislang gibt es abseits der Depots keine eigenen Räumlichkeiten für die Kunst. Ausstellungen werden nur für die Neuankäufe organisiert. Thematische Sonderschauen scheitern an Platz und Personal. Verschenktes Potenzial, findet Schmitz-Oppelland.

Das ist ein tolles Potenzial, was diese Sammlung mittlerweile hat.

Angelika Steinmetz-OppellandVerband Bildender Künstler

"Wenn ich Kuratorin wäre, mir würde es in den Fingern jucken", sagt sie und erläutert, wie spannend es wäre, verschiedene Epochen und Generationen von Künstlern, etwa solche, die die politische Wende mitgemacht haben, und jüngere, gemeinsam auszustellen. "Das ist ein tolles Potenzial, was diese Sammlung mittlerweile hat."

Lindenau-Museum Altenburg macht Angebot

Im Thüringer Kulturministerium wird bereits darüber nachgedacht, wie diese Kunst noch besser in der Öffentlichkeit dargestellt werden kann. Tatsächlich wäre eine Idee, die Sammlung an ein Kunstmuseum anzudocken, auch um Synergieeffekte etwa in Sachen Restaurierung zu erzielen. Vorstellen könnte sich das Roland Krischke, dessen Lindenau-Museum in Altenburg gerade saniert wird und vor einer umfassenden Neuaufstellung steht.

Das Lindenau-Museum Altenburg hat als eines der ersten Interesse an der Landeskunstsammlung des Freistaates Thüringen angemeldet.Bildrechte: MDR/Jürgen M. Pietsch

Die Sammlungsbeauftragte Annika Michalski freut sich, wenn Museen Interesse anmelden und verspricht die Prüfung. Kulturstaatssekretär Steffen Teichert verweist darauf, dass es natürlich Gespräche gebe, aber eben noch keine klaren Handlungslinien und Beschlüsse. "Uns ist aber bewusst, dass wir auf einem Schatz sitzen und dafür sorgen müssen, dass dieser Schatz mehr Reichweite erhält."

Uns ist bewusst, dass wir auf einem Schatz sitzen und dafür sorgen müssen, dass dieser Schatz sichtbar wird.

Steffen Teichert, Kulturstaatssekretär Thüringen

So ist man dran, eine Lösung zu finden. Die, so ist die Ansage in Zeiten knapper Haushalte, keine großen Kosten verursachen darf.

Quelle: MDR KULTUR; redaktionelle Bearbeitung: ks, tmk

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