• Bestatter Hentschel kritisiert günstige Online-Bestattungsangebote als intransparent und letztlich teurer durch versteckte Zusatzkosten.
  • Laut Verbraucherinitiative Bestattungskultur sind Billigbestattungen nicht mit normalen Bestattungen vergleichbar, da sie beispielsweise im Ausland stattfinden.
  • Vergleichsportale haben Bestattungen günstiger, aber auch unübersichtlicher gemacht.

Rene Hentschel sitzt vor seinem Rechner und scrollt durch ein Preisportal. Bei einem Angebot bleibt er hängen: Ein Bestatter aus Nordrhein-Westfalen bietet eine Feuerbestattung für unter 1.000 Euro an. Hentschel wundert sich, was da alles enthalten ist – zum Beispiel ein Sterbegewand. "Warum kauft man heutzutage ein Sterbegewand? Jeder Angehörige, jeder Mensch, der stirbt, hat Sachen in seinem Schrank."

Rene Hentschel ist selbst Bestatter aus Markranstädt bei Leipzig. Seit Jahren beobachtet er die Billigkonkurrenz auf Preisportalen. Er wolle die Intransparenz öffentlich machen, sagt er. Die meisten Angebote sähen nach viel aus, doch am Ende fehle alles, was teuer wird, zum Beispiel Steinmetz und Krematorium.

Auch im Angebot aus Nordrhein-Westfalen: "Die Angehörigen kriegen dort am Ende mehrere Rechnungen von verschiedenen Ansprechpartnern und wissen gar nicht, ob alles richtig ist." Bei diesem Angebot kämen zusätzlich Rechnungen von der Friedhofsverwaltung, einem Doktor und dem Standesamt. "Das ist alles nicht mit drinnen", erklärt Hentschel.

Billigbestattungen im Ausland

Ein anderer Bestatter aus Nordhausen wirbt mit einer Feuerbestattung für 1.072 Euro. Einer weiterer aus Leipzig bietet eine für 1.016 Euro an. Doch solche Preise seien in Deutschland kaum möglich, allenfalls anonym und als Seebestattung, sagt Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas: "1.000 Euro ist schon extrem günstig. Das ist dann aber anonym. Dann findet die Bestattung im Ausland statt und man hat keine Ahnung, wo die Grabstelle ist."

Für das, was man sich normalerweise unter einer Bestattung vorstelle, müsse man schon mehrere Tausend Euro einplanen, sagt Helbach. Er spricht von einer Summe zwischen 4.000 und 5.000 Euro. "Man kann diese Billigangebote nicht damit vergleichen, was man sich klassischerweise unter einer Bestattung vorstellt."

Unseriöse Anbieter

Vergleichsportale haben die Branche extrem verändert. So kann ein Angehöriger in Görlitz heute einen Bestatter in Kiel beauftragen. Viele Bestatter besitzen daher heute weder Kühlräume noch Leichenwagen. Stattdessen holt ein externer Dienst den Toten ab, ein Krematorium kümmert sich um die Schritte bis zur Verbrennung. Ein Kurier bringt die Asche zum Friedhof.

Das sei günstiger, erklärt Alexander Helbach, denn die Bestattungsunternehmen hätten Verträge mit Krematorien und Friedhöfen, wo sie besonders günstige Preise heraus geschlagen hätten. "Es ist leider ein Problem in jeder Branche: Es gibt seriöse und unseriöse Anbieter. Und die Verbraucher haben dann leider die Aufgabe, dass zu unterscheiden."

Trotz aller Kritik könne man die Portale zur ersten Orientierung nutzen, sagt Bestatter Rene Hentschel. Man müsse sich nur vorher genau über die Preiszusammensetzung informieren. Hilfe bieten dabei Verbraucherzentralen oder Initiativen wie Aeternitas.

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