• Bei der Messkampagne der Bundesnetzagentur sind je sechs Messungen über fünf Tage nötig.
  • Durch Vertragsklauseln können Netzanbieter auf dem Dorf 90 Prozent langsameres Internet anbieten.
  • Der Branchenverband der Mobilfunkanbieter kritisierte das Verfahren als zu kompliziert und wenig praxistauglich.

So schlecht ist das mobile Internet in Deutschland gar nicht. Dieser Meinung ist zumindest Frederic Ufer, der Geschäftsführer des Branchenverbands der Mobilfunkanbieter: "Natürlich kennen wir alle die Probleme von Gesprächsabbrüchen auf der Autobahn oder während der Zugreise." Aber insgesamt habe man ein sehr, sehr vorzeigbares Netz in Deutschland.

Eine These, der wahrscheinlich viele von uns widersprechen. Deutlich langsameres mobiles Internet als vom Netzanbieter zugesichert, das ist gefühlt eher die Realität. Und ab kommendem Montag kann man das sogar beweisen: Indem man eine neue Mess-App der Bundesnetzagentur nutzt und das langsame Internet damit dokumentiert.

Fünf Tage je sechs Messungen

Allerdings sind dafür viele Messungen nötig und bestimmte technische Bedingungen müssen auch erfüllt sein, wie Matthias Podolski von der Bundesnetzagentur erläuterte: "Da gibt es dann eine sogenannte Messkampagne. Die dauert fünf Tage, jeden Tag macht man sechs Messungen." Wichtig sei, dass man bestimmte Vorgaben einhalte: Zum Beispiel müsse man die Messung im Freien machen, es dürfe keine Hülle um das Handy drum herum sein und der Energiesparmodus müsse deaktiviert sein. Wichtig sei auch, dass man überhaupt eine 4G- oder 5G-Verbindung habe.

Für Forderungen gegenüber dem Mobilfunkanbieter reicht es nicht aus, wenn das Internet innerhalb dieser insgesamt 30 Messungen nur einmal zu langsam ist. Podolski erklärte: "Sie haben an jedem Tag sechs Messungen und wenn diese sechs Messungen alle unterhalb des jeweiligen Wertes liegen und das an insgesamt drei Tagen – dann liegt eine Minderleistung vor."

Auf dem Dorf 90 Prozent langsamer als im Vertrag

Bei Mobilfunkverträgen steht in den Produktinformationsblättern, wie hoch der geschätzte Maximalwert der Datenübertragung ist. Und für eine Minderleistung müsse das Internet wirklich sehr langsam sein, sagt Podolski. Diese Maximalgeschwindigkeit habe man natürlich nicht dauerhaft. Deswegen gebe es bestimmte Abschläge, je nachdem, ob man in einer Wohnstraße in einer Großstadt misst oder zum Beispiel am Rand eines Dorfes. Er erklärte, "Bei hoher Haushaltsdichte müssen 25 Prozent der vereinbarten Maximalgeschwindigkeit erreicht werden und das geht dann runter bis zehn Prozent."

Das bedeutet also: Auf einem Dorf kann der Netzanbieter 90 Prozent langsameres Internet anbieten als vertraglich vereinbart. Das kritisiert Nikola Schiefke vom Verbraucherzentrale Bundesverband als viel zu wenig. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert deshalb, dass die Anbieter auch im Mobilfunk mindestens 90 Prozent der beworbenen maximalen Internetgeschwindigkeit tatsächlich ihren Kunden zur Verfügung stellen müssten. Sei dies nicht der Fall, sollten Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Internetkosten senken können.

Verfahren zu kompliziert und wenig praxistauglich

Frederic Ufer von den Mobilfunkanbietern sieht die neue Verordnung der Bundesnetzagentur eher als bürokratischen Papiertiger. "Wir haben eine Vielzahl von Kundinnen und Kunden, die in sehr günstigen Tarifen unterwegs sind. Und ob ich mich da auf die Reise mache, in diesen komplizierten Prozess einsteige, um dann eine Minderung von einem Euro zu bewirken, das bleibt mal abzuwarten."
Das komplizierte Messverfahren sei kaum praxistauglich, findet Ufer. Stattdessen sollte eher die Netzabdeckung verbessert werden. Für die entsprechenden Genehmigungen sehen die Mobilfunkanbieter auch Bundesregierung und Bundesnetzagentur in der Pflicht.

Wer sich durch die sogenannte Messkampagne gekämpft hat und tatsächlich zu langsames Internet nachweisen kann, der kann seine Rechnung für die Internetdaten mindern - ähnlich wie bei einer Mietminderung. Oder den Vertrag außerplanmäßig kündigen. Die Mess-App der Bundesnetzagentur - samt ausführlicher Anleitung - gibt es ab Montag in allen App-Stores. Sie ist kostenlos.

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