Warum die Ostdeutsche Sparkassenstiftung überlebenswichtig für die Kultur im Osten ist
- Für Kunst und Kultur in Sachsen-Anhalt ist die Förderung der Sparkassenstiftung essenziell.
- Denn im Osten gibt es weniger private Geldgeber als im Westen.
- Eine AfD-Regierung könnte die Förderlandschaft umkrempeln.
Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung feiert am Mittwoch mit einem Festakt in Halle ihr 30-jähriges Bestehen. Die Stiftung gilt als größter nicht-staatlicher Förderer von Kunst und Kultur in Ostdeutschland. Eigenen Angaben zufolge förderte die Stiftung in der Zeit ihres Bestehens rund 2.700 Kulturprojekte in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Das gesamte Fördervolumen beträgt demnach 126 Millionen Euro.
Essenzielle Kulturförderung in Sachsen-Anhalt
Egal ob beim Kurt-Weill-Fest in Dessau, im Naumburger Dom oder am Kunstmuseum Moritzburg in Halle: Auf Plakaten und Flyern sieht man einen Sponsor immer wieder: Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung.
Allein das Kunstmuseum Moritzburg hat in den vergangenen zehn Jahren über eine Million Euro Fördergelder von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung erhalten und damit mehrere Ausstellungen finanziert – die aktuelle Schau zum Avantgardisten Edmund Kesting zum Beispiel oder die umfangreiche Ausstellung zum Maler Willi Sitte.
Thomas Bauer-Friedrich konnte mit dem Geld der Stiftung in seinem Kunstmuseum Moritzburg mehrere Ausstellungen und Forschungsprojekte realisieren.Bildrechte: Karsten Möbius In Zeiten knapper Kassen bei Städten und Gemeinden würden immer mehr staatliche Förderungen ausfallen, berichtet der Direktor des Kunstmuseums Moritzburg Thomas Bauer-Friedrich im Gespräch mit MDR KULTUR: "Perspektivisch wird es wahrscheinlich deutlich schwieriger werden, darauf bin ich gefasst, darauf stellen wir uns alle im Kulturbereich ein".
Wenn die nicht wären, dann wäre, glaube ich, kaum noch was möglich.
Umso mehr seien die Gelder der Sparkassenstiftung für viele Kulturschaffende überlebenswichtig: "Wenn die nicht wären, dann wäre, glaube ich, kaum noch was möglich." Ganz abfangen wird die Ostdeutsche Sparkassenstiftung die Ausfälle von staatlicher Förderung aber auf keinen Fall. Dafür ist ihr Etat zu gering, sagt die Geschäftsführerin der Stiftung Patricia Werner: "Wir verstehen uns immer als ergänzende Förderer, nie als jemand, der irgendetwas ersetzen kann."
Weniger Mäzene im Osten als im Westen
Generell sei die finanzielle Situation im Osten deutlich schwieriger als im Westen. Dort gebe es deutlich mehr private Geldgeber in der Kultur. Das bestätigt auch Thomas Bauer-Friedrich vom Kunstmuseum Moritzburg: "Leider ist es eben wirklich so, dass hier in unserer Region so gut wie keine größeren Summen über private Mäzene, aus der Wirtschaft oder dergleichen zu akquirieren sind."
Patricia Werner ist seit der Gründung 1996 bei der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.Bildrechte: Yorck MaeckeUmso wichtiger werde die Ostdeutsche Sparkassenstiftung für die Kultur-Akteure vor Ort, sagt Patricia Werner bei MDR KULTUR. Das bedeute "Verantwortung, Verantwortung, Verantwortung". Man nehme im Osten immer wieder wahr, dass Projekte wegbrechen, berichtet Patricia Werner. Die Stiftung sei aber bereit zu helfen, insbesondere "wenn ein Museum oder ein Theater dicht an den Menschen dran ist". Denn das sei immer die Bedingung: Es musst Kunst und Kultur sein, die vor Ort verwurzelt ist und ostdeutsche Lebensrealität abbildet, erklärt Patricia Werner.
Warum gibt es die Ostdeutsche Sparkassenstiftung? (Zum Ausklappen)
Die Sparkassen haben einen öffentlichen Auftrag. Dieser umfasst nicht nur Finanzdienstleistungen in Form von Kontoführung und Banken, sondern sie sollen auch einen Beitrag zum Gemeinwohl liefern. Deshalb wird ein Teil der Einkünfte (unter anderem auch aus der Sparkassen-Lotterie) per Kultur-Förderung wieder an die Menschen vor Ort zurückgegeben. Häufig ist es finanziell so geregelt, dass die Sparkasse vor Ort Geldgeber ist und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung einen Betrag dazugibt.
Allein im Jahr 2025 förderte die Stiftung in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern 88 Projekte mit einem Förderbudget von 4,77 Millionen Euro. Um eine Förderung zu erhalten, muss man als Projekt einen Förderantrag stellen. Wer die Gelder am Ende erhält, wird von einem Kuratorium entschieden, in dem Vertreter der regionalen Sparkassen und aus der Politik sitzen.
Auch das jährlich stattfindende Kurt-Weill-Fest in Dessau wird von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gefördert. Bildrechte: Kurt Weill Fest, Jörg SingerMögliche AfD-Regierung könnte die Förderlandschaft verändern
Angesprochen auf die Kulturpolitik-Pläne der AfD, die in Umfragen in Sachsen-Anhalt gerade weit vorne liegt, gibt sich die Geschäftsführerin Patricia Werner gelassen. Man müsse erstmal sehen "was davon nachher in der Realität wirklich übrig bleibt."
Ich muss erst mal sehen, was davon nachher in der Realität wirklich übrig bleibt.
Es habe in 30 Jahren Stiftungsgeschichte nicht einmal den Fall gegeben, "dass eine Partei oder ein Ministerpräsident oder ein Kulturminister in die Stiftung reingeht", so Werner. Die AfD hatte zuletzt "eine neue patriotische Kulturpolitik" angekündigt. Im Zuge dessen will die Partei auch die Kulturförderung im Land anpassen. Diese Pläne stießen auf große Kritik bei Kulturinstitutionen in Sachsen-Anhalt.
Quelle: MDR KULTUR, Ostdeutsche Sparkassenstiftung
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