• Wie smarte Geräte zuhause neue Möglichkeiten der gegenseitigen Kontrolle schaffen
  • Wer die Technik einrichtet, überwacht meist auch die Daten
  • Kindern mehr Vertrauen schenken statt Überwachung auf Schritt und Tritt

Karola Köpferl hat an der TU Chemnitz gerade ihre Doktorarbeit in Informatik geschrieben. Sie hat auch Sozialpädagogik studiert und erforscht die Deutschen in ihren Smart Homes. Köpferl ist sehr freundlich. Aber die Fragen, die sie bei ihrer Smart-Home-Forschung erlebt – die haben es in sich:

"Warst du heute Nacht um drei am Kühlschrank? Oder: die Wohnungstür war doch gar nicht geöffnet. Du warst überhaupt nicht draußen. Du hättest mit dem Hund rausgehen sollen. Oder: Ich kann meine Kinder überwachen. Ihr hättet 18 Uhr zu Hause sein sollen. Die Wohnungstür hat sich aber erst 20 Uhr bewegt. Wo wart ihr?"

Wie das Smart Home häusliche Gewalt verschärfen kann

Köpferl sagt, Smart Home-Daten sorgen dafür, dass in Familien Überwachung normal werden kann. Damit das nicht passiert, arbeitet sie zusammen mit der Verbraucherzentrale Sachsen an einer Empfehlung. Entstanden ist all das im Forschungsprojekt Simplications an der TU Chemnitz und der Hochschule Anhalt – da hat Köpferl in Haushalten von echten Menschen geforscht.

"Was ich einfach in den Familien sehe: oft sind es leider die Männer, die die Technik einrichten", erklärt sie. Der Vater schaue sich die Daten an und die anderen schauten nicht rein, weil es der Alltag manchmal zeitlich nicht zulasse oder weil die Fähigkeiten nicht da seien. "Und daran gewöhnt man sich ein Stück weit und das ist aber nicht gut", warnt die Wissenschaftlerin. Denn: Zunehmend werde auch häusliche digitale Gewalt ein Thema – im Sinne von Überwachung.

Oft sind es leider die Männer, die die Technik einrichten. (...) Daran gewohnt man sich ein Stück weit und das ist aber nicht gut.

Karola KöpferlTU Chemnitz

Frauenhäuser müssten zum Beispiel Tracker aus der Kleidung von Frauen entfernen, die bei ihnen Schutz suchen. Vermeintlich gut gemeinte Technik wird so ein Mittel, um Menschen zu überwachen. Und Nutzer kommen auf die Idee, immer mehr smarte Technologien einzusetzen, sagt Köpferl.

Verhandeln, welche Daten man mit den Verwandten teilen will

"Man denkt, dass man den Großeltern oder vielleicht den Eltern was Gutes tut, damit die länger daheim leben können. Also wird Technik angeschafft", schildert sie. Aber es werde nicht gleichberechtigt verhandelt, welche Daten die Verwandten etwa mit ihren Kindern oder ihrem Schwiegersohn teilen wollen – "und welche Daten möchte ich zum Beispiel auch nicht teilen?"

Frauen, ältere Menschen und Kinder: Leben sie in smarten Haushalten, scheint also das Risiko zu wachsen, dass ihr Verhalten mit Daten überwacht werden kann. Informatikerin und Sozialpädagogin Karola Köpferl von der TU Chemnitz betont, man müsse nicht immer nachschauen, wann Kinderzimmertüren bewegt wurden. "Ich kann meinen Kindern auch Vertrauen schenken. Ich muss meine Kinder nicht auf Schritt und Tritt überwachen."

Das sei aber schwierig, weil der Konsumentenmarkt suggeriere: "Du musst diese Technik für deine Kinder kaufen, sonst seid ihr schlechte Eltern, sonst bist du vor allem eine schlechte Mutter." Köpferls Forschung führt zu einer ganz großen Frage, die sie aber nicht beantworten kann: Sorgen smarte Technologien in Haushalten dafür, dass Überwachung normal wird und dass Menschen sie im öffentlichen Raum gar nicht mehr hinterfragen?

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