Vitamin D senkt Ihr Typ-2-Diabetes-Risiko – wenn Sie die richtigen Gene haben
Wie gesund ist Vitamin D und kann man auch zu viel davon aufnehmen? Artikel zu diesen Fragen füllen inzwischen seitenweise das Internet – und durchaus zurecht. Denn Vitamin-D-Mangel ist in Europa weitverbreitet. Eine große und viel zitierte Metastudie hatte 2016 gezeigt, dass etwa 13 Prozent der Europäer deutlich zu wenig und bis zu 40 Prozent etwas zu wenig Vitamin D im Blut haben. Bekannt ist ebenfalls, dass eine Erkrankung an Typ-2-Diabetes oft mit Vitamin-D-Mangel einhergeht.
Schutz vor Diabetes: Warum Vitamin D als möglicher Risikobremser galt
Ein Team von Forschenden um Anastassios Pittas von der Tufts University in Boston, USA, hatte also erwartet, dass Menschen mit einem hohen Diabetes-Risiko von zusätzlichem Vitamin D profitieren würden. In der aufwendigen klinischen D2d-Studie testeten sie zwischen 2013 und 2018 die Gabe von Vitamin D in unterschiedlichen Dosierungen. Die Teilnehmenden waren im Schnitt über 60 Jahre alt und zeigten bereits hohe Blutzuckerwerte, waren aber noch nicht erkrankt.
Zum Erstaunen der Wissenschaftler fielen die Effekte der Vitamine allerdings überraschend klein aus. Deshalb haben sie die Daten von rund 2.100 Teilnehmenden der Studie weiteren Analysen unterzogen – und deren Ergebnisse sind jetzt im Fachjournal JAMA Network Open erschienen.
Überraschend kleiner Effekt: Vitamin D senkt nicht bei allen das Diabetesrisiko
Tatsächlich konnten rund 70 Prozent der untersuchten Personen durchaus ihr Diabetesrisiko durch die tägliche Einnahme von Vitamin D3 (4000 IE) in unterschiedlichem Maß senken. Bei den übrigen 30 Prozent trat dieser Effekt allerdings nicht ein. Die Untersuchung der Blutproben zeigte, dass ein Erfolg der Therapie vor allem davon abhing, ob die angestrebten Vitamin D-Spiegel im Blut erreicht wurden. Als die Forscher dann die DNA in den Blutproben genetisch analysierten, fanden sie den entscheidenden Unterschied.
Bei den Genen, die die Aufnahme von Vitamin D in den Körper steuern, gibt es in der Bevölkerung mehrere Varianten. Eine davon, die Variante Apal, ist bereits durch vergangene Studien bekannt dafür, mit Stoffwechselerkrankungen und starkem Übergewicht verbunden zu sein. Deshalb untersuchten die Forscher diesen DNA-Abschnitt genauer. Die Analyse zeigte, dass Personen, die die Apal-AC- oder -CC-Allele besaßen, von dem Vitamin D profitierten. Wer die Apal-AA-Allele trug, bei dem zeigte sich hingegen kein Effekt.
Gene entscheiden mit – Pauschalempfehlungen sind riskant
Was folgt nun aus dieser Erkenntnis? In einem begleitenden Kommentar schreibt der Endokrinologe Michael Holick, es sei eher unrealistisch, die genetischen Details aller betroffenen Patienten zu ermitteln. Schätzungen zufolge sind weltweit bei über 850 Millionen Menschen die Blutzuckerwerte erhöht. Doch die jetzt vorliegenden Daten könnten ein guter Anlass sein, bereits früh die Vitamin-D-Spiegel bei Kindern und Erwachsenen zu untersuchen und gegebenenfalls mit Ernährungsprogrammen einzugreifen.
Mehr Sonne an die Haut zu lassen, wird wahrscheinlich nicht ausreichen. Zugleich muss davor gewarnt werden, ohne ärztlichen Rat auf eigene Faust mit der Zuführung von hochdosiertem Vitamin-D zu beginnen. Studien zeigen, dass das in einer Überversorgung mit Calcium, einer sogenannten Hypercalcämie, münden kann, die ihrerseits zu neuen Gesundheitsproblemen führt.
Links/Studien
- Dawson-Hughes et al.: Vitamin D Receptor Polymorphisms and the Effect of Vitamin D Supplementation on Diabetes Risk Among Adults With Prediabetes, JAMA Network Open. 2026
- Holick & Shrivani: Vitamin D Receptor Polymorphism—A D-Terminant for Vitamin D’s Association With Risk for Type 2 Diabetes, JAMA Network Open. 2026
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