Ein Monster, das einen verfolgt, ein Sturz aus großer Höhe, ein böses Gespenst im Kleiderschrank: Albträume haben viele Gesichter. Vor allem für Kinder ist es oft nicht leicht, das Geträumte hinter sich zu lassen. Besonders problematisch wird es, wenn die Albträume sich wiederholen, die Kinder dadurch Angst vorm Einschlafen entwickeln und aus dieser Schleife nicht wieder herausfinden.

Viele Faktoren im Spiel

Ein Team aus Forschenden der University of Oklahoma und der University of Tulsa hat nun aus bisherigen Studien ein Modell destilliert, wie solche Albtraum-Schleifen entstehen – und wie man intervenieren kann, um Kindern aus ihnen heraus zu helfen. Dafür werteten sie Untersuchungen zu verschiedenen Aspekten aus, etwa zu Inhalten von Albträumen bei Kindern, zum Umgang der Kinder mit Aufregung oder zu ihren Schlafgewohnheiten. Ergebnis: Wie schrecklich Albträume sind, wie schlimm sie Kinder belasten und verfolgen, ob der nächtliche Horror sich verstetigt – das hängt weniger an dem, was in dem Traum passiert, als daran, wie die Kinder damit umgehen (und wie ihr Umfeld sie dabei unterstützt).

Das DARC-NESS-Modell

Um die Prozesse, die dahinter stecken, zu systematisieren, haben die Forschenden ein Modell entwickelt: DARC-NESS, ein Akronym für sieben Faktoren, die bei der "Chronifizierung" von Albträumen eine Rolle spielen, also der Frage, ob sie sich von einem vorübergehenden zu einem dauerhaften Problem entwickeln.

D – Dream Content: Was passiert in dem Traum, welche Emotionen ruft er hervor?

A – Appraisals: Wie bewertet das Kind den Albtraum? Das können zum Beispiel Interpretationen sein wie "gefährlich" oder "unkontrollierbar".

R – Resources for Regulation: Wie gut ist das Kind darin, Emotionen und Stress zu regulieren?

C – Conditional Arousal: Gibt es Angst- und Erregungszustände rund um Zubettgehen und Einschlafen, die das Kind verinnerlicht hat?

N & E – Nightmare Efficacy: Inwieweit hat das Kind die Überzeugung, Albträume bewältigen zu können? Oder fühlt es sich der Situation hilflos ausgeliefert?

S – Sleep Hygiene and Patterns: Welche Routinen und Muster bestehen rund um das Zubettgehen, gibt es beispielsweise ein Vermeidungsverhalten?

S – Sleep Quality and Quantity: Wie gut und wie viel schläft das Kind? Wie erholsam ist der Schlaf?

Hilfe kann an vielen Punkten ansetzen

All diese Faktoren, so die Forschenden, müssen betrachtet werden, um zu verstehen, warum Kinder unter Albträumen leiden und sie nicht "loswerden" können. Die gute Nachricht: Zu jedem Punkt gibt es Interventionsmöglichkeiten. Dazu gehören therapeutische Angebote, etwa das sogenannte "Imagery Rehearsal": Das Kind schreibt das Geschehen seines Traumes um, erfindet ein alternatives, positives oder mutmachendes Szenario; dadurch wird es in seiner Selbstwirksamkeit gestärkt ("Nightmare Self-Efficacy"). Andere Ansatzpunkte sind etwa eine bessere Schlafhygiene oder ein Training in Entspannungstechniken.

Kinder und Jugendliche unter Druck

Auch der Umgang mit Stress- und Erregungszuständen gehört zu den möglichen Therapie-Ansätzen. Die Forschung zeigt, dass wir in unseren Träumen mitunter Erlebnisse vom Tag verarbeiten – und da stehen Kinder und Jugendliche extrem unter Druck. Das zeigt etwa das im Januar 2023 gestartete Projekt "Monitor Bildung und psychische Gesundheit (BiPsy-Monitor)" der Universität Leipzig, der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und der Robert Bosch Stiftung GmbH. Demzufolge haben die psychosozialen Belastungen von Kindern und Jugendlichen in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Geschuldet sei das in Teilen der Corona-Krise, aber auch Themen wie Klimakrise, Krieg, Armut und Leistungsdruck spielten eine Rolle, so die ersten Ergebnisse. Diese negativen Eindrücke könnten in nächtlichen Träumen ihre Fortsetzung finden.

Selbstwirksamkeit macht Mut

"Es ist die Reaktion eines Kindes auf einen Albtraum, die dazu führt, dass Albträume chronisch werden", erklärt die an der aktuellen Untersuchung beteiligte Psychologin Lisa Cromer. "Das bedeutet: Wenn wir lernen, anders auf Albträume zu reagieren, können wir diesen Kreislauf unterbrechen. Zu wissen, dass wir etwas unternehmen können, macht Mut und gibt Kraft."

Links/Studien

DARC-NESS: a mastery-based cognitive-behavioral model for treating chronic nightmares in youth

Autor. MDR Wissen / DS

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