• Malermeister Holger Tröger wünscht sich ein Tempolimit vor allem, weil ihn deutlich schneller fahrende Verkehrsteilnehmer unter Druck setzen.
  • Wer langsamer fährt, hat einen geringeren Luftwiderstand und verbraucht dadurch deutlich weniger.
  • Ein Tempolimit würde nicht nur Autofahrer finanziell entlasten, sondern Deutschland insgesamt auch weniger abhängig von Ölimporten machen.

Eigentlich fährt Holger Tröger gern schnell. Doch zurzeit, in Anbetracht der Benzinpreise, rechnet er bei jedem Kilometer mit, erzählt der Malermeister. "Bis 130 ist doch eine angemessene Geschwindigkeit."

Als Handwerker kommt Tröger viel rum. Kurz vor Ostern musste der Leipziger zum Beispiel nach Oelsnitz im Vogtland. Hin und zurück sind das mehr als 300 Kilometer. Er habe versucht, so sparsam wie möglich zu fahren. Doch das sei eine stressige Erfahrung gewesen, so Tröger. "Wenn du da nicht mitziehst, hupen sie dich an. Man sollte vorausschauend und achtsam fahren. Und am Ende grenzt man das mit Geld schon irgendwie ein."

Tröger ist für ein Tempolimit – nicht nur für den Geldbeutel, sparen könne er auch ohne Gesetz. Er fordert eine feste Regel gegen den damit verbundenen Stress auf der Straße.

Einsparungen bis 30 Prozent möglich

Rückendeckung bekommt Tröger vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Wer seine Fahrweise anpasst, spare 20 bis 30 Prozent Sprit, erklärt der verkehrspolitische Sprecher beim VCD, Michael Müller-Görnert.

Er rät: Nicht nur den Motor weniger hochpeitschen, sondern vor allem den Fuß vom Gas nehmen. "Auf der Autobahn verbraucht man ja den meisten Sprit durch die hohe Geschwindigkeit und den Luftwiderstand. Das ist das Entscheidende." Je schneller man fahre, desto höher sei der Luftwiderstand – und dadurch auch der Spritverbrauch. "Da sind also locker zehn, zwölf Liter drin. Und wenn man eine geringere Geschwindigkeit wählt, kann man 20, 30 Prozent sparen", so Müller-Görnert.

Das heißt auch: Je wuchtiger das Auto, desto größer der Spareffekt. Theoretisch können also Fahrer von SUVs am meisten rausholen – die, die es wohl eher am wenigsten nötig haben. Doch auch Fahrer von durchschnittlichen Autos können sparen, rechnet das Umweltbundesamt vor: Und zwar bei Tempo 100 statt 130 knapp 23 Prozent. Bei den aktuellen Spritpreisen wären das also gut fünf Euro auf 100 Kilometer.

Sofort wirksam und kostengünstig umsetzbar

Ein Tempolimit hätte auch enorme gesamtgesellschaftliche Effekte, sagt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Laut Umweltbundesamt können rund 3,5 Milliarden Liter Kraftstoff pro Jahr eingespart werden. Das macht uns weniger abhängig von fossilen Krisen."

Auch Claudia Kemfert plädiert deshalb für ein Tempolimit. Eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen sei eine der wenigen Maßnahmen, die sofort wirke, nichts koste – und gleich mehrere Probleme gleichzeitig adressiert. "Es spart Kraftstoff ein, entlastet die Verbraucherinnen und gleichzeitig die CO2-Emissionen, reduziert unsere Abhängigkeit von Ölimporten und erhöht die Verkehrssicherheit", so die Energieökonomin.

Auch die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hatte sich kürzlich für ein Tempolimit auf Autobahnen ausgesprochen, wie es von Grünen und Linkspartei gefordert wird. In der schwarz-roten Bundesregierung allerdings steht ein Tempolimit zurzeit nicht zur Debatte.

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