Wird grüner Wasserstoff durch die Energiekrise doch noch interessant?
- Die Produktion von grünem Wasserstoff ist aufwändig und teuer. Infolge der Energiekrise will die Politik mit Anreizen und Quoten die Produktion dennoch erhöhen.
- Obwohl grüner Wasserstoff ein umweltfreundlicher Energieträger ist, liegen viele Projekte derzeit auf Eis.
- In einigen Regionen wird trotzdem in die Technik investiert – auch in Mitteldeutschland.
Nils Aldag glaubt schon aus beruflichen Gründen an grünen Wasserstoff. Der Chef der Firma Sunfire baut in Dresden große Elektrolyseanlagen, mit denen sich das nachhaltige Gas herstellen lässt.
Trotz Projektabsagen im vergangenen Jahr betont Aldag, grüner Wasserstoff war als Thema nie weg: "Wenn man sich Europa in Summe anschaut, dann werden aktuell 3,2 Gigawatt an Elektrolyseuren gebaut. Das sind im Leistungsäquivalent drei bis vier große Atomkraftwerke. Das sind letztlich Anlagen, die die Versorgung von vier großen europäischen Hauptstädten mit Energie ermöglichen würden."
Teure Produktion: Union will Anreize und Quoten für grünen Wasserstoff
Doch ein Problem bleibt: Grüner Wasserstoff ist teuer. Für seine Herstellung aus entsalztem Wasser braucht es enorm viel Ökostrom. Und so kostet er drei- bis viermal so viel wie herkömmlicher Wasserstoff aus Erdgas.
Für den stellvertretenden Unionsfraktionschef in Bundestag, Sepp Müller, ist klar: "Aktuell lohnt sich grüner Wasserstoff nicht. Deswegen müssen wir gesetzgeberisch auch nochmal nachschärfen. Zu zusätzlichen Subventionen sage ich aber Vorsicht. Das zahlen am Ende auch Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Deswegen die vorhandene Infrastruktur nutzen und mit einer Quote auch die Investitionen anreizen. Das tun wir."
Konkret diskutiert die Politik eine Quote für Raffinerien. Sie sollen verpflichtet werden, eine Mindestmenge an grünem Wasserstoff bei der Benzin- und Dieselherstellung einzusetzen. Das soll das Klima schützen. Zuletzt plante die Bundesregierung mit einer Quote von 1,2 Prozent.
Schlechte Rahmenbedingungen: Industrie hält sich zurück
Sunfire-Chef Aldag findet das zu wenig: "Es ist etwas kurz gesprungen, weil alle Projekte, die heute schon im Bau sind, etwa dieser 1,2-Prozent-Quote entsprechen. Das heißt: Diese Quote, die jetzt kommt, würde keinen zusätzlichen Bedarf anreizen."
Bleibt es bei der niedrigen Quote, dürfte es kaum weitere Wasserstoffprojekte geben. Viele Vorhaben liegen ohnehin auf Eis. Ein Beispiel: Der Elektrolyseur, den der Gaskonzern VNG in Lutherstadt Wittenberg errichten wollte. Vorstandschef Ulf Heitmüller sagt, grundsätzlich halte die VNG am Projekt fest. Bis jedoch Investitionsentscheidungen im dreistelligen Millionenbereich getroffen werden könnten, sei es noch ein weiter Weg: "Wir arbeiten dran. Aber momentan sind dafür die Rahmenbedingungen einfach nicht da."
Inselbetriebe: Einige Regionen sind Vorreiter
Fertig werden soll in diesem Jahr dafür der große Elektrolyseur im Energiepark Bad Lauchstädt – mit Verspätung. Er speist dann direkt in den ersten Abschnitt des Wasserstoffkernnetzes Richtung Chemiepark Leuna ein. Der Netzausbau liege im Plan, sagt der Chef der Bundesnetzagentur Klaus Müller: "Die Bundesnetzagentur überprüft den Ausbau regelmäßig. Und wir sehen: Es wird gebaut. Es sind zur Zeit Inselkonzepte. Das heißt, momentan wird in bestimmten Regionen schon sehr intensiv Industrie, teilweise auch Kraftwerke in Vorbereitung, angeschlossen ."
Grüner Wasserstoff macht unabhängiger von fossiler Energie
Bleibt die Frage: Wer nutzt künftig das Wasserstoffnetz freiwillig, wenn das grüne Gas bislang nur dank politischer Vorgaben Käufer findet? Nils Aldag betont, die Wasserstoffpreise würden sinken, die Produktionsanlagen effizienter. Und man dürfe nie vergessen: Grüner Wasserstoff mache unabhängiger.
Der Sunfire-Chef zitiert eine Statistik, wonach Europa infolge des Ukrainekriegs mehr als 900 Milliarden Euro zusätzlich für Öl- und Gasimporte ausgegeben habe. Von diesem Geld hätte man so manchen Elektrolyseur bauen können.
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