Monika Maron: "Ich hatte vor meinen Tagebüchern immer Angst."
- Monika Maron blickt auf eine bewegte Literaturkarriere zurück.
- In ihren Tagebüchern schreibt sie unter anderem über ihren Reise in die USA und nach Frankreich.
- Es geht aber auch um das Verhältnis zu ihrer Familie und ihrer Herkunft.
Monika Maron hat ihre Tagebücher ausdrücklich nicht für die Nachwelt geschrieben. Eine Freundin sollte sie verbrennen, falls die Autorin nicht mehr selbst dazu käme. Doch vor wenigen Jahren hat sie noch einmal in die Bücher geschaut, als sie den Roman "Das Haus" verfasste. "Ich musste acht Romanfiguren bedienen. Das hatte ich so noch nie gemacht", erzählte Maron MDR KULTUR. "Da hab ich gedacht, ich gucke mal in meine Tagebücher, ob ich da irgendwas gebrauchen kann."
Zeitgeschichte: Das Leben als Autorin in der DDR
"Eigentlich hatte ich vor meinen Tagebüchern immer Angst", erinnert sich Maron. Es sei die Angst gewesen, ihr früheres Ich könne ihr peinlich sein. Die Tagebücher vor 1980 hatte sie genau aus diesem Grund bereits vernichtet. Als sie in die späteren Notizen schaute, stellte sie fest, "dass auch viel Zeitgeschichte drin ist."
Dieser Zeitgeschichte widmet sich der größere Teil der Tagebücher. Sie handeln von den 1980er-Jahren, als die ersten beiden Romane von Monika Maron nicht in der DDR erscheinen durften: "Man ist Schriftsteller und kann das nicht leben – ein Mensch der von seiner eigenen Arbeit abgeschnitten ist. Man hat keinen Kontakt zu seinem Publikum. Das ist ein komischer Zustand."
Großbritannien, Frankreich und USA: Reise in die Einsamkeit
In dieser Zeit der Depression und der gesellschaftlichen Agonie führt Monika Maron einen zermürbenden Kampf um einen Pass und die Genehmigung für eine lange Reise. Tatsächlich kann sie für ein Jahr das Land verlassen. Ihr Ehemann und Sohn bleiben gewissermaßen als Geiseln daheim.
Eigentlich hatte ich vor meinen Tagebüchern immer Angst.
"Ich war in England, ich war in Frankreich, ich war in Amerika, aber ich konnte keine Sprachen und ich war immer allein." Das Alleinsein sei eine ungewohnte Situation gewesen, erzählt Maron. "Ich habe in Zügen geschrieben, ich habe in Cafés geschrieben, ich habe auf Parkbänken geschrieben. Aber ich konnte nur mit mir allein reden."
Ahnenforschung in Manhattan
In diesen Tagebucheinträgen von der großen Reise 1984/1985 begegnet Maron dem Publikum als Touristin. Aber auch unterwegs treiben sie als Autorin die gleichen Themen um: So sucht sie zum Beispiel im Telefonbuch von Manhattan nach dem Namen ihrer Vorfahren aus Osteuropa und findet tatsächlich einen Familie Iglasch.
Das war ihr Mädchenname bis zum zwölften Lebensjahr – und der ihres Großvaters Pawel. Es war der Großvater, dem sie später ein ganzes Buch gewidmet hat: "Als ich zwölf war, habe ich beschlossen, dass ich nur von meinem Großvater abstamme. Alles andere hat mir nicht gefallen."
Monika Maron, circa 2000. Die Schriftstellerin hat immer wieder Debatten angestoßen - auch zur eigenen Person.Bildrechte: MDR/Mahmoud DabdoubMonika Maron im Laufe der Zeit
Die Einträge in den Tagebüchern wechseln zwischen Selbstbefragungen und klugen, manchmal komischen Alltagsbeobachtungen. Immer wieder gibt es Reisen und Vorträge, eine Gastdozentur, Reflektionen zu Kollegen und Freunden. Aber es findet sich erstaunlich wenig zum Werk.
Nach 1990 werden die Einträge fast sporadisch. Es tun sich große Lücken auf. Zwischen den Einträgen liegen teils Jahre. "Da gibt es lauter angefangene Tagebücher", sagt Maron. "Ich habe damals viel für Zeitungen geschrieben und ich war nicht mehr so viel allein. Ich schreibe offenbar viel, wenn ich allein bin."
Ab 1. April im Handel: Die Tagebücher von Monika Maron.Bildrechte: Hoffmann und CampeZu alledem beginnt sie in den 1990er-Jahren am Computer zu schreiben, erzählt die Schriftstellerin. In den Computer-Notizen will sich aber "keine einzige Zeile finden, die so klingt wie im Tagebuch." So zeigen ihre nun veröffentlichten Tagebücher vor allem das Porträt der jungen Autorin Monika Maron, die man aber doch wiedererkennt: eine kluge Beobachterin, wortgewandt, stolz und unbotmäßig – so wie sie heute immer noch ist.
Mehr Informationen zum Buch:
Monika Maron: "Immer noch freundlich aber kaum noch geduldig"
Tagebücher 1980 – 2021
Verlag: Hoffmann und Campe
256 Seiten
28,00 €
Redaktionelle Bearbeitung: tis, az
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