MDR KULTUR: Anfang der 90er-Jahre gab es mal Konzerte, da haben Sie die Band auf der Bühne selber mit den Worten beschrieben: Rainbirds haben sieben Leben, wir befinden uns jetzt im zweiten. Im wievielten Leben sind Sie jetzt?

Katharina Franck: Meine Rainbirds-Phase geht ja jetzt schon seit 40 Jahren und sie wird wahrscheinlich auch danach immer noch weitergehen. Rainbirds sind, wenn die Leute in meine Konzerte kommen, nicht wegzudenken, und ich will das auch ehrlich gesagt gar nicht. Aber ich habe natürlich in der Zwischenzeit auch sehr viele Sachen gemacht, die ich nicht unter dem Namen Rainbirds auf Tour geschickt habe. Aber diese Rainbirds-Geschichte, die hat ja auch schon begonnen, bevor ich die Rainbirds überhaupt gegründet habe.

Rod González ist ja auch einer, der mal dazugehörte, als Bassist der Ärzte kennen ihn vielleicht die meisten, oder Michael Beckmann, erfolgreicher Produzent und Filmkomponist. Es hat im Winter schon ein paar wenige Shows zusammen gegeben. Wie hat sich das angefühlt bei Ihnen?

Es gab tatsächlich das eine Rainbirds-Konzert, das war eine Einladung vom Düsseldorfer "Zakk". Die haben da das "Lieblingsplatte-Festival", da spielen die Bands eigentlich ihre bekanntesten Platten. Und ich habe es geschafft, Miguel Passarge vom Zakk dazu zu überreden, dass wir das zweite Rainbirds-Album spielen, weil es bei den Fans nach wie vor das beliebteste ist. Und in diesem Zusammenhang hat sich das eigentlich so Stückchen für Stückchen entwickelt. Und weil ich ja wusste, dass die alte Band auch wieder zusammenkommt, habe ich bei meinen ganzen Duo-Konzerten im letzten Jahr immer mal wieder den einen oder anderen eingeladen, mitzumachen.

Rainbirds 1988 mit (von links) Wolfgang Glum (Schlagzeug), Katharina Franck (Gesang und Gitarre), Rod González (Gitarre) und Michael Beckmann (Bass)Bildrechte: IMAGO / teutopress

Katharina Franck, Michael Beckmann, Wolfgang Glum und Rod Gonzalez – das war die damalige Besetzung von Rainbirds, die nicht ganz so friedlich auseinandergegangen ist. Wie ist es denn jetzt nach all der Zeit, wieder gemeinsam Musik zu machen?

Katharina Franck: Die einen sind ein bisschen altersmilder geworden, die anderen ein bisschen klüger. Und dann gibt es auch Leute, die möchten irgendwie, dass alles wieder zu einem guten Ende kommt. Also, es war jetzt nicht so, dass alle von Anfang an hurra geschrien haben, sondern da war eben auch dieser Wunsch da, der bei dem einen schon ein bisschen stärker war als bei der anderen.

Rod González hat geschrieben, er habe die Trennung vor 36 Jahren nur negativ in Erinnerung. Mit dem Auftritt in Originalbesetzung wolle er diese dunkle Phase hinter sich lassen und sie durch Spaß und Freude an der Musik ersetzen. Wie geht es Ihnen, wenn Sie solche Sätze lesen?

Katharina Franck: Ich wusste ja auch, dass das so ist. Ulrike Haage ist ja zur zweiten großen Rainbirds-Tour als Pianistin dazugekommen und sie hat auch aus einer anderen Position damals sehr viel mitbekommen – auch wie sehr alleingelassen die Rainbirds damals in Teilen waren in diesem wahnwitzig schnellen Erfolg. In einer Branche, die darauf fokussiert war, so viel von dem großen Erfolg abzuschöpfen, wie nur irgendwie möglich, fehlte einfach auch die individuelle Unterstützung der einzelnen Personen. Und wir sind halt damals nicht gut damit umgegangen.

Für mich war das ein großer Traum: Dieser wahnsinnig große Erfolg war eigentlich eine ganz große Freude für mich und dieser krasse Bruch dann vielleicht fast der größte Schmerz, den ich bis jetzt in meinem Leben gespürt habe.

Also ich freue mich einfach darauf, dass wir gerade jetzt, wo auch die Welt zusammenbricht, es schaffen, nochmal als Erwachsene und als Menschen mit einer eigenen Biografie, mit eigenen Erlebnissen, die zu verarbeiten sind und die einen stärker gemacht oder vielleicht auch ein bisschen angeknackst haben, dass wir es trotzdem schaffen, so zusammenzukommen.

Katharina Franck, Gründerin und Sängerin von RainbirdsBildrechte: Michael-O'Ryan

Und ist das für Sie eine Art Werkschau, ein Vermächtnis, ein großer Abschied? Die Tour soll ja einmalig bleiben.

Katharina Franck: Die soll einmalig bleiben, weil es ein sehr großes Unternehmen ist. Wir sind alle auch schon älter, wir haben alle unsere Leben und Pläne und Ideen und Vorstellungen. Und ich finde das einfach toll, dass wir das jetzt so konzentriert und komprimiert machen, dass aber niemand genötigt ist, seine eigenen Lebensentwürfe oder so nochmal umzuwerfen.

Wir treffen sicherlich wieder aufeinander an irgendeiner Stelle, aber dieses Gewicht, was wir natürlich auch auf den Schultern haben mit der Geschichte der Rainbirds, das möchte ich tatsächlich nächstes Jahr beiseite legen. Rainbirds wird nie weg sein. Wo ich bin, wird immer auch ein bisschen Rainbirds sein, aber die Legacy sozusagen der Rainbirds, die in den Medien und im Business sehr eng an diese 80er-Jahre geknüpft sind, die möchte ich jetzt aufbrechen. Ich möchte die 90er-Jahre da reinholen. Es ist auch ein Song von unserem 2014er-Album dabei, was ich mit Bela Braugmann und Gunther Papperitz gemacht habe. Und dann, ja, vielleicht kann ich dann nochmal irgendwie ganz woanders hinfliegen.

Informationen zur Rainbirds-Tournee

Through the Web of Time – 40 Years, One Voice

ausgewählte Termine 2026:

12. Mai Leipzig, Haus Auensee
13. Mai Berlin, Admiralspalast
29. Mai Frankfurt (Oder), Messehalle 1
20. Juni Neuruppin, Hangar-312
21. Juni Kassel, Kulturzelt

Quelle: MDR KULTUR (Ben Garit Hernandez), redaktionelle Bearbeitung: hki
Das Interview wurde zur besseren Lesbarkeit gekürzt und nur in Ausschnitten verschriftlicht. Eine längere Version mit Katharina Franck und Pianistin Ulrike Haage
hören Sie im Audio.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke